Freimann Diese FOS könnte die beste Schule Deutschlands werden

Angstfrei und weitgehend selbstbestimmt: Die Schüler kommen gern in die Montessori-Fachoberschule.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Montessori-Fachoberschule München (MOS) ist in der Auswahl für den diesjährigen Deutschen Schulpreis.
  • Sie ist die einzige Schule in Bayern im Wettbewerb, dazu republikweit alleinige Vertreterin der reformpädagogischen Einrichtungen.
  • Das Team, das die Schule besuchte und bewertete, zeigte sich teils verblüfft und teils begeistert.
Von Stefan Mühleisen

Die 19-jährige Schülerin kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, schließlich kennt sie die Reaktion schon zur Genüge: Die Leute runzeln die Stirn und schauen überrascht. "Die haben dann so einen erstaunten Gesichtsausdruck, wenn ich sage, dass ich nicht nur freiwillig, sondern gerne lerne und mich in der Schule daheim fühle", sagt die junge Frau, die ihr Zuhause in Fürstenfeldbruck hat und seit zwei Jahren zu diesem in kräftiges Blau getünchten Gebäude in Freimann pendelt, der Montessori-Fachoberschule München (MOS) an der Langfeldstraße. Die Schülerin will kein großes Gewese machen - doch es könnte sein, dass diese Bildungseinrichtung bald ganz groß rauskommt.

Die MOS ist in der Auswahl für den diesjährigen Deutschen Schulpreis - als einzige Schule in Bayern, dazu republikweit unter den 19 Mitbewerbern alleinige Vertreterin der reformpädagogischen Einrichtungen. "Wir waren hocherfreut", sagt Schulleiter Carl Mirwald.

Er und seine Co-Rektorin Karen Reisbeck sahen die Bewerbung vor allem als Gelegenheit, sich von unabhängigen Bildungsexperten evaluieren zu lassen. Nun konkurriert die MOS um die äußerst begehrte Auszeichnung, als beste Schule Deutschlands zu gelten. "Wir müssen uns nicht verstecken", sagt Mirwald.

Diese Schule ist um Klassen besser

Flüchtlinge, Häftlinge oder Abgehängte: Als Deutschlands beste Schule wird 2017 eine ausgezeichnet, an der auch längst Abgeschriebene lernen. Von Paul Munzinger mehr ...

Die Jury dürfte das auch so sehen, wenn sie die Dokumentation des Begutachtungs-Teams sieht, das Ende vergangener Woche für zwei Tage die Schule besucht hat - Lehrer und Bildungswissenschaftler, die durchs ganze Land reisen und sich ein Bild von den Schulen machen; mit von der Partie ist dabei auch ein Kamerateam, das Interviews mit Schülern aufnimmt. Im Fall der MOS dürften die Jury-Mitglieder manch erstauntes Gesicht der Delegationsmitglieder zu sehen bekommen.

"Das Stärkste an dieser Schule sind die Schüler", sagt Volker Krobisch, Leiter des städtischen Gymnasiums Augustinianum in Greven (Nordrhein-Westfalen). Er berichtet von einer Stippvisite im Unterricht, bei dem er "den spektakulärsten Gedicht-Vergleich" erlebt habe, der ihm als Deutschlehrer je untergekommen sei. Als "beeindruckend" bezeichnet Uwe Lehmpfuhl vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) das besondere Klima von gegenseitigem Respekt.

"Es gibt eine hohe Identifikation mit der Schule; viele betonen den familiären Charakter", sagt er. Elisabeth Strauß, Dozentin an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, schwärmt davon, wie locker, angstfrei und doch ernsthaft die Lernatmosphäre sei, sowie davon, dass die Schüler immer wieder betonten, wie gerne sie lernten, und zwar, "wann sie wollen, wo sie wollen und mit wem sie wollen".

Aus den Kommentaren spricht eine gewisse Verblüffung, dass man auch ohne Druck zu einem höheren, staatlich anerkannten Bildungsabschluss kommen kann. Das Konzept basiert auf dem freiheitlichen Ansatz von Maria Montessori, entwickelt Anfang des 20. Jahrhunderts: Die Belastung mit permanenten Prüfungen wird als hinderlich angesehen, als förderlich dagegen die Ermutigung zum eigenverantwortlichen Lernen.

An der MOS haben die Schüler eine gleitende Anfangszeit von 8.30 bis 10 Uhr. Es gibt einen Stundenplan, doch die Schüler können individuell ihre "Studierzeit" einteilen, dabei Lehrer und Fach frei wählen. Um die Freiheit produktiv nutzen zu können, stehen ihnen Lern-Coaches und psychologische Berater zur Seite. Tests gibt es, die werden aber nicht mit Zensuren, sondern in regelmäßigen "Feedback"-Gesprächen bewertet. "Es geht darum, was der Schüler kann, nicht, was er nicht kann", sagt Rektor Mirwald.