Falscher Arzt vor Gericht Böses Erwachen nach der Botox-Behandlung

Sie träumten von einem faltenfreien Gesicht, suchten die Schönheitsformel - und fanden Mani M. Doch nach seiner Botox-Behandlung kam für 20 Frauen und Männer das böse Erwachen: entstellte Gesichter, Knoten, Abszesse. Denn Mani M. war gar kein Arzt, sondern Student der Zahnmedizin. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

Von Andreas Salch

Mani M. ist Student der Zahnmedizin und Kosmetiker und träumte "von der kunstvollen ästhetischen Behandlung". Dieser Traum wurde für 20 Frauen und Männer zum Albtraum. Sie ließen sich von dem 32-Jährigen ihre Gesichtsfalten unterspritzen, unter anderem mit Botox.

Hier geht alles gut bei der Botox-Behandlung. Bei den Kunden von Mani M. lief die Sache nicht so komplikationslos ab.

(Foto: dpa)

Die Folgen waren katastrophal. Ihre Gesichter wurden entstellt. Es bildeten sich Knoten, Schwellungen und Abszesse. In allen Fällen traten "schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Reaktionen auf", heißt es in der Anklage der Staatsanwaltschaft am Landgericht München I. Dort muss sich Mani M. seit Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Missbrauch von Berufsbezeichnungen verantworten.

In einer Erklärung, die der 32-Jährige vor Gericht verlas, bekannte er sich zu den Anschuldigungen. Doch die Einlassung klang mitunter nicht so, als ob Mani M. zutiefst bereut, was er anderen Menschen angetan hat. "Ich habe Gefallen an der Verschönerung", erklärte der Angeklagte, "deshalb habe ich gespritzt." Botox und andere Präparate habe er "nur auf Wunsch" injiziert. "Ich dachte, dass das Unterspritzen total in Ordnung ist." Auch habe er sich "nie als Doktor ausgegeben".

Die Erklärung, die der 32-Jährige dafür parat hat, dass einige Menschen ihn aber als Doktor angeredet hatten: Vielleicht seien sie ja so von seinem "Äußeren beeindruckt" gewesen. Dass er die Gesichter dieser Personen auf Dauer entstellt hat, bedauere er. Für alle "Unannehmlichkeiten", die den Opfern entstanden seien, wolle er sich entschuldigen, versicherte Mani M., der im dunkelgrauen Anzug mit schiefergrauem Hemd und Krawatte zu der Verhandlung erschienen war.

Die meisten, die sich von ihm spritzen ließen, waren Frauen. So auch eine Maskenbildnerin aus München. Sie hatte über Kollegen von Mani M. gehört. Da sich viele Schauspieler Botox spritzen lassen, habe sie keine Angst gehabt, sagte die Zeugin bei ihrer Vernehmung. Das Präparat erhielt der 32-Jährige von einer Apotheke in Gauting, bei der er sich einfach auf eine Bestellerliste hatte setzen lassen. Einen Nachweis, ob er Botox überhaupt beziehen dürfe, habe man von ihm nicht verlangt, sagte Mani M. auf Nachfrage von Richter Stephan Kirchinger.

Wie es ihr heute gehe, wollte der Vorsitzende von der Maskenbildnerin wissen. "Mal ist mein Gesicht geschwollen, mal habe ich gerötete Augen", antwortete diese. Ob der Angeklagte überhaupt eine Approbation als Arzt besitzt, hatte sie ihn nicht gefragt. Ebenso hatte die Maskenbildnerin keinerlei Anstoß daran genommen, dass die Behandlungen nicht in einer Praxis, sondern mitunter im Wohnzimmer des Angeklagten in Schwabing stattfanden.

Eine Tänzerin, die ebenfalls über Bekannte zu Mani M. gekommen war, sagte, sie habe sich ursprünglich nur die Lippen spritzen lassen wollen. Doch der Angeklagte habe alles "korrigiert, was er gedacht hat". Insgesamt bezahlte die 39-Jährige 600 Euro. Für die operativen Korrekturen hat sie bislang 18.000 Euro investieren müssen. Bisweilen habe sie sich wegen ihres entstellten Gesichtes nicht mehr aus dem Haus getraut, sagte die Zeugin. Es habe auch Zeiten gegeben, "wo ich nicht mehr leben wollte".

Das Gericht hat Mani M. für den Fall eines umfassenden Geständnisses eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten zugesichert. Zudem wurde der Haftbefehl gegen den 32-Jährigen, der seit April in Untersuchungshaft sitzt, außer Vollzug gesetzt. Der Prozess dauert an.