Innerparteiliche Querelen um die Flughafen-Frage bringen ordentlich Zündstoff in die bayerische Sozialdemokratie. Gegner und Befürworter der dritten Startbahn stehen sich derzeit unversöhnlich gegenüber - das belastet auch die Debatte um eine mögliche Spitzenkandidatur Christian Udes bei der Landtagswahl.
Der Streit um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen droht zur Zerreißprobe für die bayerische SPD zu werden. Die innerparteilichen Gegner des Projekts wollen keinesfalls klein beigeben und pochen nach jahrelangem Protest auf die eigene Glaubwürdigkeit - ebenso wie Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der ein Ja zum Airport-Ausbau zur Bedingung für seine Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2013 gemacht hat.
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Nach jahrelangem Protest gegen die dritte Startbahn fürchten Teile der SPD nun um ihre Glaubwürdigkeit. (© dpa)
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Die Münchner SPD hat beim Landesverband bereits beantragt, sich im Herbst nochmals mit dem Thema zu befassen - in der Hoffnung, den Anti-Startbahn-Beschluss des Parteitags von 2009 zu revidieren. Demgegenüber setzt Ewald Schurer, der startbahnkritische Chef der Oberbayern-SPD, auf ein Moratorium: Der Bau der Piste solle aufgeschoben, die endgültige Entscheidung auf später vertagt werden.
Im Flughafenumland hat die Haltung Udes viel Unmut ausgelöst. Freisings SPD-Oberbürgermeister Dieter Thalhammer sprach von Erpressung und undemokratischem Verhalten und warf dem langjährige Amtskollegen gar vor, vom Münchner Umland nicht viel wissen zu wollen. Auch Schurer verwies auf die vielen Bewohner rund um den Flughafen, die München "nicht einfach ignorieren" könne.
Das von den Erdinger und Freisinger Genossen angeregte Moratorium solle allen Beteiligten die Gelegenheit geben, Sinn und Zweck dieser "Planung von gestern" noch einmal zu überdenken. Allerdings ist dem Bundestagsabgeordneten auch bewusst, dass es sich um einen "schwierigen Spagat" handelt. Denn als Spitzenkandidaten verlieren will er Ude auf keinen Fall. Die "einmalige Chance für die SPD, mit Christian Ude nach Jahrzehnten die CSU abzulösen", dürfe nicht leichtfertig vergeben werden.
Das Thema wird spätestens den nächsten SPD-Landesparteitag im Herbst beschäftigen. Generalsekretärin Natascha Kohnen gibt sich betont gelassen: "Das ist ein Sachthema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen", erklärte sie. In einem großen Landesverband gebe es immer örtliche Interessen. Kohnen betont allerdings, dass der Beschluss von 2009 korrekt zustande gekommen und bis heute gültig ist. Bei den Befürwortern der dritten Startbahn gilt das Votum als etwa zwielichtiger, aber gelungener Coup der Airport-Gegner, die das Thema gegen Ende der Veranstaltung und vor schlecht gefüllten Sitzreihen zur Abstimmung gestellt hatten.
Die SPD-Landtagsfraktion hat seit den Wahlen 2008 noch nicht über den Flughafenausbau abgestimmt. Der stellvertretende Vorsitzende Thomas Beyer betont, man werde das Thema nicht isoliert, sondern mit einem "bayernweiten Blickwinkel" diskutieren. Die Piste sorgt jedoch, wie aus Parteikreisen zu hören ist, in anderen Teilen Bayerns für weit weniger Aufregung als in Erding und Freising, wo ein Ja zum dem Projekt als politischer Selbstmord gilt.
Ude hält den Bau der dritten Piste schon seit vielen Jahren vor allem aus wirtschaftlichen Gründen für sinnvoll. Die Frage ist, da die Grünen anderer Meinung sind, im Koalitionsvertrag der Münchner Rathausmehrheit bewusst ausgeklammert. Die SPD muss sich in Flughafenfragen ihre Mehrheit stets bei der CSU holen. Ob Ude nach einem Wahlsieg diese salomonische Lösung auf Landesebene wiederholen kann, ist fraglich.
Denn die Münchner Rathaus-Grünen agieren wesentlich pragmatischer als die grüne Fraktion im Maximilianeum, die schon bei der Olympia-Bewerbung heftig gegen die Stadt München opponiert hat und nicht nur den Flughafenausbau, sondern auch die zweite Stammstrecke der S-Bahn ablehnt - ebenfalls ein Projekt, das Ude zur Bedingung für seine Kandidatur gemacht hat.
Auch der zweite mögliche Koalitionspartner Udes, die Freien Wähler, wollen weder Startbahn noch Tieftunnel. Etwaige Koalitionsverhandlungen dürften also nicht ganz einfach werden.
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(SZ vom 19.08.2011)
FKK-Slackliner Alexander Schulz
Die neueste Antwort
So gut ich Ihre Argumente verstehen und auch nachvollziehen kann, aber selbst bei Volksabstimmungen werde Sie auch nicht alle Menschen zufrieden stellen können.
Das Problem mit der Übereinstimmung bei Parteien liegt ja darin, dass man es nicht wirklich jedem Recht machen kann.
Wie heißt es so schön, Everybodies darling is everybodies Depp.
Ich glaube eher, dass Problem mit den Parteien ist es, dass wir mittlerweile eine Profillosigkeit bei den Parteien haben. Wir brauchen wieder klare Meinungen und Unterscheidungsmöglichkeiten, dann haben wir wieder eine richtige Wahl.
...hätte ich nicht erwartet. Dass die Startbahngegner am Ende die Oberhand behalten und Ude sich eine andere Partei suchen muss, glaube ich aber auch nicht.
Vermutlich wird sich der Sonnenkönig auch nicht auf einen "Kompromiss" einlassen wie ihn Ewald Schurer vorschlägt, sondern auf seiner Maximalforderung beharren und die hiesige SPD wird ihm vermutlich folgen. Zwar wird es etwas Zähneknirschen geben, damit nicht allzu viele und vor allem nicht allzu prominente SPD-Kommunalpolitiker die Partei wechseln, aber unterm Strich ist die angebliche "Machtoption" vermutlich zu verlockend.
Ude erinnert irgendwie an ein trotziges Kind das nur dann bereit ist mitzuspielen, wenn es den anderen Kindern die Spielregeln diktieren kann.
Viel Spaß am Wahlabend nach der Landtagswahl wenn sich der Ude nach Mykonos verabschiedet und die SPD den Scherbenhaufen zusammenkehren muss...
"Wenn die Leute wirklich Alternativen wollen, dann frage ich mich, warum es keine weiteren Parteien gibt? "
Die gibt es doch! Allerdings sind die meisten davon eben für die meisten auch nicht wählbar. Nehmen wir doch nur mal als Beispiel die Piratenpartei. Gestartet mit Riesenbrimborium und guten Ergebnissen (mehr % als die Grünen seinerzeit bei ihrer ersten Bundestagswahl). Nun aber passiert folgendes: Eine Partei, die weiterkommen möchte, darf sich eben nicht nur auf ein Spezialthema (hier Internet) festlegen, sondern muss auch zu anderen Themen Stellung beziehen. Und so sehr sich alle "Piraten" beim Thema Internet einig sind, so sehr sind sie sich bei anderen Themen uneinig.
Zeigen sie einem Nichtwähler eine Partei, die genau seine Interessen vertritt, und die Nichtwähler werden wählen gehen. So aber gibt es zwar duzende Parteien, jedoch vertritt jede Partei die Interessen jedes Wählers immer nur zu einem gewissen Prozentsatz. Und das ist eben für viele keine Alternative, denn sie wollen IHRE Interessen vertreten haben, und nicht die Interessen einer Partei, die vielen ihrer Interessen gegenläufig ist. Wenn Sie dreimal einen Topf Sch... zur Auswahl haben, welchen nehmen Sie? Ich komme bei allen Parteien im Wahlomat zu einer max. Übereinstimmung von 60%. D.h. letztlich, dass die Partei, die ich wähle, in 40% der Themen, die mich interessieren, nicht meine Interessen vertritt. Und genau hier ist das Problem!
Einzig eine Demokratie, wo nicht Parteien sondern Themen zur Wahl stehen, würde hier Abhilfe schaffen. Der Ansatz der Piraten "liquit demokracy" (wenn ich mich recht erinnere) oder das Schweizer System der Volksentscheide wären erheblich besser geeignet, die Interessen des Volkes zu wahren.
Aber es geht in Deutschland nicht um Interessen des Volkes, sondern um die Machterhaltung der Etablierten.
Im Grunde interessiert Bayern den Ude doch gar nicht. Glaubt er denn ernsthaft, dass er mit seiner "München zuerst" Mentalität im Rest-Bayern besonders gut ankommt? Seine Themenauswahl (S-Bahntunnel, Startbahn, Olympia) zeigt ganz gut, wohin die Reise geht. Ich bin mal gespannt, ob Bayern wirklich vom Münchner Rathaus aus regiert werden will!
Wenn die Leute wirklich Alternativen wollen, dann frage ich mich, warum es keine weiteren Parteien gibt?
Es ist doch eher so, dass solange die Leute nicht selbst betroffen sind, interessiert sie Politik nicht.
Wir haben doch mittlerweile in Deutschland eine Gesellschaft, welche sich nicht mehr bereit erklärt auch mal selbst aktiv zu werden oder überhaupt zu diskutieren über Themen.
Schauen Sie sich doch mal Infostände der Parteien an, dort kommt keine Bürger hin und will diskutieren, sondern die Leute ignorieren die Stände einfach.
Aber hinterher wird geschimpft, dass man ja keine Möglichkeit hat, aktiv einzuwirken.
Leider gibt es keine Information, warum die Leute nicht zum Wählen gegangen sind, hier muss auch mal hinterfragt werden, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Wahlpflicht einzuführen. Was natürlich immer noch die Möglichkeit bietet, einen leeren Stimmzettel abzugeben.
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