Flughafen München Zoll findet Crystal im Wert von zwei Millionen

Rekordmenge: Der Zoll am Münchner Flughafen hat 20 Kilogramm Crystal sichergestellt.

(Foto: dpa)

Fast 20 Kilogramm reinstes Crystal: Der Zoll am Flughafen München hat den bislang größten Fund in Deutschland öffentlich gemacht. Der gefährliche Stoff war auf dem Weg von Dubai nach Japan, als die Beamten ihn in den Koffern von drei Pärchen entdeckten. Auf dem Markt soll er knapp zwei Millionen Euro wert sein.

Von Florian Fuchs

Als die Zöllner am Münchner Flughafen die Koffer ins Röntgengerät schoben, ahnten sie nicht, dass sie dem größten je in Deutschland aufgeflogenen Schmuggel der Modedroge Crystal auf der Spur waren: Knapp 20 Kilo davon waren in den Deckeln von sechs Koffern versteckt, die Ware hat in Deutschland einen Wert von fast zwei Millionen Euro. Die Schmuggler, zwei Ehepaare und ein Pärchen aus Rumänien und Bulgarien, wollten von Dubai aus über München nach Japan fliegen, einem der Hauptabnehmerländer von Crystal. Nun sitzen sie in Haft, der Zoll sucht nach Hintermännern des Schmuggels.

"Der Aufgriff erfolgte schon am 13. Februar", sagt Zollsprecher Thomas Meister. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, brachten die Fahnder ihren Erfolg erst jetzt an die Öffentlichkeit. Die Zöllner hatten an dem Tag entschieden, die Koffer der als Reisegruppe getarnten Rumänien und Bulgaren zu untersuchen, weil sie gut ins Fahndungsraster passten: Ihr Zielort Japan ist einer der Hauptumschlagplätze für Crystal, wie auch andere Länder vor allem im südostasiatischen Raum.

Hergestellt wird die Droge laut UN-Weltdrogenbericht vor allem in Ländern wie Pakistan, Indien oder auch Irak. "Aber auch in Europa findet Crystal immer mehr Absatz." Lagen etwa die Aufgriffszahlen an der tschechischen Grenze, von wo aus viel von dem Stoff nach Bayern gelangt, im Jahr 2009 noch bei 150 Gramm, so fanden die Zöllner bei Kontrollen im Jahr 2012 bereits 4,6 Kilogramm. Umso spektakulärer ist nun die Menge von 19,2 Kilogramm, die in den sechs Koffern versteckt war. Ein paar Tage vorher hatten die Zöllner am Flughafen bereits in einem Koffer eines Briten, der nach Japan unterwegs war, 1,4 Kilogramm der Droge entdeckt.

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Der Stoff ist von einer beachtlichen Reinheit

"Auf den Röntgenaufnahmen stimmte die Dichte der Koffer nicht", sagt Hans Hagn, der Chef der Überwachungsgruppe des Zolls am Flughafen. Auf den Bildern war klar zu erkennen, dass unter der Haut der Koffer noch ein Stoff angebracht worden war. Die Schmuggler hatten das Crystal direkt unter den Deckel gepackt und dieses mit einem exakt angepassten Vlies versteckt und geschützt. Die Zöllner bohrten die Koffer an und fanden ihren Verdacht bestätigt. "Da wussten wir, dass wir es hier mit einem spektakulären Fall zu tun haben", sagt Thiel.

Zivile Beamte des Zolls nahmen die Beschuldigten im Alter von 20 bis 45 Jahren kurz vor dem Einsteigen ins Flugzeug nach Japan fest: Alle sechs Personen, darunter eine schwangere Frau, sitzen bis heute in Untersuchungshaft und machen nur spärliche Angaben zu dem Schmuggel. Drogenfahnder Thiel vermutet, dass dies nicht die erste Schmuggelreise der Kuriere war. "Kein Drogenhändler würde Kurieren auf ihrer ersten Reise so eine Menge an Drogen anvertrauen." Noch dazu einen solch reinen Stoff: Der Wirkstoffgehalt des sichergestellten Crystal beträgt mehr als 95 Prozent.

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Die Zollfahnder arbeiten nun mit Kollegen aus Rumänien, Bulgarien, Dubai und Japan zusammen, um die Hintermänner des Schmuggels zu ermitteln. Mittlerweile sind aus Beweismaterial wie Reiseunterlagen oder Mobiltelefonen knapp 15.000 Datensätze zusammengekommen, die von den Fahndern ausgewertet werden.

Die beschuldigten Drogenkuriere müssen sich auf hohe Haftstrafen von mehreren Jahren einstellen. Der Stoff, der meist geschnupft wird, aber auch gespritzt und geschluckt werden kann, macht extrem schnell abhängig. Er kann zu Hirninfarkten und Herzversagen führen, vor allem aber leiden Abhängige an Psychosen und Hirnschäden.