Angeblich mehr als eine halbe Milliarde Streit um Schulden des Flughafens

Betreiber erklären Anstieg der Verbindlichkeiten mit neuen Bilanzierungsregeln und weisen Kritik der Grünen zurück

Von Marco Völklein und Johann Kirchberger

Der neue Geschäftsbericht der Flughafen München GmbH (FMG) hat einen Streit um die Finanzierung der geplanten dritten Start- und Landebahn ausgelöst. Nach dem am Montag veröffentlichten Bericht für das Jahr 2010 belaufen sich die Schulden der FMG bei ihren drei Gesellschaftern Bund, Freistaat und Stadt München auf 152 Millionen Euro - vor Jahresfrist hatte der Wert noch bei 10,4 Millionen gelegen. Auch die Schulden gegenüber Banken und anderen Gläubigern sind dem Bericht zufolge gestiegen.

Unterm Strich sei die Schuldenlast um mehr als eine halbe Milliarde auf 2,23 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt, kritisierte der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl: "Bei diesem Schuldenstand fragt man sich, wie die FMG und ihre Gesellschafter allen Ernstes hoffen können, dass die dritte Start- und Landebahn ohne Zuschüsse aus Steuermitteln gestemmt werden soll." Magerl forderte von Finanzminister Georg Fahrenschon ein "belastbares Finanzierungskonzept". Die Finanzierung der etwa eine Milliarde Euro teuren Startbahn ist immer wieder Streitpunkt zwischen Gegnern und Befürwortern des Projekts.

Die FMG wies die Vorwürfe zurück: Der Gesetzgeber habe das Unternehmen erstmals dazu verpflichtet, neue Bilanzierungsregeln anzuwenden. Das habe zu dem höheren Schuldenstand geführt. "Bereinigt man die Bilanz um die durch die neuen gesetzlichen Anforderungen zustande gekommenen Effekte, so ergibt sich insgesamt sogar ein Schuldenabbau in der Größenordnung eines zweistelligen Millionenbetrages", erklärte die FMG-Führung. Minister Fahrenschon schoss scharf zurück und warf Magerl "billige Stimmungsmache" vor. So habe die FMG nach den neuen Regeln beispielsweise auch seit langem bestehende Leasingfinanzierungen erstmals in der Bilanz ausweisen müssen.

Gleichwohl scheinen die Geschäfte der Luftfahrt derzeit nicht sonderlich gut zu laufen. So hat die Lufthansa am gestrigen Dienstag eine Gewinnwarnung herausgegeben, als Reflektion "auf ein schwächer als erwartet ausgefallenes Monatsergebnis im August" (Wirtschaft). Auch die Zahlen für den Münchner Flughafen sind für den Urlaubsmonat August nicht gerade positiv. So ist zwar die Zahl der Passagiere gegen über dem Vorjahr um 7,4 Prozent auf 3,6 Millionen gestiegen. Und auch bei den Flugbewegungen wird ein Plus von 2,1 Prozent gemeldet. Allerdings waren es im August 2011 gerade einmal 34 307 Flugbewegungen und damit weniger als vor fünf Jahren. 2006 sind im Erdinger Moos noch 35 606 Flugzeuge gelandet oder gestartet.

Sogar gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist die Luftfracht. Bereits im Juli war ein Minus von 1,6 Prozent auf 25 426 Tonnen bilanziert worden. Im August waren es sogar nur 23 198 Tonnen, die befördert wurden. Ein Minus von 5,5 Prozent. Diese Zahlen machten nach Ansicht von Magerl deutlich, dass "Prognosen und Realität weit auseinanderklaffen". Der Bedarf für eine dritte Startbahn sei nicht gegeben, die FMG sei gut beraten, ihren Antrag zurückzuziehen.