Flüchtlinge in Bayern Protestmärsche erreichen München

Zwei Wochen lang sind Flüchtlinge quer durch Bayern gelaufen, immer wieder wurden sie von der Polizei aufgehalten und kontrolliert: Nun sind die beiden Protestmärsche in München angekommen, wo sie bis Mitternacht eine Abschlusskundgebung abhalten wollen.

Von Kim-Björn Becker und Melanie Staudinger

Mit einem Marsch von Feldmoching in die Münchner Innenstadt haben mehr als 100 Flüchtlinge und Unterstützer die letzte Etappe ihres rund zweiwöchigen Protestzuges quer durch Bayern beendet. Dabei wurden sie von einer Hundertschaft der Polizei begleitet, die im Laufe des Dienstags mehrere Münchner Straßen teilweise komplett für den Straßenverkehr sperren musste. Vereinzelt kam es deshalb zu Verkehrsbehinderungen.

Am 20. August hatten sich zwei Gruppen von Würzburg und Bayreuth aus auf den Weg gemacht. Mit dem Marsch fordert die Gruppe, die sich "Refugee Struggle for Freedom" nennt, bessere Bedingungen für Asylbewerber. Unter anderem wenden sich die Protestierenden gegen die sogenannte Residenzpflicht. Sie schreibt vor, dass Asylbewerber den ihnen zugeteilten Regierungsbezirk nur dann verlassen dürfen, wenn sie vorher einen Antrag stellen.

Da beide Protestzüge auf ihrem Weg durch den Freistaat mehrfach demonstrativ die Grenzen zwischen zwei Bezirken überschritten hatten, wurden bei Polizeikontrollen immer wieder Ausländer vorläufig in Gewahrsam genommen und in ihren jeweiligen Bezirk zurückgeschickt. Teilweise nahmen aber auch Flüchtlinge am Protestmarsch teil, die bereits eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hatten. Die Gruppen wurden von Sympathisanten aus ganz Deutschland begleitet.

Nachdem sich die beiden Züge in Feldmoching zusammengeschlossen hatten, begannen sie am Dienstagvormittag ihre letzte Etappe auf dem rund 300 Kilometer langen Marsch. Von der katholischen Pfarrkirche St. Christoph aus zog der Tross über die Lassallestraße in Richtung Süden, über die Moosacher Straße und den Frankfurter Ring nach Osten und schließlich über die Ingolstädter Straße und die Leopoldstraße in Richtung Innenstadt.

Die Polizei war mit 300 Beamten im Einsatz. Sie sprach von etwa 50 Teilnehmern, davon etwa die Hälfte Sympathisanten, auch Anhänger der Antifa habe man gesichtet. Zudem marschierten auch einige der Asylbewerber mit, die im Juli am Rindermarkt in einen Hungerstreik getreten waren.

Von 18 bis 24 Uhr wollten die Protestierenden durch die Innenstadt ziehen und unter anderem am Rindermarkt Station machen. Eine Zeltaktion war aber offenbar nicht geplant: Die Flüchtlinge sollen im Vorfeld bei verschiedenen politischen Parteien angefragt haben, ob diese Unterkünfte stellen könnten.

Einige Studenten der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) haben die beiden Protestmärsche der Flüchtlinge nach München begleitet. Ihr Videomaterial stellen sie unter http://refugeestruggle.org/de/media online.