Ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag ziehen die Münchner Narren durch die Stadt. Altministerpräsident Edmund Stoiber ist empört und sorgt sich um das Bild der Stadt im Ausland.

Altministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kritisiert den für Sonntag geplanten Münchner Faschingsumzug, der mit dem Holocaust-Gedenktag zusammenfällt. Die Veranstaltung sei "eine Instinktlosigkeit erster Güte", sagte Stoiber der Bild. Er befürchte negative Auswirkungen im Ausland. "Es gibt Dinge, die tut man nicht", sagte der CSU-Ehrenvorsitzende. Der Faschingsumzug werfe "international ein völlig falsches Licht auf unsere Verantwortung gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus".

Fasching in München

Fasching in München: Eine Verlegung des Umzugs ist aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. (© Foto: dpa)

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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) will hingegen an seiner Teilnahme festhalten. Eine Verlegung des Umzuges, zu dem rund 1000 Teilnehmer und mehr als 20.000 Zuschauer erwartet werden, sei aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Ein ebenfalls für Sonntag geplanter Faschingsumzug in Regensburg war nach anhaltender Kritik auf den 3. Februar verlegt worden.

Vor Stoiber hatten bereits die Israelitische Kultusgemeinde in Bayern (IKG) und der Zentralrat der Juden gegen die Veranstaltung protestiert. Der bayerische IKG-Präsident Josef Schuster kritisierte, der Faschingsumzug an diesem Tag düpiere und entehre die Opfer des Naziterrors und die wenigen Überlebenden. Auch die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hatte ihr Unverständnis über das Narrentreiben am Gedenktag zum Ausdruck gebracht.

Am 27. Januar 1945 war das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit worden. Seit 2005 wird nach einer Proklamation der Vereinten Nationen an diesem Tag der mehr als sechs Millionen getöteten Juden und anderer Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

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(ddp/bön/mah)