Von Interview: Anna Fischhaber

Horror an der Isar: Veranstalter Rainer Stefan spricht über 22 Jahre Fantasy Filmfest, deutsche Horrorkultur und die blutrünstigsten Filme des Jahres.

Vor 22 Jahren hat der Münchner Rainer Stefan das Fantasy Filmfest in Hamburg ins Leben gerufen. Inzwischen tourt das Kinofest mit Horror, Science Fiction und Animation im Programm durch acht deutsche Städte und zieht alljährlich über 100.000 Besucher an. Zum Abschluss gastiert das Fantasy Filmfest in all seinen schrecklich schönen Facetten auch wieder an der Isar. sueddeutsche.de sprach zum Auftakt mit Rainer Stefan über die deutsche Horrorkultur und blutrünstige Filme.

Bild vergrößern

Auf dem Programm des 22. Fantasy Filmfests stehen Horror, Science Fiction und auch ein echter Fantasy-Film. (© Foto: Filmfest/oh)

Anzeige

sueddeutsche.de: Vor 22 Jahren haben Sie das Fantasy Filmfest ins Leben gerufen - wie kam es dazu?

Rainer Stefan: Schon mit 14 Jahren habe ich angefangen Filmkopien zu sammeln, irgendwann hatte ich 250 Rollen zusammen. Mit den alten Horrorfilmen aus meinem Keller und einer Punkband haben wir das erste Festival in einem Kino, das Freunde in Hamburg haben, ins Leben gerufen. Und es hat funktioniert: 2000 Leute sind damals gekommen. Irgendwann haben wir die Musik und die alten Filme einfach weggelassen. Als wir 1989 mit dem Festival nach München gekommen sind, war das Kino Cinema noch eine riesige Baustelle. Ein Freund hat damals Kulissen aus der Bavaria-Filmstadt mitgebracht, um die Ziegelwände zu kaschieren und als Kasse haben wir eine Holzbude aufgestellt.

sueddeutsche.de: Eigentlich klingt Fantasy eher nach Märchen als nach Horror. Wie suchen Sie die Filme aus?

Stefan: Ich mag Thriller, alles was spannend ist, Angst macht und an die Nerven geht - nichts ist schlimmer als ein langweiliger Film. In diesem Jahr ist das Programm ziemlich düster, Arthouse-Fans kommen auf ihre Kosten."Outlander" ist unser einziger Fantasyfilm. Eigentlich müsste es eher Thriller Festival heißen, weil wir vor allem Horror-, Animations- und Science-Fiction-Filme zeigen, aber der Name Fantasy hat sich eben etabliert. Wichtig ist uns, dass wir weg vom Mainstream kommen und das möglichst viele Länder vertreten sind. Immer weniger Filme schaffen es heute überhaupt noch ins Kino. "Cash" zum Beispiel war ein großer Erfolg in Frankreich, hier wurde er an die Öffentlich-Rechtlichen verkauft und wird nur bei uns auf der Leinwand zu sehen sein. Für unseren Wettbewerb "Fresh Blood" suchen wir gezielt nach Erstlingswerken.

sueddeutsche.de: Apropos "Fresh Blood" - manche Filme klingen ziemlich blutrünstig. Gibt es eine Grenze des Zumutbaren?

Stefan: Uns geht es darum, dass ein Film gut ist und das hat nichts mit dem Blutfaktor zu tun. Das Mainstream-Kino hat sich heute sowieso alle Genres einverleibt und testet immer wieder neue Grenzen aus. Wo die eigene Grenze liegt, muss deshalb jeder für sich selbst entscheiden. Manche bekommen Angst bei einem Hitchcockfilm, andere weinen bei "Sisi" - ich bekomme davon nur Karies.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt "Von Sisi bekomme ich Karies"
  2. "Von Sisi bekomme ich Karies"
Leser empfehlen