Landeskriminalamt Polizisten stellen 100 000 Euro Falschgeld sicher

Neapel hat sich zur Hauptstadt des Falschgeldes entwickelt.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)
  • Drei Tatverdächtigen sollen die Blüten in Neapel besorgt und über die Grenze nach Bayern gebracht haben.
  • In München sollten sie offenbar in Umlauf gebracht werden.
  • Die süditalienische Stadt hat sich zu einer Art Hauptstadt der Geldfälscher entwickelt, wobei es auch in Deutschland Fälscherwerkstätten gibt.
Von Thomas Schmidt

Fahndern des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) ist nach eigenen Angaben "einer der bedeutendsten" Falschgeldfunde der vergangenen Jahre in Europa gelungen. Polizisten nahmen drei Tatverdächtige in Unterföhring fest, die sich die Blüten zuvor in Neapel besorgt und über die Grenze nach Bayern gebracht haben sollen. Einer der Verdächtigen, ein 48-jähriger arbeitsloser Italiener aus München, hatte das Falschgeld noch im Kofferraum seines Audi liegen, als die Polizei zuschlug.

In seinem Gepäck fanden die Ermittler 1500 Banknoten im Gesamtwert von 100 000 Euro. Seine beiden Komplizen, ein 50-jähriger arbeitsloser Grieche aus München und ein 25 Jahre alter Kellner aus Neapel, wurden kurz danach in einer Osteria in der Nähe geschnappt. Nun sitzen alle drei Beschuldigten in Untersuchungshaft.

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Wie die Fahnder des LKA auf die Spur des kriminellen Trios gelangt sind, wollen sie derzeit noch nicht verraten, denn die Ermittlungen dauern an. Die Behörde hofft, durch die Aussagen der nun festgenommenen Männer womöglich auch die Falschgeldproduzenten in Neapel überführen zu können und so an die Hintermänner des Millionengeschäfts zu gelangen.

"Wir arbeiten eng mit der italienischen Polizei zusammen", sagte Artur Neuerburg, der beim LKA das Sachgebiet Falschgeld leitet, am Donnerstag. Die Ermittlungen gegen die drei Beschuldigten hätten "einige Monate" gedauert. Durch "operative Maßnahmen" und dank eines Hinweises sei es schließlich gelungen, die Männer am 4. Mai festzunehmen und die "sehr gut gemachten" Falsifikate sicherzustellen.

Die beiden Münchner hatten sich laut LKA mit dem Auto auf den Weg nach Süditalien gemacht, sich dort mit dem neapolitanischen Kellner getroffen und dann das Falschgeld gekauft. Wie viel sie für die Blüten im Wert von 100 000 Euro auf den Tisch legen mussten, ist noch unklar - bislang schweigen die Männer zu dieser Frage.

Erfahrungsgemäß, so Neuerburg, verlangten Fälscher zehn bis 15 Prozent des Nominalwerts, in diesem Fall also zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Diese Arbeitsteilung - eine Bande druckt die Blüten, eine andere bringt sie unters Volk - sei in der Fälscherszene "an der Tagesordnung", sagt LKA-Experte Gerald Busch.

Wer arglos Falschgeld annimmt, kann nicht einfach zur Bank gehen und die falschen gegen echte Noten eintauschen

Die süditalienische Millionenmetropole hat sich zu einer Art Hauptstadt der Geldfälscher entwickelt, zum Einkaufsparadies für Blüten-Hehler, die täuschend echt wirkende Euronoten ins Ausland bringen und damit meist teure Waren wie Autos oder Luxusuhren kaufen. Polizeibehörden schätzen, dass derzeit etwa jede zweite gefälschte Euronote aus Kopierwerkstätten in Neapel stammt. Ermittler sprechen von der "Napoli-Group".

Die nun sichergestellten 100- und 50-Euro-Scheine sollten wohl in München vertrieben werden. Laut Neuerburg sind sie so gut gemacht, dass sie vermutlich keinem normalen Händler aufgefallen wären. Wer arglos Falschgeld annimmt und dann bemerkt, dass etwas nicht stimmt, kann nicht einfach zur Bank gehen und die falschen gegen echte Noten eintauschen.

"Auf diesen Scheinen bleiben Sie sitzen", betont Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Nun aber bleiben wohl die drei Täter sitzen: Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen bandenmäßige Geldfälschung vor, für die laut Leiding eine Haftstrafe von nicht weniger als zwei Jahren droht. Sollten sich die Männer doch noch durchringen, den Fälscher aus Neapel zu verraten, könnte sich das positiv auf ihren Prozess auswirken.

Im vergangenen Jahr wurden allein in Bayern etwa 10 000 gefälschte Banknoten sichergestellt, deutschlandweit waren es 73 000. Auch wenn die meisten Täter aus Südeuropa stammen, so finden Ermittler auch immer wieder Fälscherwerkstätten in Deutschland. Sowohl die Ausrüstung für die Herstellung der Blüten als auch die Absatzmöglichkeiten seien über das Darknet, das anonyme Internet, immer leichter verfügbar, erklärt LKA-Ermittler Busch.

Zu den organisierten Banden, über die in Italien häufig die Mafia ihre schützende Hand halte, kämen so verstreute Einzeltäter hinzu. "Es wächst ein junger, IT-affiner Täterkreis auf, der die Anonymität des Darknets gezielt nutzt", sagt Busch. Zudem würden über das Internet zunehmend Fälschungsvorlagen und Hologramme aus China verkauft. Im Vergleich dazu wirkt der Geldtransport im Kofferraum fast schon anachronistisch.

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