Demonstration gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen: Private Einwender haben in Unterschleißheim ihre Kritik am Flughafenausbau vorgetragen.
Rund 500 Menschen haben am Montagmorgen bei klirrender Kälte mit Liedern und Transparenten vor dem Unterschleißheimer Ballhausforum gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen demonstriert. Aufgerufen hatte das Aktionsbündnis "Aufgemuckt", das 61 Bürgerinitiativen aus der Region vereint. Im Ballhausforum ging der Erörterungstermin für die dritte Startbahn nach der Weihnachtspause in die zweite Runde. Nach den Trägern öffentlicher Belange und den Umweltverbänden sind nun die privaten Einwender - insgesamt 60.000 - an der Reihe, ihre Kritik zu erläutern.
Rund 500 Menschen haben Transparenten gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen protestiert. (© Foto: dpa)
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Lieferten sich in den vorhergehenden Wochen die Gutachter noch lange Rededuelle, füllten diesmal ungewohnt viele Bürger die Ränge im Ballhausforum. Doch bevor die 20 angemeldeten Redner zu Wort kamen, erläuterte der Geschäftsführer der Flughafen München GmbH (FMG), Michael Kerkloh, warum die dritte Startbahn notwendig sei. Mit zwei Start- und Landebahnen nämlich ist der Flughafen laut Kerkloh an seine Kapazitätsgrenzen gelangt.
Zwar räumte auch der Airport-Chef angesichts des fünfprozentigen Rückgangs der Flugbewegungen im zweiten Halbjahr 2008 ein, dass die Wirtschaftskrise eine "Bremsspur" hinterlassen habe, langfristig aber "hat das keine Auswirkungen auf die Entwicklung des Flughafens". Unter dem Gelächter der anwesenden Startbahngegner wies er auch darauf hin, dass die Baumaßnahmen für die dritte Startbahn konjunkturbelebend wirkten, wobei diese, im Gegensatz zu Konjunkturpaketen, "nicht vom Steuerzahler bezahlt" würden.
Einen Überblick über die Größenordnung des Ausbaus gab Kerklohs Stellvertreter bei der FMG, Walter Vill. Danach nimmt die dritte Startbahn weitere 870 Hektar Land in Anspruch. Zwölf Anwesen müssen abgesiedelt werden, die Staatsstraße 2084 zwischen Freising und Erding wird verlegt.
Hartmut Binner, einer von drei Sprechern von "Aufgemuckt", betonte, die meisten Startbahngegner seien weder gegen den Flughafen noch gegen das Fliegen. Sie wollten lediglich nicht hinnehmen, dass ihre Heimat für ein unnötiges Projekt wie die dritte Startbahn weiter zerstört werde. Binner kritisierte auch die Marketingkampagne "Airfolgsregion" der FMG als "Heuchelei". Die "Airfolgsregion" sei vor allem da, "um Geschäfte zu unterstützen".
Die "Aufgemuckt"-Sprecherin und Erdinger Kreis- und Gemeinderätin Helga Stieglmeier wehrte sich dagegen, dass die Ängste der Menschen um ihre Gesundheit als "Restrisikotoleranz" abgetan würden. "Trotz sehr geringer Wahrscheinlichkeit gibt es jede Woche Lottogewinner, und der Supergau von Tschernobyl ist uns noch in guter Erinnerung", so Stieglmeier.
Claus Conrad, der dritte Sprecher von "Aufgemuckt", kritisierte die gebetsmühlenartigen Hinweise auf den "Wirtschaftsstandort Bayern". Angesichts des knapper werdenden Öls und der Klimaveränderung sei der Ausbau des Luftverkehrs ein "Anachronismus". Politiker aller Couleur betonten gerne das Gemeinwohl, in Wirklichkeit sei das aber , so Conrad, "eine von persönlichen Machtinteressen bestimmte Politik, im Falle der Startbahn vom Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa und dem FMG-Chef."
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(SZ vom 13.01.2009/sonn)
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Lärmempfinden ist immer subjektiv. Wenn's "freisinger_und_dafür" nicht stört, kann ich's ihm natürlich nicht einreden. Mich aber stört es gewaltig. Klar genau über meinen Kopf fliegt selten ein Flugzeug (kam aber auch schon vor). Ich wohne selbst recht zentral in Freising und bin über das ständige Hintergrundgrollen sehr unglücklich. Den meisten meiner Bekannten geht es ebenso. Ich persönlich schaue am Neufahrner See lieber auf andere Dinge als Flugzeuge, aber da sind die Geschmäcker wohl verschieden.
