Flitzerin in der Allianz Arena Blank für die Bayern

Bestimmt wieder nur eine Wette: Eine Flitzerin stürmte bei dem Spiel des FC Bayern gegen den SC Freiburg am Samstag auf den Platz.

(Foto: dpa)

"Nackert" in der Allianz Arena: Beim Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und dem SC Freiburg ist eine Flitzerin auf den Rasen gestürmt. Wollte sie für Uli Hoeneß demonstrieren? Ach was, das war bestimmt wieder so eine Wette.

Eine Kolumne von Florian Fuchs

Vielleicht ist ja der in Österreich auch nach seinem Tod noch immer sehr große Liedermacher Georg Danzer schuld. Der hat 1975, lange bevor das moderne Flitzertum so richtig in Mode geriet, ein Lied über einen Nackerten im Wiener Künstlercafé Hawelka gedichtet und damit wohl den Weg bereitet für all die heutigen Nachahmer bei Großveranstaltungen. "Jö schau" hat der Song geheißen, "geh fesch, endlich ana ohne Wäsch'" lautete eine Verszeile, und natürlich gab es eine intellektuelle Überhöhung, es waren ja noch andere Zeiten damals: "Nackert" bedeutet im Wiener Dialekt auch so viel wie ungebildet oder unwissend.

Das mit der intellektuellen Überhöhung ist heute schwierig, wobei man dem Auftritt der jungen Flitzerin, die am Samstag in der Arena beim Spiel des FC Bayern gegen Freiburg im Gewitterregen den Rasen stürmte, durchaus Symbolcharakter und eine höhere Aussage unterstellen könnte. Vielleicht hat sie sich nicht ohne Grund das Hemd vom Leib gerissen: "Freiheit für Hoeneß" könnte das bedeutet haben, eine Demonstration für den armen Steuersünder, wo die übrigen Bayernanhänger in ihren Sitzschalen schon sonst nicht viel Elan zeigten zu Solidaritätsbekundungen mit dem in Unehre geratenen Klubpräsidenten.

Aber es ist natürlich auch hier viel wahrscheinlicher, dass es wieder nur eine Wette war nach zu viel Biergenuss vom vereinseigenen Sponsor. So ist es ja oft bei den Flitzern in Sportstadien, und meistens ziehen sie auch blank.

In München hat man wenigstens im Winter seine Ruhe vor Nackerten, nur in der beheizten Staatsbibliothek rannten im März zwei Studenten durch den Lesesaal, um ihren Abschluss zu feiern. In Sibirien dagegen kennen sie gar keine Grenzen mehr: Beim Biathlon im unaussprechlichen Chanty-Mansijsk reckte kürzlich ein Zuschauer am Streckenrand sein nacktes Hinterteil in die Kameras - und das im tollsten Schneetreiben.