Fachkräftemangel Städtisches Klinikum zahlt 8000 Euro für neue Pflegekräfte

Intensivstation Bogenhausen: Der Personalmangel trifft nicht nur das städtische Klinikum, sondern auch andere Münchner Krankenhäuser.

(Foto: Klaus Krischock/StKM)
  • Das Problem des Fachkräftemangels an Krankenhäusern wird in München zunehmend dramatischer.
  • Um Lösungen zu finden, lassen sich die Kliniken einiges einfallen. Manche zahlen etwa Prämien für die Anwerbung neuer Mitarbeiter.
  • Das städtische Klinikum hat diese Prämie nun von bisher 1000 Euro auf bis zu 8000 Euro erhöht.
Von Inga Rahmsdorf

Wohnungen, Geldprämien, Aufstiegschancen, eigener Kindergarten, Sprachkurse - die Listen der Angebote sind lang, mit denen Kliniken in München versuchen, Pflegepersonal anzuwerben. Der Fachkräftemangel ist kein neues Problem, die Situation wird aber zunehmend dramatischer. Einige Münchner Kliniken müssen aufgrund des Personalmangels die Zahl der zu belegenden Betten reduzieren und regelmäßig Abteilungen für die Notaufnahme bei der Rettungsleitstelle Ivena abmelden.

Alle Kliniken haben umfangreiche Programme entwickelt, mit denen sie versuchen, im In- und Ausland neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Da es aber überall freie Stellen gibt, ist der Konkurrenzkampf um das Personal hart. Das führe mitunter zu grotesken Situationen, sagt Axel Fischer, Chef des städtischen Klinikums. Es sei schon vorgekommen, dass Headhunter im städtischen Klinikum unterwegs waren, um Personal für andere Krankenhäuser abzuwerben.

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Im städtischen Klinikum gibt es eigenen Angaben zufolge derzeit 80 freie Stellen für Pflegekräfte. Da besonders Fachpersonal im OP-Bereich, auf der Intensivstation und in der Anästhesie-Pflege gesucht werden, zudem in der jetzigen Jahreszeit der Krankenstand sehr hoch sei, müssten immer wieder Abteilungen für die stationäre Versorgung vorübergehend bei der Leitstelle abgemeldet werden, so Fischer.

Bei anderen Kliniken sieht es ähnlich aus. "Das ist kein neuer Zustand, aber er ist dramatischer als früher und er ist auch in der Notaufnahme besonders spürbar", so ein Sprecher des LMU-Klinikums. Dort sind 200 von 3200 Stellen in der Pflege unbesetzt. Da insgesamt der Druck in den Münchner Kliniken wächst, können die Krankenhäuser sich bei Engpässen nicht mehr so gut untereinander aushelfen.

Anders als früher könne man beispielsweise Kinder in der Nothilfe nicht immer innerhalb der Stadt verlegen, sondern müsse auch über München hinaus auf Kliniken wie in Starnberg, Augsburg, Landshut und Garmisch zurückgreifen, so der Sprecher. Wichtig sei aber auch, dass die Patienten, die aufgenommen werden, nicht unter dem Pflegemangel leiden würden, heißt es beim LMU-Klinikum. Man habe die Bettenzahl reduzieren müssen, um die Qualität der Patientenversorgung und den Pflegeschlüssel aufrechterhalten zu können.

Auch beim Rotkreuzklinikum muss derzeit die Zahl der Betten reduziert werden. Stationen müssten aber nicht geschlossen oder zusammengelegt werden, so Krankenhausdirektorin Tanja Groh. Zehn Prozent der 350 Stellen im Pflegebereich sind derzeit nicht besetzt. Das Rotkreuzklinikum arbeitet auch mit Zeitarbeitskräften. "Wir haben das Glück, dass wir hoch motivierte Pflegekräfte haben, die auch mal an einem freien Tag einspringen", so Groh. Eine Dauerlösung sei das alles aber natürlich nicht.

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Um Lösungen zu finden, lassen sich die Kliniken einiges einfallen. Manche zahlen Prämien für die Anwerbung neuer Mitarbeiter. Das städtische Klinikum hat diese Prämie nun von bisher 1000 Euro auf bis zu 8000 Euro erhöht, 4000 für die neue Pflegekraft und 4000 für den Mitarbeiter, der einen Kollegen anwirbt. "Es war uns wichtig, dass unsere eigenen Mitarbeiter davon profitieren, wenn sie jemanden anwerben", begründet Klinikchef Fischer die Entscheidung.

8000 Euro, das klinge zunächst einmal nach einer hohen Summe. Doch derzeit sei das Klinikum gezwungen, auch Leiharbeitskräfte zu beschäftigen. Und die würden eineinhalb bis zwei Mal so viel kosten wie festangestellte Mitarbeiter, müssten zudem eingearbeitet werden und würden durch häufige Wechsel Unruhe in das Team bringen, so Fischer.