Natürlich gibt es bis heute Phasen, in denen Eva einbricht, das Haus nicht verlassen will, einfach niemanden mehr sehen will. Doch dann versucht sie stark zu bleiben. "Momentan muss ich alles so hinnehmen und kann eh nichts ändern", sagt sie und wirkt dabei sehr selbstbewusst, sehr taff. Nach außen hin will Eva ein normales Leben führen. Deshalb geht sie immer noch jeden Tag ins Büro, macht alles so wie vorher. Wie vor ihrer Krankheit. "Gerade wenn man so etwas hat, soll man sich nicht verstecken, sondern immer die Schritte machen, zu denen man bereit ist", sagt sie.
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Professionelles Foto-Shooting
Schritt für Schritt setzt sich Eva mit ihrem Schicksal auseinander. Sie hat sich Augenbrauen und einen Kajalstrich mit Permanent- Make-up nachziehen lassen. Sie trägt jetzt eine dunkle Perücke. Viele ihrer Freunde hatten Eva gleich zu Beginn dazu geraten. "Aber damals habe ich alles abgewiegelt, weil ich es noch nicht wahrhaben wollte und auch nicht bereit dazu war", erinnert sie sich: "Erst im Juni habe ich die Perücke gekauft."
Oberste Kriterien waren, dass die Haare möglichst natürlich wirken und ihrer alten Frisur ähneln. "Ich will nicht zwischen blond, braun und rothaarig wechseln, weil ich mich unwohl und nicht wie ich selbst fühlen würde." Schließlich soll nicht auffallen, dass die Haare unecht sind. "Jetzt habe ich drei Perücken, aber ich hoffe nicht, dass ich sie mein Leben lang brauchen werde."
Trotz allem versucht sie der Situation etwas Gutes abzugewinnen. "Schließlich sehe ich jetzt jeden Tag aus wie vom Friseur", sagt sie. Am Körper stört sie ihre Haarlosigkeit weniger. "Ich bin das einzige Mädchen, das sich im Sommer nie die Beine rasieren musste." Sie brauche einfach ein bisschen Humor, um nicht verrückt zu werden und findet immer neue Möglichkeiten, ihr Schicksal zu verarbeiten. "Ich habe professionell Fotos machen lassen, um nicht krank auszusehen, sondern ästhetisch schön", sagt sie.
So will Eva ihre schwere Zeit als Übergangsphase festhalten. "Schließlich sind meine Haarwurzeln noch da, nur der Mechanismus des Wachsens muss wieder angeregt werden", sagt sie.
Gerade hat sie eine Reiztherapie an der Uniklinik begonnen, auf die sie große Hoffnungen setzt. "Vielleicht", sagt sie, "brauche ich in acht Wochen ja keine Perücke mehr."
Der Text ist erschienen auf der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung. Die Autorin Marlies Portenlänger ist 25 Jahre alt. Weitere Texte der Jugendseite finden Sie unter www.sz-jugendseite.de.
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(SZ vom 03.11.2009/sonn)
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