Ich glaube gerne dass die Flugrouten auf dem Papier um Freising und größere Ortschaften herumführen. Vor 5 Jahren hat man in Freising tatsächlich fast nichts gehört, da hatte man das Gefühl das Rücksicht auf die Anwohner genommen wurde. Das hat sich aber dramatisch zum schlechteren verändert. Das alles wird jedoch nichts sein gegenüber den Auswirkungen einer dritten Bahn, die nun mal relativ nahe an Freising heranrücken wird. Dass die Belastungen für den Münchenr Norden und Dachau minimal sind und so bleiben werden halte ich für naiv. Ziel einer dritten Bahn wäre ja die Kapazitäten auszubauen. Mehr Flugverkehr braucht mehr Platz und macht mehr Lärm und Dreck, das kann man nicht wegdiskutieren. Das die meisten Flugzeuge beim Start theoretisch nur die halbe Bahn brauchen und andere Argumente helfen mir nicht weiter, ich habe wie gesagt eine gravierende Steigerungen der Lärmbelastung in den letzten Jahren festgestellt. Mir wäre ja auch lieber wenn es anderes wäre.
Woher kommen denn die Fakten für die Behauptung "gefakte 60.000 Einwendungen"? Ich sowie viele meiner Bekannten haben fundierte und sehr ernst gemeinte Einwendungen geschrieben.
@ freisinger_und_dafür: Vielen Dank für die Bestätigung meiner impliziten Eindrücke zum Thema Lärm in Freising.
@sorel:
Flugzeuge sehen und hören ist ein großer Unterschied. Nach der Eröffnung von München II war ein sprunghafter Anstieg von "Lärmopfern" zu verzeichnen, die, kaum dass sie ein Flugzeug gesehen haben, vom Lärm gestört wurden. Bei Messungen konnte aber keine erhöhte Lärmbelastung festgestellt werden. Und auch schon zu Zeiten von München Riem flogen die Flugzeuge auch über den Münchner Norden.
Die Lärmbelastung im Münchner Norden und Dachauer Land ist minimal und wird minimal bleiben, da die meisten Flugzeuge nur knapp die Hälfte der Startbahn benötigen und am Zaun schon auf 300m sind, so dass der Abstand nach unten zu Neufahrn schon ziemlich groß ist, wenn es erreicht wird. Zusätzlich wird kurz nach dem Start auch der Schub zurückgenommen. Bei der Landung ist, wie schon erwähnt, der Lärm relativ gering. Dass der Neufahrner See genau unter der Einflugschneise liegt, ist etwas unglücklich, aber so hat man wenigstens was zu sehen, wenn man im Biergarten sitzt.
Dass Freising nach dem Start (bei dem ja die Lärmbelastung am höchsten ist) überflogen wird, ist geografisch ziemlich schwierig... ein Blick auf eine Landkarte macht dies offensichtlich. So stark wird beim Start hoffentlich nicht oft nach rechts "gezogen".
@ sorel:
Ich weiß zwar nicht, wo sie die Fakten für ihre Behauptungen her haben... ich selbst wohne im Süden Freisings, also im Stadtgebiet am 'nächsten dran'. Trotz Wohn- und Schlafzimmerfenster, sowie Balkon Richtung Süden kann ich keinen störenden oder gar belastenden Fluglärm wahrnehmen. Sicher, man hört schon mal was; aber da sind Straße und vor allem die Bahn lauter!
Auch ihre Behauptung, Flugzeuge würden "immer öfter über Freising fliegen" ist einfach nur falsch. Die Abflugrouten führen absolut um Freising (und andere größere Ortschaften) herum und von diesen wird NUR bei Gewittern und/oder Notfällen abgewichen. Wobei in diesen (seltenen) Fällen die Zahl der Starts naturgemäß recht gering ist, da bei Gewitterlagen in unmittelbarer Nähe die Flugbewegungen aufgrund der Luftraumsituation ohnehin beschränkt sind.
Das Schlimmste an dieser ganzen Gegen-die-3.-Startbahn-Diskussion ist, daß die (betroffene) Bevölkerung im Großen und Ganzen schlecht und falsch informiert wird. Einerseits von den Lokalmedien (die einfach nur drucken was man ihnen gibt, ohne zu recherchieren) und andererseits von 'Politikern' oder anderen profilierungssüchtigen Lautsprechern. Was da in den letzten 2 Jahren öffentlich behauptet wurde, stellt jemand, der sich mit der Materie etwas auskennt die Nackenhaare hoch!
