Von Jan Bielicki

München mag die Sorgen haben, die andere Städte gern hätten. Trotzdem droht ein harter Sparkurs. Der Kämmerer Wolowicz erwartet für 2010 eine Neuverschuldung von 214 Millionen Euro.

Diesmal war Christian Ude nicht dabei bei der Kanzlerin. Seine Frankfurter OB-Kollegin Petra Roth (CDU) hat als Präsidentin des Deutschen Städtetage ihrer Parteifreundin Angela Merkel noch einmal die Finanzprobleme der Kommunen geschildert - allerdings nicht in erster Linie am Beispiel München. "Wir sind noch mit am besten weggekommen", erklärt der Münchner Oberbürgermeister, was er in Gesprächen mit seinen Kollegen aus anderen Städten herausgehört hat.

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Die Sanierung des Gasteigs wird auf bessere Zeiten verschoben. Dafür ist im Moment kein Geld in der Kasse. (© Foto: Stephan Rumpf)

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Die kommunalen Kassen sind anderorts "erschreckend" leer, der Absturz der globalen Wirtschaft habe die Finanzkrise der Städte "dramatisch zugespitzt", sorgt sich Ude. Aber auch daheim im reichen München sieht er die städtischen Steuereinnahmen auf ein "ernüchternd niedriges Niveau" geschrumpft.

Es könnte bald noch schlimmer kommen. "Wir sind alarmiert", so beschreibt Hans-Dieter Kaplan die Stimmung unter den Finanzpolitikern der rot-grünen Rathausfraktion. Der stellvertretende Chef der Rathaus-SPD sitzt in jenen Krisenrunden dabei, deren Mitglieder sich nun über die von Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) gelieferten Zahlen beugen.

Die verheißen wenig Gutes: Im Januar überwiesen Münchens Unternehmen so wenig Gewerbesteuer, dass die Kämmerei für 2010 nur noch mit knapp über einer Milliarde Euro aus dieser wichtigsten Einnahmequelle der Stadt kalkuliert.

Das sind gut 300 Millionen Euro weniger, als im Budget angenommen. Darin hatte Wolowicz noch damit gerechnet, auch 2010 wenigstens jene 1,35 Milliarden Euro zu erreichen, die ihm die Gewerbesteuer 2009 eingebracht hatte. Im Boomjahr 2007 waren es noch 1,9 Milliarden Euro gewesen.

Zunächst werden die Münchner von der Haushaltskrise ihrer Stadt jedoch noch wenig merken. "Noch haben wir etwas Luft", sagt der SPD-Finanzpolitiker Kaplan.

Die Stadt hat in den guten Jahren 2006 bis 2008 mehr als eine Milliarde Euro ihrer Schulden abgebaut und kann es sich noch leisten, neue Kredite aufzunehmen, was Wolowicz auch tut: Eine Nettoneuverschuldung von 214 Millionen Euro hat er für dieses Jahr eingeplant, befürchtet aber, dass es auch mehr werden könnten.

Was aber 2011 passiert, unkt Wolowicz, "ist reine Kaffeesatzleserei." Er selbst erkennt wenig Positives beim Blick in die Kaffeetasse: eine steigende Arbeitslosigkeit, die den städtischen Sozialhaushalt belastet; und nicht unbedingt einen baldigen Wirtschaftsaufschwung, der wieder kräftig Steuern in die Stadtkassen spült. Auch für eine reiche Stadt wie München, warnt der Kämmerer, könne "die Grenze finanzieller Belastbarkeit bald erreicht sein".

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