Fehlende Hallen in München Sparen am Sport

Kein Platz zum Spielen: Weil die Stadt kein Geld für neue Sporthallen ausgeben will, geraten manche Vereine in Bedrängnis. Die FC-Bayern-Basketballer haben noch eine Gnadenfrist bis 2018, doch die Eishockey-WM findet ohne München statt.

Von Johannes Schnitzler und Ralf Tögel

Schmuckstück mit beschränkter Lebensdauer: Der FC Bayern hat die Rudi-Sedlmayer-Halle gemietet und Millionen investiert. Doch 2018 ist Schluss.

(Foto: Claus Schunk)

Der EHC München sehnt sie herbei, FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß fordert sie vehement - doch die Stadt macht keine Hoffnung auf neue Sportstätten für München. Es gebe im Stadtrat fraktionsübergreifend "wenig Bereitschaft, dafür Geld zu investieren", sagte die für Sport zuständige Bürgermeisterin Christine Strobl der SZ. Der Stadt stehe "im Olympiapark sowieso noch einiges bevor" meinte die SPD-Politikerin mit Blick auf anstehende Sanierungen. Wegen einer fehlenden Halle wird München ein sportliches Großereignis verpassen: Sollte die Eishockey-WM 2017 in Deutschland stattfinden, ist die Landeshauptstadt kein Spielort.

Uli Hoeneß hatte am Wochenende in einem Interview mit der SZ die Stadt hart kritisiert, weil sie zu wenig in Sportstättenbau investiere und gerade kleineren Vereinen nicht helfe. Eine Stadt, die sich als Sporthochburg geriere, müsse Sportstätten bauen, wenn Bedarf bestehe, nicht erst, wenn es um Großereignisse gehe.

Viele Breitensportvereine beklagen dies seit Jahren - doch Pläne, die bei der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 ersonnen wurden, verschwanden nach dem Scheitern in der Schublade. Übrig blieb der parteiübergreifende Vorsatz, wenigstens eine neue Halle zu errichten, mit den Hauptmietern FC Bayern (Basketball) und EHC München (Eishockey). Der FCB sanierte für fünf Millionen die Rudi-Sedlmayer-Halle, der EHC trägt seine Heimspiele in der 45 Jahre alten Olympia-Eissporthalle aus.

Im September traf sich erstmals eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt, der Messe München und des Olympiaparks. Laut Arno Hartung, stellvertretender Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, herrschte weitgehend Konsens über einen Neubau mit etwa 7500 Plätzen.

Dieser Darstellung widerspricht Sportamtsleiter Thomas Urban: "Es wird eher keine neue Halle geben." Vielmehr müsse darüber nachgedacht werden, die Olympia-Eishalle so instand zu setzen, dass "dauerhaft Spitzeneishockey garantiert werden kann". Es bestehe "hoher Sanierungsbedarf". Bürgermeisterin Strobl sagte der SZ, die Stadt sei "nach vielen Richtungen offen". Denkbar sei auch der Bau einer neuen Eishalle, falls die Sanierung zu teuer wäre.

Basketballer bekommen ein "energetisches Problem"

Für die Bayern-Basketballer stelle sich die Situation "im Moment gut" dar, so Urban. Auch hier sei an eine Sanierung der Sedlmayer-Halle gedacht, "damit diese dauerhaft genutzt werden kann". Die Bayern haben mit der Stadt einen Mietvertrag bis 2016, mit Option bis 2018. Einer langfristigen Nutzung aber stehe ein "energetisches Problem" im Weg: das Dach. Eine Sanierung sei problematisch, weil es sich um eine freitragende Konstruktion handle.

In beiden Fällen müssten nun mit Gutachten "die Grundlagen für eine endgültige Entscheidung geschaffen werden", sagt Urban. Was den EHC betreffe, bestehe "zeitlicher Druck", das auf ein Jahr befristete Engagement von Sponsor Red Bull erschwere aber eine Planung. Zudem dürfe man Olympia 2022 nicht aus den Augen verlieren. Bei einer Vergabe nach München würde ohnehin eine neue Halle auf dem Olympiagelände gebaut.

Die Gegenwart sieht anders aus. "München wird 2017 definitiv nicht WM-Spielort sein", bestätigte Franz Reindl, Generalsekretär des Eishockey-Bundes, am Sonntag am Rand des Deutschland Cups.