Forschung Ein Ort, an dem die Zukunft Münchens entdeckt werden soll

Fünf Stockwerke hoch wird das neue Zentrum, das der Architekt Johann Spengler vorstellt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die von Susanne Klatten gegründete "UnternehmerTUM" baut ein Zentrum für Start-ups im Kreativquartier an der Schwere-Reiter-Straße.
  • Das neue Gründerzentrum der TU soll "Munich Urban Colab" heißen und 11 000 Quadratmeter umfassen.
  • Alle Unternehmen sollen sich mit neuen Ideen für ein vernetztes München beschäftigen.
Von Pia Ratzesberger

Susanne Klatten will gerade das Wort an den Architekten rechts neben ihr übergeben, aber dann fällt der Unternehmerin doch noch etwas ein. Für den neuen Bau habe es 18 Bewerbungen gegeben, zählt sie auf, und die Jury habe sich klar für diesen einen Entwurf entschieden. Auf der Leinwand neben ihr ist ein breiter Bau zu sehen, mit fünf Stockwerken.

Darin wird es Wintergärten geben und Werkstätten und Fitnessräume und vor allem mehr als 250 Start-ups. In der Stadt könnte dieser neue Bau viel verändern - denn zum einen soll sich mit ihm nach und nach das gesamte Kreativquartier an der Schwere-Reiter-Straße wandeln. Zum anderen sollen in diesem Haus Unternehmer an Ideen für ein vernetztes München forschen.

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Susanne Klatten, den meisten wohl als die reichste Frau Deutschlands bekannt, sitzt an diesem Dienstagmittag in einer kleinen Kantine an der Schwere-Reiter-Straße, weil die von ihr geschaffene "UnternehmerTUM" - das Zentrum für Gründer an der Technischen Universität München - dieses neue Gebäude baut, inmitten des Kreativquartiers, auf dem Gelände der ehemaligen Luitpoldkaserne. Bis zum Herbst 2020 soll es fertig sein. "Wir machen das in einer ,Public-private partnership'", sagt Klatten.

Links neben ihr hat deshalb Bürgermeister Josef Schmid (CSU) Platz genommen, die Stadt überlässt der UnternehmerTUM das Grundstück im Erbbaurecht, und die UnternehmerTUM wird dann auf eigene Kosten bauen. 30 Millionen Euro sind veranschlagt, Gesellschafter werden sowohl die Stadt als auch die Unternehmertum sein - wobei letztere den weitaus größeren Anteil an der Gesellschaft besitzen wird. Schmid weiß natürlich auch, dass an diesem Tag nicht zum ersten Mal ein Projekt in der Stadt vorgestellt wird, in dem Gründer und Kreative und Wissenschaftler in Zukunft zusammenarbeiten sollen.

Erst Anfang März hatte der Münchner Flughafen seine Pläne für den sogenannten "Lab Campus" präsentiert. Am Flughafen aber, sagt Schmid, seien vor allem Büroflächen geplant, dort zögen vor allem etablierte Unternehmen ein. Während man im Norden von München ein "echtes Gründerzentrum" eröffnen werde.

Die UnternehmerTUM ist zwar auch Partner des Lab Campus, man ziehe dort aber nicht ein, sagt eine Sprecherin, sondern stelle lediglich Kontakte zwischen den Firmen am Flughafen und den Start-ups der UnternehmerTUM her. Dass das eine Projekt aus der Privatwirtschaft kommt und das andere nicht, zeigt alleine die Größe: Der Lab Campus soll einmal 500 000 Quadratmeter groß sein. Das neue Gründerzentrum der TUM wird 11 000 Quadratmeter umfassen.

"Munich Urban Colab" soll es heißen und es wird ein Gebäude von vielen im neuen Kreativquartier sein, in dem die Stadt ja auch Wohnungen, Schulen und Handel plant. "Das ist die Mischung, die jeder kennt und die im Glockenbach und in Haidhausen jeder toll findet", sagt Johann Spengler, der Architekt vom Büro Steidle, das den neuen Bau plant. Er tritt von der kleinen Bühne hinunter vor die Entwürfe und sagt, man habe sich bewusst für ein "roughes Haus" entschieden.

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(Foto: Stephan Rumpf)

Für Beton und für Industriecharme. Man solle schon von außen sehen, dass hier gearbeitet wird. Im Erdgeschoss nämlich wird es eine große Werkstatt geben, mit Lasern und Schweißgeräten und 3-D-Druckern, die solle auch jeder nutzen können, nicht nur Studenten von der Technischen Universität. Das Munich Urban Colab solle im besten Fall ein Haus für die ganze Stadt sein.

Die Decken in den ersten beiden Stockwerken werden vier Meter hoch reichen, die zwei Wintergärten, die sich über mehrere Ebenen ziehen, werden die Stockwerke jeweils untereinander verbinden. Darin sollen sich Pflanzen "wie Tornados" in den Raum drehen, sagt Spengler. Wie die UnternehmerTUM auswählen wird, welche Start-ups in Zukunft in dem Gebäude arbeiten werden, stehe aber noch nicht fest, sagt Susanne Klatten dann noch.

Fix sei nur: Alle Unternehmen im Munich Urban Colab werden sich mit neuen Ideen für die Stadt beschäftigen, werden zum Beispiel der Frage nachgehen, wie man den Verkehr intelligenter steuert oder wie man die Versorgung mit Energie verbessert oder wie man nachhaltiger wirtschaftet.

Es stelle sich vor allem die Frage, sagt die Unternehmerin auf dem Podium, wie eine immer weiter wachsende Stadt wie München trotzdem lebenswert bleibe. Ihre Antwort ist auch: mit neuen Firmen und einem Ort wie diesem.

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