Von A. Fischhaber

200 Euro Miete für ein Mehrbettzimmer mit Kakerlaken und Ratten: In Bayern müssen Flüchtlinge in Sammelunterkünften leben, viele klagen über menschenunwürdige Bedingungen.

Nacht für Nacht schiebt Regina K. das große Sofa vor die Tür. Die Frau aus Uganda hat Angst, große Angst. Sie ist eine von fast 8000 Flüchtlingen in Bayern, die der Freistaat zwingt, in einer Sammelunterkunft zu leben. Gerade hat Regina K. Anzeige gegen den Hausmeister des Flüchtlingslagers erstattet. Er soll sie vergewaltigt haben.

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Fast 8000 Flüchtlinge leben in Bayern in über 100 Sammelunterkünften. Die marode Containerunterkunft in München musste kürzlich schließen. (© Foto: Haas)

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Immer wieder berichteten Betroffene, Beratungsstellen und Flüchtlingsorganisationen davon, dass das Personal in Sammelunterkünften seine Macht benutze, erfährt man beim Flüchtlingsrat in München. Regina K. will deshalb für ihren Umzug in eine eigene Wohnung kämpfen: Wenn Ende April der Landtag über die Unterbringung für Flüchtlinge in Bayern verhandelt, wird sie den Abgeordneten von ihrer Situation berichten.

Ihre Chancen stehen nicht schlecht: Die neue Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) hat angekündigt, die Unterbringung von Flüchtlingen im Freistaat zu überprüfen. "Zu einer zeitgemäßen Asylpolitik gehört für mich auch, zu überprüfen, welchen Gruppen in Zukunft die Wohnsitznahme gestattet werden kann", heißt es auf Anfrage von sueddeutsche.de.

Rückkehr soll gefördert werden

Mehrbettzimmer in maroden Baracken, Gemeinschaftsbäder, Essenspakete, Arbeitsverbote und Residenzpflicht gehören im Freistaat Bayern für viele Flüchtlinge bislang zum Alltag. Das Leben in Sammelunterkünften soll "die Bereitschaft zur Rückkehr ins Heimatland fördern", heißt es ganz offen in der Durchführungsverordnung Asyl.

Während in allen anderen Bundesländern Asylbewerber die Möglichkeit haben, in Wohnungen zu ziehen, hält die CSU-Regierung den "Lagerzwang" seit Jahren aufrecht. Das Absurde daran: Weil die Verwaltung solcher Unterkünfte teuer ist, gibt Bayern pro Flüchtling deutlich mehr aus als andere Bundesländer.

"Ein Lager ist wie ein Gefängnis, in dem man Kriminelle versammelt - nur dass ich nichts gemacht habe außer mein Leben zu retten", sagt Hamado Dipama. Der schmale 34-Jährige weiß, wie es in einem Gefängnis aussieht. Er kommt aus Burkina Faso, wo er sich an Studentenprotesten gegen die diktatorische Regierung beteiligt hat. Als ein befreundeter Mitkämpfer in seinem Zimmer ermordet wird, muss Dipama fliehen.

Heute, sieben Jahre später, ist er noch immer in München im Exil. Wir treffen den Afrikaner, der als Sprecher des bayerischen Flüchtlingsrates arbeitet, in einem Café nahe des Sendlinger Tors, wo er in passablem Deutsch seine Geschichte erzählt. "Die Ankunft in München war ein Schock", sagt Dipama. In Afrika habe man ihm beigebracht, echte Demokratie gebe es nur im Westen. "Und dann komme ich her und merke, dass Menschenrechte hier nichts zählen. Zumindest gegenüber Flüchtlingen."

Dipama wird wütend. "Wieso werde ich gezwungen, an einem Ort abseits der Zivilisation zu leben, an dem ich Angst habe?" fragt er. "Wieso muss ich in einem Lager leben, das dreckig und feucht ist? In dem die Toiletten kaputt sind, die Duschen und der Herd. Ein Lager, in dem es Kakerlaken und Ratten gibt."

Wenn die Regierung damit die Bereitschaft zur Rückkehr ins Heimatland fördern wolle, liege sie falsch. "Lager hin oder her - für uns gibt es keine Möglichkeit zurückzukehren. Wir leben hier schlecht, aber wir überleben." Gerade Deutschland mit seiner Geschichte müsste vorsichtig mit solchen Lagersystemen sein, findet der junge Mann aus Burkina Faso. "Solche Orte dürften hier eigentlich nicht mehr existieren."

An den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz kann er nicht mehr glauben. "Man hat uns Flüchtlinge zu Menschen zweiter Klasse gemacht." Sechs Jahre hat Dipama in Baracken in München und Landsberg verbracht. 13 Quadratmeter standen ihm und drei weiteren Flüchtlingen im Durchschnitt zu Verfügung. Das sind rund drei Quadratmeter pro Person, für die Dipama monatlich 200 Euro bezahlt hat. Dass er als Küchenhilfe und Sortierer bei der Deutschen Post genug Geld verdiente, um sich eine eigene Wohnung zu nehmen, schien niemanden zu interessieren.

In der Asylverordnung heißt es, eine private Wohnsitznahme sei immer dann möglich, wenn der gesamte Lebensunterhalt aus eigenem Erwerbseinkommen erbracht werden kann. Den Antrag des Betroffenen muss die zuständige Verwaltungsbehören genehmigen. Im Fall von Dipama ist das die Regierung Oberbayern. "Dort habe ich mehrere Anträge gestellt - und noch nicht einmal eine Antwort bekommen", sagt Dipama. "Wir haben keine Informationen zu dem Fall", heißt es bei der Regierung auf Anfrage von sueddeutsche.de.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Hamado Dipama sich gegen das Auszugsverbot der Regierung gewehrt hat.

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