Flüchtlingspolitik Münchens Alt-OB Ude rechnet mit "Merkelianern" und Willkommenskultur ab

Mit seinem Buch "Die Alternative oder: Macht endlich Politik!" könnte Münchens Alt-OB Christian Ude so manche Anhänger verstören.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der ehemalige SPD-Politiker Christian Ude hat ein Buch geschrieben, das manchem Parteimitglied den Atem stocken lassen wird - vor allem im Kapitel über Flüchtlinge.

Von Frank Müller

Mehr als zwei Jahrzehnte kannten die Münchner ihren Oberbürgermeister Christian Ude als Verkörperung liberaler Gedanken, als weltoffenen Großstädter, als Mann der Menschlichkeit und Kultur. Nun hat der vor drei Jahren aus dem Amt geschiedene SPD-Politiker ein Buch geschrieben, in dem Sätze stehen, mit denen er viele Weggefährten verstören könnte. "Die Alternative oder: Macht endlich Politik!" heißt das Werk, das am Montag erscheint. Ude versteht es als Aufforderung, in Parteien und Gesellschaft wieder die politischen Kernfragen zu debattieren, einen Diskurs zu führen, der diesen Namen verdient. Und so schreibt der Alt-OB über viele bundes- und weltpolitischen Fragen.

Aufsehen freilich wird vor allem das Kapitel über Flüchtlinge und Migration erregen. Es sind Sätze, bei denen nicht nur manchem SPD-Mitglied der Atem stocken wird, wegen des Inhalts und wegen der Diktion: "Niemand erwartet, dass alle Merkelianer in CDU, SPD und FDP sowie bei den Grünen und Linken sich bei Viktor Orbán (dem rechtspopulistischen ungarischen Ministerpräsidenten) bedanken", ätzt Ude unter Bezug auf die gesunkenen Flüchtlingszahlen in Deutschland nach der Schließung der Balkanroute. "Aber sie könnten doch wenigstens so ehrlich sein, insgeheim zu bedenken, dass sie da Schwein gehabt haben und dass ohne die von ihnen verachteten und gebrandmarkten Maßnahmen die eigene Hütte längst brennen würde."

So rechnet Ude auf vielen Seiten ab mit den "einschlägigen Parolen gutmeinender Repräsentanten der Willkommenskultur" und mit "den trauten Runden moralischer Überlegenheit". Aus seiner Sicht haben in der deutschen Öffentlichkeit zu viele "postfaktische", zu positive Einschätzungen über Migration die Runde gemacht. Auch die europäische Kritik an US-Präsident Donald Trump missfällt Ude. Er findet sie überheblich. Trump sei zwar ein "Brechmittel", meint der frühere Oberbürgermeister. Aber: "Es wird lange dauern, bis an der mexikanischen Mauer mehr Menschen gestorben als im Mittelmeer ertrunken sind."

Ude selbst sieht bei sich keinen politischen Wandel, in der Tat schreibt er in seinem Buch auch vieles über Menschlichkeit, über Versäumnisse bei der Integration, über die deutsche Lebenslüge, dass man viel zu lange kein Einwanderungsland sein wollte. Sein Buch will er am Montag in München und im Anschluss auf einer Lesereise durch Deutschland vorstellen.

Der andere Ude

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