Die Stadt muss handeln: Die EU fordert von München konkrete Schritte gegen Feinstaub - Fahrverbote sind nicht ausgeschlossen.
Münchens Autofahrer sollten sich schon einmal auf härtere Zeiten einstellen: Die von der Europäischen Kommission erteilte Gnadenfrist zur Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte ist an strenge Auflagen geknüpft, die nach einer ersten Einschätzung des Umweltreferats deutlich über eine Verschärfung der Umweltzone hinausgehen.
Bild vergrößern
Autoverkehr auf der Landshuter Allee, einer der feinstaubreichsten Straßen Münchens. (© Foto: Hess)
Anzeige
Um das Überschreiten der Limits zu vermeiden, verlangt Brüssel nun "kurzfristig wirkungsvolle Maßnahmen" - vor allem im Verkehr, der als Hauptursache der hohen Feinstaubbelastung eingestuft wird. Theoretisch sind sogar Fahrverbote möglich: Die Formulierung im offiziellen EU-Papier, das der SZ vorliegt, bietet Spielraum für Interpretationen, lässt diesen Schluss aber durchaus zu. Als Option wohlgemerkt - was München konkret unternimmt, um die Vorgaben zu erfüllen, wird nicht in Brüssel entschieden.
Kein Freibrief, die Limits zu ignorieren
Neben München haben diverse deutsche Städte, darunter Augsburg, bis Juni 2011 Zeit bekommen, die eigentlich schon seit 2005 gültigen Feinstaubgrenzwerte einzuhalten. Speziell auf Bayerns Hauptstadt bezogen ist der Passus, wonach der Luftreinhalteplan ergänzt werden müsse mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen "zur Kontrolle oder, soweit erforderlich, zur Aussetzung der Tätigkeiten, die zur Gefahr einer Überschreitung der Grenzwerte beitragen".
Dass mit diesen "Tätigkeiten" unter anderem Autofahren gemeint ist, ergibt sich aus einer speziellen Richtlinie "für kurzfristige Maßnahmen", auf die im EU-Papier ausdrücklich Bezug genommen wird.
Aussetzung des Autofahrens - das klingt nach Fahrverboten oder zumindest nach rigiden Eingriffen in den Verkehr. Brüssel erwartet entsprechende Vorschläge aus München bis spätestens 31.Dezember 2010. Klar ist: Die Ausnahmegenehmigung, die übrigens den meisten europäischen Städten verweigert wurde, ist kein Freibrief, die Limits einfach einige Jährchen länger zu ignorieren. Die EU erwartet konkrete Schritte in Richtung saubere Luft.
Dass es Bedarf für "kurzfristige Maßnahmen" gibt, steht laut Umweltreferent Joachim Lorenz fest. Denn auch wenn wie geplant im Oktober 2010 Autos mit roter und von 2012 an auch mit gelber Plakette nicht mehr in die Umweltzone fahren dürfen, reicht dies aller Voraussicht nach nicht aus, die Limits einzuhalten. Die grüne Rathausfraktion fordert daher "mutige Schritte". Verkehrssprecherin Sabine Nallinger hält die im Rathaus umstrittene Verschärfung der Umweltzone für das "absolute Minimum dessen, was die Stadt tun muss". Angesichts des Briefes aus Brüssel sei es angebracht, Autos mit gelber Plakette schon früher auszusperren als bislang geplant. Außerdem müsse man die Verkehrsströme in die Stadt dosieren. Dazu könnten Telematiksysteme installiert werden, sogenannte Pförtnerampeln, die wie Ventile den Zufluss von Autos ins städtische Verkehrsnetz steuern. Erfahrungen in Frankfurt und Zürich zeigten, dass die Autofahrer flexibel reagierten und auf andere Verkehrsmittel oder verkehrsärmere Zeiten auswichen.
Gnadenfrist gilt für Tagesgrenzwerte
Zwar ist der Freistaat für die Luftreinhaltepläne verantwortlich, der Ministerrat hat aber den Kommunen weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt. Die Suche nach sinnvollen "kurzfristigen Maßnahmen" dürfte also überwiegend im Münchner Rathaus stattfinden. Verschärft wird die Situation durch neue Stickoxid-Grenzwerte, die von Januar 2010 an gültig sind und, das zeigen Messungen der vergangenen Jahre, in München ebenso wenig eingehalten werden können wie die für Feinstaub.
Die nun in Brüssel gewährte Gnadenfrist bezieht sich übrigens nur auf die Tagesgrenzwerte - also jene berühmten 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, die an maximal 35 Tagen pro Jahr überschritten werden dürfen.
Für 2009 sind an der Landshuter Allee aktuell 36 Sündenfälle registriert, allerdings stehen wohl noch einige trübe November- und Dezembertage mit entsprechenden Inversionswetterlagen bevor. Der bisherige Negativrekord wurde im Jahr 2005 mit 107 Grenzwertüberschreitungen erreicht. Deutlich weniger Probleme hat München mit dem Einhalten des Jahresgrenzwerts von durchschnittlich 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Für dieses Limit gilt die Fristverlängerung daher nicht.
Die EU-Kommission attestiert, entgegen der Erwartung vieler Experten, der Stadt München erschwerte Bedingungen bei der Luftreinhaltung. Dies liege allerdings nicht an schwierigen geographischen oder klimatischen Bedingungen, sondern an der Enge der Straßen. Dabei dürften vor allem Landshuter Allee und Stachus mit ihrer hohen Verkehrsbelastung gemeint sein.
- Thema
- Stadtleben RSS
- Umweltzone EU drängt Stadt zum Handeln 06.07.2009
- Umweltzone Besser ist nicht gut genug 24.04.2009
- Umweltbelastung Feinstaub schlägt aufs Herz 25.03.2009
- Münchner Frühlingsgefühle Sonne auf der Haut 27.04.2010
- 851. Stadtgeburtstag Liebes München! 20.04.2010
- Gewinner der Konzertkarten Karten für Phillip Boa 20.04.2010
- Joggen in München München läuft ... aber wo? 06.04.2010
(SZ vom 09.07.2009/pfau)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Die neueste Antwort
Da muss man nur schauen, wie - speziell im Winter, aber nicht nur - die Busse von Vertragspartnern, sowie Taxis endlos vor sich hin dieseln, primär weil der Fahrer im Warmen sitzen will.
Sicher ist es nicht gigantisch in ein etwas kühleres öffentliches Gefährt einzusteigen, aber in aller Regel erwärmt sich der Fahrgastraum während der Fahrt sehr schnell. Eine aufwändig geschaffene "Umweltzone" bringt aber nur etwas, wenn man ALLE Verkehrsteilnehmer systematisch anhält, Emissionen zu reduzieren. Das gilt natürlich auch für die unzähligen Lieferfahrzeuge, egal ob vor Geschäften oder auf Baustellen.
Klar, während die Hydraulik läuft, braucht man zumeist den Motor, aber bis dahin kann man in den meisten Fällen getrost ausschalten.
Feinstaub ist ein Problem das es schon immer gab.Er wird auch durch Wind und Bodenerrosion verursacht,frueher fuhren Morgens die sogenannten Sprengwagen durch die Stadt und spuelten den Staub von den Strassen. Das hat man alles eingespart,in fast allen Staedten. Da es den Feinstaub auch im Winter gibt sollte doch nachdenklich machen,er kommt vom Streusalz oder dem Streusand. Wer schon einmal in der EU die Staedte in Suedeuropa besucht hat,der kommt zu dem Ergebniss,da muesste an 300 Tagen im Jahr ein Fahrverbot ausgesprochen werden.Die Umweltschutzbestimmungen sollen wohl allein nur in Deutschland angewndet werden,im restlichen Europa fahren Fahzeuge durch die Gegent,die laengst Ausgemustert gehoehren. Null Kat leicht triefend mit Oel und anderen Fluessigkeiten. Merke je mehr unsere Autos sauberer und Umweltvertraeglicher werden,so mehr werden die Hysteriker schreien, Fahrverbot.
Wenn ich mich richtig erinnere, hatte Mainz bei einem Staatsbesuch von George W. Bush trotz Fahrverbot in der ganzen Stadt die höchste Feinstaubbelastung des Jahres.
Feinstaub hat's schon immer gegeben und wird durch Fahrverbote nicht zu beseitigen sein. Wenn Feinstaub wirklich so schädlich ist, wundere ich mich, dass die Menschen immer älter werden und wir nicht schon alle tot sind.
Meine Meinung: Hier versuchen einige Politiker sich ein Denkmal á la Transrapid auf Kosten der Autofahrer zu setzen?
wie die Stadt München mit seinem Umweltproblem umgeht, welches schon seit Jahren bekannt ist. Da gibt es einen grünen Politiker, der den Saubermann spielen und alle roten und gelben Plakettenautos einfach mal so aussperren will.
Da gibt es einen Geschäftsführer der Münchner Verkehrsbetriebe, der mitteilt, er müsse die Preise erhöhen und das Angebot einschränken, weil sein Defizit so hoch ist.
Da gibt es Planungen für die weitere Beruhigung der Innenstadt und schon schreien die Geschäftsleute, dass die Autofahrer wegbleiben, wenn sie mit ihren Kisten nicht mehr direkt vor dem Geschäft parken können.
Ich meine, der Gedanke von der aufahrergerechten Stadt mit Autobahnen bis in die Innenstädte sollte doch langsam ausgeträumt sein. Auf Fahrzeugen herumzudreschen, die gelbe und rote Plaketten tragen, stinkt mächtig nach Automobillobbyismus. Die Wurzel des übels liegt doch darin, dass viel zu viel Verkehr sich auf einer kleinen Flächen namens Stadt München ballt. Und dem kann man nur mit alternativen Mobilitätsangeboten entgegentreten. Und nicht mit Preiserhöhungen und Einschränkungen des Angebots. Das bringt keinen Autofahrer zum umdenken, sondern bestätigt nur die Haltung.
Wieviele Rapsfelder kenne sie denn in München?
Ansonsten: Egal ob Feinstaub oder nicht, Fahrverbot für die Innenstadt wird eh langsam Zeit. Abgesehen von Lieferanten und Pendlern aus dem Umland, muss kein Mensch in München mit dem Auto fahr'n. Lebe seit 30 Jahren hier und hab immer noch kein Auto.
Und das Argument, dass Autofahren trotz der zugegenermaßen überteuerten MVV-Preise günstiger wäre, als mit Bus und Bahn zu fahren, gehört schlicht un ergreifend in die Rubrik hardnäckige, aber dennoch falsche Mythen.
Und vielleicht hilfts ja auch was gegen den Feinstaub. Schaden wird's jedenfall nicht. Im Gegenteil!
Paging