Joseph Guima ist einer von 40 Flüchtlingen, die im Heim für "unbegleitete minderjährige Jugendliche" leben. Ihm stehen zwei Quadratmeter Privatsphäre zur Verfügung - für Hoffnung ist da kaum Platz.
12.17 Uhr: Der Sozialarbeiter Klaus Kickermann hetzt durch ein fensterloses Labyrinth aus Türen und Gängen. Vorbei am Waschraum: Es stinkt nach Kloreiniger und Urin. Vorbei an der Küche: Es stinkt nach verbranntem Fett. Zimmer 212: Kickermann klopft dreimal an die Tür, greift zur Klinke, tritt ein. Süßsaure Luft strömt ihm entgegen.
Bild vergrößern
Kochen ist seine Leidenschaft: Joseph Guima in der Küche der Flüchtlingsunterkunft in der Baierbrunner Straße. (© Foto: oh)
Anzeige
Grüner Schimmel hat sich den Raum zwischen Heizung und Fenster erobert. Vor ihm stehen drei Hochbetten, drei Kühlschränke und drei Spinde. Kickermann öffnet einen der Kühlschränke, sieht vergammelte Knoblauchzehen und grüngesprenkelte Gulaschsuppe. Die sechs Afghanen, die hier wohnen, sind nicht da. "Hier müssen wir 'ne Grundreinigung machen", sagt er auf dem Weg zum Flur.
Zimmer 225: Kickermann klopft dreimal an die Tür, greift zur Klinke, tritt ein. Vor ihm stehen sechs Somalier. Es riecht nach billigem Deo. Klebrige Staubklumpen bedecken den roten PVC-Boden. Aber der Kühlschrank ist in Ordnung.
"This is okay", sagt Kickermann und hetzt weiter. Vorbei am heulenden Jungen, der zusammengekauert am Boden sitzt. Keiner weiß, was der hat. Zimmer 226, Zimmer 228, Zimmer 210: Kickermann klopft dreimal an die Tür, greift zur Klinke, tritt ein.
Der 48 Jahre alte Mann trägt Jeans und ein rot-grau-kariertes Hemd. Seine Haare hat er zu einem Pferdeschwanz gebunden, seinen silberblauen Augen entgeht nichts. Einmal in der Woche macht Kickermann seinen Kontrollgang durch die Zimmer des Asylheims UMF. Das Kürzel steht für "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge".
In der Unterkunft an Münchens Baierbrunner Straße leben nur 16 und 17 Jahre alte Jugendliche, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Kickermann war schon dabei, als das Heim 2006 gegründet wurde. Damals hoffte er noch, dass die bayerische Landesregierung die jungen Flüchtlinge in der Unterkunft vor den Zuständen schützen wollte, die sie in Asylheimen für Erwachsene bis heute hinnimmt.
Der Schimmel in der Gemeinschaftsküche ist im Gegensatz zu dem in den meisten Zimmern orange und nicht grün. Unzählige Bratfettspritzer haben wirre Farbmuster auf den Putz über der Arbeitsplatte gezaubert. Ob Schimmel oder Fett - Joseph Guima muss seine Spaghetti in dieser Küche kochen. Es gibt nur die eine. Vier Herdplatten für vierzig Flüchtlinge.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Thema
- Flüchtling RSS
- Flüchtlingsbus Helfer funken SOS 12.01.2010
- Integrationsprojekt Hilfe in der Fremde 09.02.2009
- Gemeinschaftsunterkunft Lerchenau Fragwürdiges Happy End 21.01.2009
- Afrikanische Flüchtlinge Italien verstößt gegen die Menschenrechte 28.04.2010
- Flüchtlinge an Europas Küsten Gerettet, aber eingesperrt 27.01.2010
- Nach dem Beben Flucht aus der Trümmerstadt 22.01.2010
- Nach Erdbebenkatastrophe in Haiti Zeltlager in Guantanamo 21.01.2010
Analyse des DFB-Kaders
Die neueste Antwort
Liebe Redakteure steht nun Ihre Zentrale in Weissrussland. Da sagt man es der Regierung nach. Aber hier machen es die Journalisten schon selbst. Nun ja. Spricht auch für sich.
"Somit brauch es für jeden Asylbewerber eine Art "Bürgerausbildung" und zwar mind. 2 Jahre lang jeden Tag 8 Std. in verbindung mit Arbeit und Hausarbeit. "
Sind Sie sich sicher, dass ihr Posting nicht im Stürmer vor 1945 mal populär gewesen wäre. Sie meinen wohl auch Zucht und Ordnung vermitteln zu müssen.
Was Hänschen nicht lernt.......
Nun egal was wir machen wir werden leute die von Kleinauf Kidnersoldaten, Flüchtlinge waren und es gewohnt waren im Schmutz zu leben hier nicht mal schnell zu normalen sauberen Bürgern machen können.
Somit brauch es für jeden Asylbewerber eine Art "Bürgerausbildung" und zwar mind. 2 Jahre lang jeden Tag 8 Std. in verbindung mit Arbeit und Hausarbeit.
Nur dann macht helfen im Asyl Sinn. Das heist aber auch das man nur ausgewählt einen bruchteil der heutigen Zahlen aufehmen kann die dafür realistisch. Es gibt daneben nur eine Option die heutige. Kommt her ihr bekommt Kleidung essen und Wohnraum und sonst gar nichts.
.
Ein deutscher Arbeiter, der im Arbeiterwohnheim lebt, ein deutscher Student, der im Studentenwohnheim lebt, ein Arbeiter, der auf Montage unterwegs ist, etc. hat nicht einmal 2qm Privatspäre. Im Gegenteil. Die schlafen auf Hochbetten und stapeln sich einer über den anderen mit 0 qm Privatsphäre. Private Putzfrauen, die ihnen hinterherlaufen um ihre Socken einzusammeln oder die Küche zu reinigen haben sie auch nicht. Die müssen auch alles selber machen. Was haben die Flüchtlinge eigentlich erwartet? Einen privaten Diener?
.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Paging