Festival Elektronische Vorbilder

Beim "Digitalanalog"-Festival im Gasteig und in der Registratur sind wieder einmal richtige Elektro-Schmankerl zu hören.

Von Dirk Wagner

Eine der ärgerlichsten Errungenschaften dieser Stadt ist wohl jene 32-Kanal-Surroundanlage, die im Einstein-Kulturzentrum für den besten Sound Münchens sorgen könnte, gäbe es im selben Haus nicht Bewohner, die die Musik aus dem Keller dank unglücklicher Stahlträger auch ohne die teuerste Ton-Anlage der Stadt besser als gewollt hören. Also musste das hier angesiedelte Elektronik-Festival "Digitalanalog" nach gerade mal zwei städtisch geförderten Veranstaltungen im Jahr 2002 neue Orte für die Präsentation elektronischer Musik und visueller Kunst finden.

In der Registratur ist der Eintritt am Samstag kostenlos.

(Foto: Foto: Catherina Hess)

Dass es in den Folgejahren regelmäßig den Veranstaltungsort wechselte, mal im Harry Klein gastierte, mal in den Kunstarkaden, mal die Schrannenhalle beschallte und mal das Haus der Kunst, schien schon fast zum Konzept des Festivals zu passen, das als Schnittstelle von digitaler und analoger Kunst jenseits allen Genre-Denkens auch musikalisch nicht in einem Ort verhaftet sein will.

Darum verwundert es nicht weiter, wenn Digitalanalog am Samstag bei seinem zweiten Gastspiel im Gasteig auch eine gitarrenlastige Band wie Majmoon präsentiert, die zunächst nicht die Assoziationen an elektronische Musik erfüllt, die der Name des Festivals weckt. Erst beim genaueren Hinhören werden die elektronischen Vorbilder deutlich, auf welche die rockistische Umsetzung der deutsch-kroatischen Band fußt.

Ebenso ist auch die Besetzung der 25-köpfigen Wiener Musikarbeiterkapelle mit ihren Pauken und Trompeten keine technoide. Umso spaßiger ist es, ihren Umsetzungen von Elektronik-Klassikern wie Kraftwerks "Das Modell" oder Daft Punks "Around The World" zu lauschen. Dabei handelt es sich um keinen musikkabarettistischen Ulk, sondern um die ernste Auseinandersetzung mit einer musikalischen Ausrichtung, die - als Tanzmusik etikettiert - nur selten in einem konzertanten Rahmen von Zuhörern wertgeschätzt wird.

Wobei nichts Verwerfliches daran ist, zur guten Musik zu tanzen. Folglich wird nach den Lesungen und Konzerten (von Shinto, Parasyte Woman und anderen) im Gasteig das Digitalanalog-Festival von 22 Uhr an in der Registratur, Blumenstraße 28, ausklingen, wo unter anderem zur Musik des iranischen DJs Sharokh getanzt wird. Der Eintritt ist an beiden Spielorten frei. Beginn: 18 Uhr.