Spitzenforschung in Garching Universum im Pappkarton
Anzeige
Was hält denn nun die Welt im Innersten zusammen? Hunderte Wissenschaftler versuchen am Forschungszentrum Garching, den Geheimnissen des Universums auf die Spur zu kommen. Manchmal mit ganz unkonventionellen Lösungen.
Das Gebäude ist klein und flach, die Fassade schlicht. Wegen der Hitze sind die Jalousien vor vielen Fenstern heruntergelassen. Hin und wieder tritt jemand vor die Tür, um eine Zigarette zu rauchen. Doch in dem unscheinbaren Gebäude auf dem Campus des Forschungszentrums Garching bei München versuchen Wissenschaftler nichts geringeres, als dem Universum auf den Grund zu gehen.
Im Labor wird die empfindliche Apparatur in einem Antimaterie-Experiment mit einem Pappkarton geschützt.
(Foto: Niklas Nau)Mit was sich die Forscher hier beschäftigen, klingt nach Science-Fiction. Dunkle Materie, Antimaterie, dunkle Energie. Fast erwartet man, im Labor im Keller irgendwo über einen ausrangierten DeLorean, das Auto aus dem Zeitreise-Film Zurück in die Zukunft, zu stolpern, dessen Zeitmaschine gerade von dem genial-verrückten Wissenschaftler DocBrown generalüberholt wird. In Wirklichkeit stößt man zuerst auf einen Tischfußball, es riecht nach den Käsehäppchen, die zum nächsten Seminar gereicht werden.
Überall im Labor stehen seltsam anmutende Gerätschaften herum. Zig Kabel baumeln an kleinen grauen Kästen, bunte Graphen und Zahlenkolonnen wandern über Computerbildschirme. Um empfindliche Apparate zu schützen, helfen sich die Tüftler manchmal auch unkonventionell - mit einem Pappkarton. Hier werkeln allerdings keine weißhaarigen Käuze in seltsamen Kitteln, sondern junge Doktoranden im T-Shirt.
Der Exzellenzcluster "Origin and Structure of the Universe", an dem Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität (TU), mehrere Max-Planck-Institute und andere Forschungseinrichtungen beteiligt sind, hat gerade die zweite Förderrunde der Exzellenzinitiative erfolgreich durchlaufen. Jetzt fließt noch fünf weitere Jahre Geld an die rund 250 Physiker, die zusammen versuchen herauszufinden, was es denn ist, das die Welt - und das Universum - im Innersten zusammenhält.
Anzeige
Bei dieser Frage muss Stephan Paul, Professor für Teilchenphysik und Leiter des Clusters, noch passen. Aber begeistert erzählt er, wie sich aus den vielen Forschungsprojekten des Clusters ein immer genaueres Bild des Universums zusammensetzt. Seit seiner Gründung 2006 ist Paul der Leiter des Clusters.
Der Professor grinst, wenn er berichtet, wie neue Ideen und Kooperationen zwischen den Teildisziplinen entstehen. Beim Kaffetrinken fragen die Forscher aus der theoretischen Physik ihre Kollegen aus dem experimentellen Bereich schon mal verwundert: "Ach, das könnt ihr messen?" Obwohl die Wissenschaftler auch früher schon zusammengearbeitet hätten, würden ihnen gerade beim gemeinsamen, ungezwungenen Gedankenaustausch in der Mittagspause oft Ideen für Projekte kommen.