Flüchtlinge Tausende erreichen Hauptbahnhof - München hilft unbürokratisch

Applaus für die Ankommenden

Sie werden versorgt von Ärzten, Kinder bekommen Teddybären: Die Flüchtlinge werden ohne lange Wartezeiten in Empfang genommen. Die Helfer klatschen, als die Züge einfahren. Eindrücke vom Münchner Hauptbahnhof. mehr... Bilder
  • München empfängt Tausende Flüchtlinge an diesem Wochenende: Sie sollen sich nach den Strapazen ihrer langen Anreise zunächst erholen können.
  • Um lange Wartezeiten zu vermeiden, werden sie nicht mehr sofort am Hauptbahnhof registriert, sondern zunächst in eine Aufnahmeeinrichtung gebracht.
  • Manche bleiben in Bayern, andere werden auf die anderen Bundesländer verteilt. Wie genau, das lesen Sie in diesem Text.
Von Thomas Anlauf, Nina Bovensiepen, Tom Soyer und Susi Wimmer

Überraschungseier für Flüchtlingskinder

Und dann kommt wieder ein Sonderzug am Münchner Hauptbahnhof an, pünktlich um 18 Uhr. An Bord: angeblich 900 Flüchtlinge. Als sie aussteigen, erschöpft von der strapaziösen Anreise, strahlen sie, winken. Auf sie warten Hunderte Münchner hinter einer Absperrung, sie klatschen, reichen Schokolade, den Kindern Überraschungseier und Teddys. Einige filmen die Ankunft der Flüchtlinge sogar, sie haben das Gefühl, bei einem historischen Ereignis dabei zu sein.

Seit dem Nachmittag geht das immer wieder so. Im Stundentakt erreichen Züge aus Österreich den Hauptbahnhof. Rund 6000 Flüchtlinge reisen bis 20.30 Uhr nach Deutschland ein. 4300 kommen in München an, sie steigen hier aus, werden hier verpflegt und betreut, bleiben in Bayern. 1700 fahren direkt weiter in ein anderes Bundesland, etwa nach Dortmund in Nordrhein-Westfalen oder Frankfurt in Hessen.

Christoph Hillenbrand, der Regierungspräsident von Oberbayern, sagt am Abend, man erwarte drei weitere Züge zwischen 0 Uhr und 1 Uhr. Insgesamt sollten dann seit Samstagmorgen 26 Züge mit Schutzsuchenden in der bayerischen Landeshauptstadt angekommen (oder weitergefahren) sein - mit insgesamt 8000 Flüchtlingen an Bord.

Flüchtlinge im Gleis? Komplettsperrung des Zugverkehrs

Applaus für die Ankommenden

mehr... Bilder

Die Lage am Hauptbahnhof ist am frühen Abend recht ruhig. Dann aber noch einmal Aufregung: Der Zugverkehr muss für eine Dreiviertelstunde komplett eingestellt werden - weil offenbar Flüchtlinge hinter der Donnersbergerbrücke auf den Gleisen unterwegs sind. Gegen 22.20 Uhr wird die Sperrung aufgehoben.

Von der S-Bahn am Bahnsteig abgeholt

Im ersten Sonderzug waren am Samstagmittag zwar weniger Menschen angekommen als ursprünglich erwartet. Die etwa 250 Asylsuchenden aber waren die ersten, die nicht mehr begleitet von Polizisten durch die komplette Bahnhofshalle laufen mussten. Sie wurden am Bahnsteig am gegenüberliegenden Gleis von einer S-Bahn abgeholt - und direkt zur Donnersbergerbrücke gefahren. Von dort gingen sie in eine Notunterkunft, die die Deutsche Bahn zur Verfügung gestellt hat.

Zwei Gesichter einer Stadt

Die Bürger in München zeigen in diesen Tagen überwältigende Solidarität im Umgang mit Flüchtlingen - ganz anders als die Staatsregierung. Ein Kommentar von Nina Bovensiepen mehr ... Kommentar

Essen, schlafen, ein bisschen waschen - das sind die Dinge, die die Flüchtlinge jetzt brauchen, die zum Teil tagelang am Budapester Bahnhof ausgeharrt haben oder am Freitag 70 Kilometer auf der Autobahn Richtung Westen gelaufen sind. Auf diese Bedürfnisse stellen sich die Behörden nun mehr ein.

Mehr Humanität, weniger Bürokratie

Das Konzept sei erweitert worden, sagt Regierungspräsident Hillenbrand. Die Flüchtlinge sollten nach einer Erstversorgung am Hauptbahnhof schnellstmöglich ihre Zielunterkunft erreichen. "Da liegt auch Humanität drin", sagt er bei einer spontanen Pressekonferenz. Zuvor konnte das schon eine, zwei oder sogar drei Stunden dauern - je nachdem, wie groß der Andrang gerade war. Die Flüchtlinge kamen in München an, wurden untersucht und offiziell registriert. Erst dann konnten sie in die ihnen zugewiesenen Einrichtungen fahren.

Die Registrierung wird an diesem Wochenende nach Angaben des Regierungspräsidenten ausgesetzt. "Rechtliche Fragen sind mir im Moment nicht so wichtig", sagt Hillenbrand. Ihm gehe es vorrangig um ein "humanitäres Management". Keiner soll mehr lange warten.