Flüchtlinge in München Zuflucht im Container

Improvisierte Flüchtlingsunterkünfte gab es in München schon, wie hier Jugendcamp "The Tent".

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Bis zum Sommer sollen sieben Container-Flüchtlingsunterkünfte in München entstehen. Bisher sind nur zwei Orte bekannt.
  • Am vergangenen Dienstag verschickte das Sozialreferat "Erstinformationen" an die sieben betroffenen Bezirksausschüsse.
  • Zusätzlich zu den bereits laufenden Planungen für feste Unterkünfte muss die Stadt nach den letzten Prognosen bis zum Jahresende weitere 4500 Plätze schaffen.
Von Sven Loerzer

Bisher sind nur zwei von den sieben Standorten für neue Container-Flüchtlingsunterkünfte bekannt geworden, die bis zum Sommer entstehen sollen. Der SZ liegt nun die Liste mit allen Objekten für das Sofortprogramm vor: Zwei Grundstücke an der Willy-Brandt-Allee/Lehrer-Wirth-Straße im Stadtbezirk Trudering-Riem sind für bis zu 410 Plätze vorgesehen. An der Thalhoferstraße in Milbertshofen sind 200 Plätze geplant, an der Meindlstraße in Sendling ebenfalls 200. 480 Plätze könnten es in Aubing an der Hans-Steinkohl-/Centa-Hafenbrädlstraße sein, 300 bis 500 Plätze an der Triebstraße in Moosach. Bei zwei Standorten haben die Bezirksausschüsse in dieser Woche bereits zugestimmt: An der Max-Proebstl-Straße in Daglfing entstehen 300 Plätze, ebenso wie an der Aschauer Straße 34 in Ramersdorf.

12.342 Flüchtlinge

müssen in der Stadt München bis Ende des Jahres eine Unterkunft finden, wenn sich die Prognose der Regierung von Oberbayern von Mitte Januar bewahrheiten sollte. Sie basiert auf den Zugangszahlen des letzten Quartals 2014. Um den Bedarf zu decken, sind fast 6000 neue Plätze nötig. Erst gut 4000 davon sind gesichert, wenn jetzt zu beschlossenen Unterkünften noch zusätzlich Container kommen.

Schnell muss es gehen, aber gleichzeitig sollen sich die Bezirksausschüsse nicht überfahren fühlen bei der Standortwahl. Am vergangenen Dienstag verschickte das Sozialreferat "Erstinformationen" an die sieben betroffenen Bezirksausschüsse. Schon am 29. April soll die Vollversammlung des Stadtrats die Container-Standorte beschließen. Die Stadt möchte auf alle Fälle vermeiden, dass Flüchtlinge in Sporthallen oder Zelten untergebracht werden müssen.

Sieben städtische Grundstücke wurden ausgewählt

Denn zusätzlich zu den bereits laufenden Planungen für feste Unterkünfte muss die Stadt nach den letzten Prognosen weitere 4500 Plätze bis Jahresende schaffen, wenn die Zahl der Flüchtlinge in München bis dahin tatsächlich auf mehr als 12 300 steigen sollte. Die bei der Stadt gebildete "Task Force" hat deshalb insgesamt sieben städtische Grundstücke ausgewählt, auf denen Container für knapp 2400 Bettplätze aufgestellt werden sollen. 1800 Plätze davon sollen bereits im Juli oder August zur Verfügung stehen, der Rest dann bis Oktober. Zusätzlich könnten in zwei anzumietenden Immobilien je 200 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge entstehen, dafür läuft aber noch die Prüfung.

Entscheidend für die Auswahl der unbebauten städtischen Grundstücke sei gewesen, "dass wir sie schnell zur Verfügung haben", sagt Sozialreferentin Brigitte Meier. Weiter sei wichtig, dass die Flächen "schnell anschlussfähig an Kanalisation, Wasser- und Stromversorgung sind". Und natürlich habe sich die Verwaltung auch bemüht, "auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung im Stadtgebiet zu achten und auf die soziale Verträglichkeit".

Nutzungsdauer von fünf bis zehn Jahren vorgesehen

Bislang habe sie "noch keine dramatischen Rückmeldungen" erhalten, erklärte Brigitte Meier am Freitag. Zwar werden bis zur Vollversammlung noch nicht alle betroffenen Bezirksausschüsse getagt haben, aber zumindest sollten die Gremienmitglieder bis dahin informiert sein. Für die Container-Standorte ist überwiegend eine Nutzungsdauer von fünf bis zehn Jahren vorgesehen. Die Gemeinschaftsunterkünfte sollen von der Regierung von Oberbayern betrieben werden, die Verhandlungen dazu laufen.

Dass wieder Container aufgestellt werden müssen, darüber ist die Sozialreferentin Brigitte Meier alles andere als glücklich. "Wir wollten gezielt nicht diesen Weg gehen", sagt Meier. "Aber es hilft ja nichts." Denn mit den neuen Unterkünften muss es schnell gehen. Dabei seien die Container, auch wegen der hohen Nachfrage, viel teurer als Unterkünfte in Holzständerbauweise, "für die wir uns entschieden hatten, weil das echte Häuser sind, die bessere Qualität bieten und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis".