Nach Chaos im Olympiapark weist die Stadt Kritik am Konzept zurück, will aber das Fan-Fest "optimieren". Am Freitag überrannten Fans den Zaun des völlig überfüllten Geländes.
Von notwendigen "Optimierungen" spricht Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle. So werde man die Fans künftig nicht erst am Zaun abweisen, sondern frühzeitig informieren, mit Durchsagen in der U-Bahn etwa. Und zwar schon, wenn erst 20000 Menschen auf dem Gelände sind, das 35000 Besucher fasst. Zudem werde man dann die Brücken zum Olympiapark sperren.
Sie kamen in Massen: Fans auf dem Olympiagelände (© Foto: Falterer)
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Auf dem Gelände selbst wolle man "Details" verbessern: Die Hangkante zum See hin, von wo aus man auf die Leinwand sieht, solle besser abgesichert werden, um zu vermeiden, dass jemand ins Wasser gedrängt wird. Rettungswege müssten konsequenter freigehalten, die Beleuchtungen verbessert werden. Die Stühle will man fixieren und mehr Glascontainer aufstellen. Seit Freitag besuchten bereits 132000 Fans den Olympiapark.
Wut und Verzweiflung
Für Tausende hatte das Eröffnungsspiel am Freitag mit einer Enttäuschung begonnen. Um 16.30 wurde der Park dicht gemacht, wer später kam, stand vor Absperrgittern.
Die Polizisten bekamen daraufhin Wut und Verzweiflung der Abgewiesenen zu spüren. Vor allem auswärtige Fans wussten nicht, wo sie auf die Schnelle andere Bildschirme finden sollten. Alle Orte in zentraler Lage mit WM-Übertragung waren überfüllt.
Während das Fan-Gelände in München schon mit 35000 Menschen voll war, konnten in Berlin 200000 das Spiel auf der Fanmeile verfolgen, in Hamburg immerhin 50000. "Mit solchen Dimensionen können wir nicht mithalten", sagt Polizeisprecher Andreas Ruch. Es mache auch keinen Sinn, mehr Besucher zuzulassen, "weil sie eh nichts sehen würden."
Blume-Beyerle wies Kritik am städtischen Konzept zurück: "Wir wussten alle nicht, was auf uns zukommt. Es ist das erste Fan-Fest, wir haben so etwas noch nie gemacht." Die Zwischenfälle seien "unschön" gewesen, aber nicht wirklich gefährlich oder chaotisch.
Der KVR-Chef verteidigte die Entscheidung, nur den Coubertinplatz zur Verfügung zu stellen, nicht etwa das Olympiastadion oder die Theresienwiese. Es sei nur bei Spielen der deutschen Mannschaft mit so einem Ansturm zu rechnen, ansonsten würden sich über vier Wochen ein paar tausend Menschen im riesigen Stadion verlieren. Außerdem würden Stadion und Wiesn für andere Veranstaltungen gebraucht, und der Königsplatz etwa müsse für Rettungsfahrzeuge im Katastrophenfall frei bleiben.
"Wer zu kurzfristig kommt, hat Pech"
Auch am Mittwoch, wenn Deutschland gegen Polen spielt, rechnet die Polizei wieder mit Zehntausenden, die das Spiel im Freien sehen wollen - das Wetter könnte halten und am Donnerstag ist Feiertag.
Die Polizei geht davon aus, dass der Fan-Park dann schon frühzeitig gesperrt werden muss. Sobald 20000 Zuschauer auf dem Gelände sind, will man an den Brücken zum Olympiapark "Vorsperren" errichten. "Wir müssen den Druck von den Zäunen nehmen", so Ruch. Maximal 32000 Gäste will man aufs Gelände lassen. Voraussichtlich ab 16 Uhr, also fünf Stunden vor Spielbeginn, werde man die Brücken sperren müssen. "Wer dann zu kurzfristig kommt, hat Pech", so Ruch.
Das am Mittwoch beginnende Tollwood-Festival im Olympiapark dürfte kaum für Entlastung des Fan-Parks sorgen: Maximal 5000 Menschen können in der Musikarena von 21 Uhr an Spiele sehen. Angst, von enttäuschten Fans überrannt zu werden, haben die Organisatoren nicht, so eine Sprecherin. Es stünden genügend Ordner bereit.
(SZ vom 13.6.2006)
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