Die Übung ist "echter als echt", findet ein Feuerwehrmann: 600 Grad an der Zimmerdecke, Kinder schreien, es ist dunkel. Ein Besuch bei der Münchner Feuerwehr.
Wer das hier übersteht, für den dürfte jeder Auftritt bei Schlag-den-Raab oder im TV-Dschungelcamp die reinste Erholung sein. Feuer spuckt den Männern entgegen, die Zimmerdecke hat sich auf 600 Grad erhitzt, das Eisengeländer glüht und Wasserdampf wabert durch den düsteren Raum. Ein paar Schritte weiter haben sie es allerdings auch nicht gerade leicht: Die Männer hier müssen sich durch enge Käfige quälen, robben über einen Eisenrost; es ist stockfinster und zum Prasseln des Feuers hört man die verzweifelten Hilferufe von Kindern. Die allerdings kommen vom Band. Es ist, Gott sei Dank, nur eine Übung.
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Die Münchner Feuerwehr bei der Arbeit - zum Glück ist es dieses Mal nur eine Übung. (© Foto: Robert Haas)
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Seit kurzem hat die Münchner Feuerwehr zwei neue Gefährte, sie heißen "MobAS" und "MoBSA", was keine Kosenamen sind, sondern Abkürzungen für "Mobile Atemschutzübungsstrecke" und "Mobile Brandsimulationsanlage". Die Lkw-Sattelauflieger, die sich die Feuerwehr inklusive Zugmaschine rund eine Million Euro hat kosten lassen, sollen die Ausbildung bei der Feuerwehr optimieren und so auch die Zahl der Dienstunfälle verringern. Gerade bei den schwierigen Einsätzen in brennenden Wohnungen oder Kellergeschossen verletzen sich auch immer wieder Feuerwehrleute.
32 Meter robben
Die Simulator-Lkw reisen nun von Feuerwehrwache zu Feuerwehrwache - und dort dürfte es den Kollegen wie Peter Ludwig von der Hauptfeuerwache ergehen, der am Freitag zum ersten Mal die "Kriechstrecke" hinter sich bringt, und das nur den Journalisten zuliebe: 32 Meter robbt er durch miteinander verbundene Käfige, einmal wird es so eng, dass Ludwig sein Atemgerät ablegen und in die Hand nehmen muss.
Am Ende, als er wieder draußen ist und die Atemmaske vom Gesicht nehmen kann, läuft ihm der Schweiß vom Nacken in den Spezialanzug. Nass, aber zufrieden steht er neben Andreas Huber, der sich nach ihm durch die "Atemschutzübungsstrecke" gezwängt hat. "Die ist echter als echt", sagt Huber. "Eine super Übung." Auch wenn er im Ernstfall nie in einen solch langen und unüberschaubaren Tunnel gehen würde, wo jeder Rückzug unmöglich ist.
Für die Münchner Feuerwehren - die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr, die übrigens gerade dabei sind, in einem moderierten Prozess ihre Zusammenarbeit zu optimieren - war das zurückliegende Jahr ein gutes. Die Zahl der Brände ist zwar leicht gestiegen (von 1866 auf 1909), doch gab es wesentlich weniger Großeinsätze. Lediglich neun Großbrände verzeichnet die Statistik 2008 - im Jahr davor hatte man 28 Einsätze. Ergründen lässt sich der Rückgang nicht. "Es war wohl Glück", sagt Robert Saller, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr.
Gesunken ist auch die Zahl der Menschen, die bei Bränden ums Leben gekommen ist. Sieben waren es in 2007, fünf in 2008. Drei von ihnen starben nach dem Transport ins Krankenhaus, zwei fand die Feuerwehr tot in der Wohnung. Bei einem Dachstuhlbrand in der Laimer Maxstadtstraße kam am 20. November für einen Mann jede Hilfe zu spät. Am 2. März hatten Feuerwehrleute am Kurfürstenplatz eine Leiche gefunden - ein tragischer Unfall, wie sich herausstellte. Die 80-jährige Schauspiellehrerin war gestorben, weil ihre Kleidung am Gasherd Feuer gefangen hatte.
Die Landeshauptstadt hat im vergangenen Jahr 92,4 Millionen Euro für den Unterhalt von Katastrophenschutz, Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr ausgegeben. "18 Cent pro Kopf und Tag" hat Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle ausgerechnet. "Das sollte uns unsere Sicherheit Wert sein." Aufgebaut hat die Münchner Feuerwehr auch eine schnelle Eingreiftruppe für den Katastrophenfall. Seit kurzem gibt es in München eine "Analytische Task Force", die ausrücken soll, wenn irgendwo unbekannte Chemikalien gefunden werden.
Ein ganzer Schwung von hochspezialisierten Messgeräten wurde angeschafft, die zigtausend Arten von Gasen oder aus einigen Kilometern Entfernung auch in der Luft Schadstoffe erkennen können. Demnächst wird ein Team von Chemikern und Biologen geschult, die dann bayernweit eingesetzt werden können - und die, wenn es eilt, mit dem Hubschrauber zum Notfallort geflogen werden. Sollten künftig irgendwo Briefe mit verdächtigem Inhalt auftauchen, lässt sich dann rasch feststellen, ob sie einen Milzbranderreger enthalten - oder doch nur Backpulver.
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(SZ vom 27.03.2009/pfau)
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