Fahrradfahren in München Die Rückkehr der Lastenräder

Zum Supermarkt und zurück: Familienvater Markus Gebhart ist vor eineinhalb Jahren auf das Lastenfahrrad umgestiegen-

Lange gehörten Lastenfahrräder zum Stadtbild, dann wurden sie von Autos verdrängt. Jetzt entdecken Familien die Räder neu und karren damit Kinder und Einkäufe durch die Stadt. Aber das Fahren damit will gelernt sein.

Von Marco Völklein

Ja, sagt Tanja Gebhart, der Begriff "Radlfamilie" treffe auf sie wohl schon zu. Im vergangenen Jahr erst sind die 43-Jährige, ihr Mann Markus, 46, und die vier Kinder, vier bis 15 Jahre alt, von München an die Ostsee geradelt. Und heuer sind auch schon zwei Fahrradurlaube geplant - nach Venedig und nach Dänemark. "Den beiden Jungs", erzählt Tanja Gebhart, werde mitunter schon zu viel Rad gefahren.

Dennoch setzen sich meist dann doch alle aufs Rad, egal, ob es am Wochenende raus in die Natur gehen soll oder am frühen Abend ins Kino. Auch im Winter absolvieren die Gebharts viele Wege per Velo. "Wir haben alle Spikes an den Reifen."

Selbst die Einkäufe, bei einer sechsköpfigen Familie nicht ganz ohne, erledigt Vater Markus mittlerweile mit dem Rad. Dazu hat er sich vor eineinhalb Jahren ein Lastenfahrrad gekauft, ein fast zweieinhalb Meter langes Gefährt vom dänischen Hersteller "Bullitt". Gut 2000 Euro kostet der Transporter, mit Elektro-Antrieb kann man locker auch mal 4000 Euro und mehr hinblättern. Für Markus Gebhart allerdings hat sich die Anschaffung gelohnt. Zumindest der Zweitwagen, den die Familie bis Herbst 2012 noch besaß, wurde abgeschafft. Und der VW Bus kommt eigentlich auch kaum mehr aus der Garage. "Zum Einkaufen fahren wir so gut wie nie mehr mit dem Auto", sagt Gebhart. Aber dafür umso öfter mit dem Bullitt-Flitzer, der bis zu 100 Kilogramm Last tragen kann.

In Kopenhagen und Amsterdam sind die Räder Alltag

Lastenfahrräder gehörten noch bis in die Sechzigerjahre zum Münchner Stadtbild. Bäcker lieferten damit ihre Semmeln aus, Handwerker transportierten ihre Materialien von Baustelle zu Baustelle, Einzelhändler brachten größere Lieferungen zu den Kunden nach Hause. Mit dem Siegeszug des Autos verschwanden die Transporträder. Doch seit einigen Jahren kehren sie zurück. Weniger, weil Geschäftsleute und Gewerbetreibende sie wiederentdeckt hätten. Sondern vielmehr, weil Familien wie die Gebharts darauf setzen.

Eleganz im Untergrund

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"Was in Kopenhagen und Amsterdam längst Alltag ist, wird auch in deutschen Städten zum Trend", urteilt der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD). Transporträder seien "umweltfreundlich, praktisch und als Alternative zum Auto preiswert". Und mit einem Elektromotor "garantieren sie sogar auf längeren und bergigen Strecken Fahrspaß". Gut möglich, heißt es bei den Münchner Aktivisten des Radfahrerverbands ADFC, dass "2014 das Jahr der Lastenfahrräder wird".

Wohl noch nie war die Vielfalt der Modelle so groß wie heute. Neben den schnittigen Bullitts sind es vor allem Modelle vom Typ "dreirädriger Frontlader", die bei Familien gut ankommen und die Hersteller wie Christiania, Bakfiets oder Johnny Loco in zahlreichen Varianten und Ausstattungen anbieten - mal mit Spritzschutz über dem Gepäckabteil, mal mit Sitzgelegenheit darin. Die Gepäckabteile bieten so nicht nur viel Platz für den Großeinkauf, sondern auch für den Transport des Nachwuchses zu Krippe oder Kindergarten. Etwas weniger häufig anzutreffen sind dreirädrige Hecklader, bei denen das Gepäckabteil hinter dem Sattel montiert ist. Wichtig ist aber bei all diesen Gefährten: Radhelm nicht vergessen.