Fall Hegemann "Ullstein schiebt ihr die alleinige Schuld zu"

sueddeutsche.de: Frau Hegemann hat sich entschuldigt. Finden Sie ihre Reaktion angemessen?

Pirmasens: Mich hat überrascht, wie schnell diese Entschuldigung kam - nicht einmal 48 Stunden nach meinem Blog-Eintrag und das an einem Sonntag. Ich finde sehr gut, dass sie sich entschuldigt hat. Allerdings schlägt sie schon ein paar Haken und versucht, sich zu rechtfertigen. Da frage ich mich schon, ob sie verstanden hat, um was es geht.

sueddeutsche.de: Was müsste Ihrer Meinung nach jetzt passieren?

Pirmasens: Ich sehe es so: Mit 16 Jahren macht jeder Fehler - auch wenn man großes Talent hat. Hegemann hat sich entschuldigt, aber warum nicht auch der Verlag? Ullstein schiebt ihr die alleinige Schuld zu. Sie mag zwar einen Vertrag unterschrieben haben, in dem sie angegeben hat, alle Quellen korrekt genannt zu haben. Dennoch finde ich, ein Verlag hat eine gewisse Verantwortung einer minderjährigen Autorin gegenüber.

sueddeutsche.de: Und noch eine letzte Frage. Hat Ihnen Axolotl Roadkill gefallen?

Pirmasens: Ich mag Axolotl Roadkill. Es ist eine Art moderne Beatliteratur, es geht um Sex, Drogen, Traurigkeit und das Chaos des Lebens. Besonders die Beziehung der Protagonistin zu ihrer toten Mutter und die vorkommenden Verlustgefühle beschreibt sie mit starken Worten und wundervoll böse. Das ist schade: Ein lesenswertes Buch bekommt durch die Abschreiberei einen Makel, der vermeidbar gewesen wäre.