Abgewracktes Interieur, schummriges Licht, elektronische Musik. Die Favorit-Bar ist der Lieblingsladen der "No-Style"-Fraktion - und das ist durchwegs positiv gemeint.
Eine kleine, abgelegene Straße in der Münchner Innenstadt. Das Schaufenster trägt Lamellen-Vorhänge, solche, wie sie normalerweise in Büros vorkommen. Vor der Tür stehen ein paar Leute beim Rauchen, sie reden leise. Der Türsteher nickt freundlich und hält die Tür auf. Dann ist man schon drinnen, in Münchens wohl puristischster Kneipe, der Favorit-Bar.
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Schummerlicht und elektronische Musik: Die Favorit-Bar. (© Foto: Catherina Hess)
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Mitten im Zentrum, zwischen Sendlinger Tor und Fußgängerzone, sind die Straßen nachts ausgestorben. Weggegangen wird im benachbarten Glockenbachviertel, auf der Sonnenstraße oder am Maximiliansplatz. Doch die "Favo", wie sie von ihren Gästen einfach nur genannt wird, hat sich im szenigen Münchner Nachtleben fest etabliert.
Der Stil der Favorit-Bar ist es, keinen Stil zu haben. Die Wände darben in Abriss-Optik, rötliche Stablampen sorgen für schummriges Licht. An der hintersten Wand kämpfen kleine Ventilatoren für wenigstens ein bisschen Luftbewegung. Die Sitzgelegenheiten sind rar und schon ziemlich abgesessen. Alles wirkt etwas heruntergekommen, doch das scheint keinen hier zu stören. Im Gegenteil, der Schmuddel-Look wird von den Münchnern gerne als "Berlin-Style" bezeichnet. In diesem Ausdruck schwingt für gewöhnlich jede Menge Anerkennung mit. Sie wollen damit sagen: Die Favorit-Bar ist cool.
Die Gäste sind weit weg von Schickimicki und Bussi-Bussi. Hier geht es lässig zu. Der Kleidungsstil ist individuell, bloß nichts Schniekes. Entspricht man diesem Typus, hat man auch mit dem Türsteher keine Probleme. Reingelassen wird man dagegen nicht, wenn man in großen Gruppen erscheint oder ein Kostümchen beziehungsweise eine Krawatte trägt.
Man besucht die "Favo" vor allem wegen der Musik, die meist elektronisch oder alternative ist. Die DJs wechseln täglich, hin und wieder kann man auch eine bekannte lokale Plattenteller-Größe wie Mooner oder Jäger 90 erleben. Wer Lust hat, plaudert mit den DJs. Die freuen sich über jeden Fan.
Getränkemäßig hat man in der Favorit-Bar nicht so viel Auswahl. Cocktails bekommt man nicht, die meisten Gäste trinken sowieso lieber Bier oder Cuba Libre. Seit dem Rauchverbot, das seit Anfang des Jahres gilt, wird in der "Favo" nicht mehr geraucht - und das wird auch strikt durchgezogen. Raucher gehen alle brav vor die Tür, auch seit das überdimensionale Rauchverbotsschild an der Wand hinter dem Tresen wieder entfernt wurde. Nur nach 23 Uhr muss man aufpassen, dass man draußen nicht zu laut wird. Sollte das der Fall sein, wird man vom Mann an der Tür darauf hingewiesen, dass man gefälligst ruhiger sein soll.
Am Wochenende ist in der kleinen Bar stets die Hölle los, besonders zwischen 22 und 2 Uhr morgens. Viele der Gäste kommen zum "Aufwärmen", trinken ein paar Bierchen und ziehen dann weiter in einen angesagten Club in der Umgebung, wie etwa die Registratur, die Rote Sonne, die Erste Liga oder das Café King. Und auch wenn sich in der Favorit-Bar mit Sicherheit in naher Zukunft am Interieur nichts ändern wird, wird die eingeschworene Fan-Gemeinde dem Laden treu bleiben. Stammgäste sprechen in diesem Zusammenhang gerne vom "Favorisieren".
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(sueddeutsche.de/sonn)
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...denn der Herr von Eden (ja der, der den Laden um die Ecke hat) hat in der Favo seine Eröffnung weitergefeiert...und der is natürlich mit seinen Gästen in seinen Anzügen rumgelaufen...aber der is auch nen sympathisches Kerlchen, ich schätze davon hängts ab an der Tür.
Auch ein großes Lob an den Herrn Türsteher!
Für die beste Tür-Policy in München!
"Reingelassen wird man dagegen nicht, wenn man in großen Gruppen erscheint oder ein Kostümchen beziehungsweise eine Krawatte trägt."
Als der Laden aufmachte fand ich ihn auch richtig nett. Leider fing dann auch hier dieser Türsteher-Schwachsinn an! Anscheinend glauben die Betreiber dem Laden damit chic und Exklusivität zu verleihen, dabei reihen sie sich genau damit in die "Damit-werten-wir-die-Bude-auf"-Szene ein.....GÄHN! Wirklich schade.
Dann gehe ich doch lieber wieder in die "Sieben". Da treffe ich auch auf Menschen die völlig anders sind als ich, und das kann dann richtig spannend und lustig werden! Und der Türsteher achtet auch nur darauf das niemand ärger macht. Sehr entspannt.
..ist und bleibt eben ein Millionen-Dorf in dem die Maxime gilt: Nicht riskieren und immer schön& sauber in der Masse mitschwimmen!
Solch eine Bar mit Türsteher, das führt doch das ganze Konzept ad absurdum.
Auf der Wiesn laufen sie dann alle uniform in Trachten rum, die no-style Fraktion hat auch ihren peniblen Dresscode, und die SZ wacht mit Argusaugen darüber, dass niemand in den Diskussionsforen über die Stränge schlägt.
Einfach nur erbärmlich...
"Entspricht man diesem Typus, hat man auch mit dem Türsteher keine Probleme. Reingelassen wird man dagegen nicht, wenn man in großen Gruppen erscheint oder ein Kostümchen beziehungsweise eine Krawatte trägt."
Die sogenannten "coolen" wollen halt auch unter sich bleiben. Das "alternative" und "individuelle" wird damit zur Uniformierung und somit ad absurdum geführt. In der Favorit Bar ist gut zu beobachten, wie gleich "individuell alternativ" gekleidete Menschen doch aussehen können. Das kommt in meinen Augen mindestens so prätentiös daher, wie die dort verschmähte Schickeria.