Von Alexandra Vettori

Demonstration gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen: Private Einwender haben in Unterschleißheim ihre Kritik am Flughafenausbau vorgetragen.

Rund 500 Menschen haben am Montagmorgen bei klirrender Kälte mit Liedern und Transparenten vor dem Unterschleißheimer Ballhausforum gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen demonstriert. Aufgerufen hatte das Aktionsbündnis "Aufgemuckt", das 61 Bürgerinitiativen aus der Region vereint. Im Ballhausforum ging der Erörterungstermin für die dritte Startbahn nach der Weihnachtspause in die zweite Runde. Nach den Trägern öffentlicher Belange und den Umweltverbänden sind nun die privaten Einwender - insgesamt 60.000 - an der Reihe, ihre Kritik zu erläutern.

Rund 500 Menschen haben Transparenten gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen protestiert. (© Foto: dpa)

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Lieferten sich in den vorhergehenden Wochen die Gutachter noch lange Rededuelle, füllten diesmal ungewohnt viele Bürger die Ränge im Ballhausforum. Doch bevor die 20 angemeldeten Redner zu Wort kamen, erläuterte der Geschäftsführer der Flughafen München GmbH (FMG), Michael Kerkloh, warum die dritte Startbahn notwendig sei. Mit zwei Start- und Landebahnen nämlich ist der Flughafen laut Kerkloh an seine Kapazitätsgrenzen gelangt.

Zwar räumte auch der Airport-Chef angesichts des fünfprozentigen Rückgangs der Flugbewegungen im zweiten Halbjahr 2008 ein, dass die Wirtschaftskrise eine "Bremsspur" hinterlassen habe, langfristig aber "hat das keine Auswirkungen auf die Entwicklung des Flughafens". Unter dem Gelächter der anwesenden Startbahngegner wies er auch darauf hin, dass die Baumaßnahmen für die dritte Startbahn konjunkturbelebend wirkten, wobei diese, im Gegensatz zu Konjunkturpaketen, "nicht vom Steuerzahler bezahlt" würden.

Einen Überblick über die Größenordnung des Ausbaus gab Kerklohs Stellvertreter bei der FMG, Walter Vill. Danach nimmt die dritte Startbahn weitere 870 Hektar Land in Anspruch. Zwölf Anwesen müssen abgesiedelt werden, die Staatsstraße 2084 zwischen Freising und Erding wird verlegt.

Hartmut Binner, einer von drei Sprechern von "Aufgemuckt", betonte, die meisten Startbahngegner seien weder gegen den Flughafen noch gegen das Fliegen. Sie wollten lediglich nicht hinnehmen, dass ihre Heimat für ein unnötiges Projekt wie die dritte Startbahn weiter zerstört werde. Binner kritisierte auch die Marketingkampagne "Airfolgsregion" der FMG als "Heuchelei". Die "Airfolgsregion" sei vor allem da, "um Geschäfte zu unterstützen".

Die "Aufgemuckt"-Sprecherin und Erdinger Kreis- und Gemeinderätin Helga Stieglmeier wehrte sich dagegen, dass die Ängste der Menschen um ihre Gesundheit als "Restrisikotoleranz" abgetan würden. "Trotz sehr geringer Wahrscheinlichkeit gibt es jede Woche Lottogewinner, und der Supergau von Tschernobyl ist uns noch in guter Erinnerung", so Stieglmeier.

Claus Conrad, der dritte Sprecher von "Aufgemuckt", kritisierte die gebetsmühlenartigen Hinweise auf den "Wirtschaftsstandort Bayern". Angesichts des knapper werdenden Öls und der Klimaveränderung sei der Ausbau des Luftverkehrs ein "Anachronismus". Politiker aller Couleur betonten gerne das Gemeinwohl, in Wirklichkeit sei das aber , so Conrad, "eine von persönlichen Machtinteressen bestimmte Politik, im Falle der Startbahn vom Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa und dem FMG-Chef."

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(SZ vom 13.01.2009/sonn)