Außerdem ist es eine Frechheit, daß die 'Gegner' ihre Meinung immer als allgemeingültig darstellen. Plakate wie 'Freising wehrt sich...' usw. werden überall aufgehängt, ohne das man überhaupt ein Mandat dazu hat, für die Allgemeinheit zu sprechen. Ich kenne jedenfalls sehr viele, die FÜR die 3. Bahn sind und noch mehr, denen es schlicht einfach egal ist! Und da braucht mir auch keiner mit seinen ge-fake-ten 60.000 Einwendungen zu kommen. Weiß doch jeder, wie die zustande kommen...
Viele wollen fliegen aber kaum jemand einen Flughafen vor der Haustür. Auch als München II gebaut wurde waren die Anwohner alles andere als begeistert. Die Einschränkung auf 2 Bahnen war nicht kurzsichtig, sondern das Maximum an dem was den Anwohnern zuzumuten ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Betroffen sind nicht nur einige wenige in Attaching oder Lerchenfeld, sondern das gesamte Umland. Mehr Starts und Landungen bedeutet eben mehr Lärm und Dreck, da kann man nichts schönreden. Der Luftraum bietet auch nicht unendlich Platz so dass ein Flughafenausbau in alle Richtungen Auswirkungen haben wird. Schon heute haben beispielsweise die Freisinger mit einer dauernden Lärmbelastung zu leben. Auch wenn Flugzeuge nicht immer genau über Freising fliegen (allerdings immer öfter), ist der dauernde Hintergrundlärm eine große Belastung. Sollte eine dritte Bahn gebaut werden wird sich auch der Münchner Norden, das Dachauer Land, usw. gewaltung wundern.
Besonders gravierend ist dass man dem Lärm nicht entkommen kann, d.h. die Freizeitmöglichkeiten werden stark eingeschränkt. Wenn am Badeweiher der Lärm sogar nich größer ist als daheim ist der Erholungswert kaum mehr vorhanden.
Und wer bezahlt den Ausbau? Die FMG ist hochverschuldet, bei wem? Letztendlich beim Steuerzahler. Ich persönlich bin nicht bereit diesen Anachronismus (wie im Artikel so schön steht) zu unterstützen. Wir alle hätten mehr davon unser Geld in wirklich zukunftsträchtige Felder zu investieren.
Eine dritte Startbahn ist doch schon seit der Eröffnung von München II im Gespräch. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass ursprünglich 4 Bahnen geplant waren - leider war der Richter damals ein wenig kurzsichtig, so dass am Ende nur zwei genehmigt wurden. So muss nun wieder jahrelang um etwas gestritten werden, was am Ende (vermutlich) sowieso kommt. Schon damals waren die Vorhersagen der Flughafenplaner besser als die der Flughafengegner und nun soll das ganze Spiel - wider aktuellem Wissens (Fluggastzahlen und Flugbewegungen) und im willkommenen Schatten der aktuellen Krise - wiederholt werden? Schade, dass damals nicht einfach gesagt wurde: Ab x Bewegungen darf eine dritte Startbahn gebaut werden - vermutlich ist so etwas verfahrenvereinfachendes nicht möglich.
Was es in Unterschleißheim zu jammern gibt, kann ich nicht richtig nachvollziehen... dort sieht man die Flugzeuge zwar, wenn von Westen her gelandet wird, hören tut man sie aber kaum, da im Landeanflug die Triebwerke fast im Leerlauf arbeiten. Beim Start Richtung Westen drehen die meisten Flugzeuge schon vorher ab. Eher würde ich die Bewohner am Nordrand von Neufahrn verstehen - allerdings sind dort größtenteils Neubaugebiete wo keiner sagen könnte, dass man es vorher nicht gewußt hätte, dass da ein Flughafen in der Nähe ist. Außerdem betrifft die dritte Bahn Neufahrn nicht wirklich, da die Belastungen dort hauptsächlich von der südlichen Bahn herrühren. Bleiben also die Bewohner von Freising/Lerchenfeld - auch größtenteils Neubaugebiete. Die Ausnahme ist Attaching, dessen Bewohner ich noch verstehen kann.
Auch wäre es sicher möglich, hauptsächlich die bestehenden 2 Bahnen zu verwenden und auf die dritte zu Stoßzeiten zurückzugreifen bzw. die dritte Bahn hauptsächlich für Landungen zu verwenden, um die Lärmbelastung nicht durch Starts auf dieser Bahn unnötig zu erhöhen.
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