Ex-Bayern-Präsident vor Haftantritt Hatz auf Hoeneß

Auf ihn warten Paparazzi und Journalisten vor der JVA Landsberg: Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

(Foto: dpa)

Seit Wochen liegen Paparazzi auf der Lauer, um Bilder von Uli Hoeneß' Haftantritt zu bekommen. Eine vergleichbare Hatz hat es in Bayern lange nicht gegeben. Selbst die Justiz macht mit.

Von Christian Rost

Die Meldung in der Bild-Zeitung vom Freitag, dass es "jetzt schnell gehen" könnte mit dem Haftantritt, war nicht bloß eine Wasserstandsmeldung in der Causa Uli Hoeneß. Es schwang auch Hoffnung in den Zeilen mit: Die vor der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech stationierten Reporter des Boulevardblatts warten inständig auf die Ankunft des Steuerhinterziehers. Auch Teams der Fernsehsender Sat1 und RTL haben Posten bezogen vor dem Gefängnis.

Einige harren seit Ostern in Landsberg aus oder haben sich vor Hoeneß' Anwesen am Tegernsee eingegraben, um ihn beim Abschied daheim respektive bei der Ankunft am Gefängnistor vor die Kamera zu bekommen. Je näher der Tag X rückt, desto nervöser werden die Paparazzi: Inzwischen halten sie in Schichten rund um die Uhr Wache, damit ihnen der einstige Bayern-Boss nicht entgeht.

Von dem 62-Jährigen selbst war zuletzt nicht viel zu sehen. Kurz regte sich die Meute, als vorige Woche drei schwarze Limousinen vor dem belagerten Haus in Bad Wiessee losfuhren. Sie kehrten nach einer Stunde zurück, falscher Alarm. Nun aber könnte sich tatsächlich etwas ergeben für die Verfolger, wenn stimmt, was aus Hoeneß' Umfeld verlautet: An diesem Montag werde es interessant für die Reporter.

Tabu spielen im Knast

Darf man das? 150 Journalisten werden durch die Anstalt geführt, in die bald ein sehr berühmter Häftling einrücken wird. Reporter dürfen in die Zellen schauen, filmen und fotografieren. Fragen zu Einzelpersonen werden nicht beantwortet, deshalb entwickelt sich ein Spiel, bei dem alle über Uli Hoeneß reden, aber niemand den Namen sagen darf. Von Stefan Mayr mehr ...

Eine vergleichbare Hatz auf einen prominenten Straftäter hat es in Bayern lange nicht mehr gegeben. Selbst die Justiz machte mit. Als das Münchner Landgericht den früheren Fußballmanager wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt hatte, lud die JVA Landsberg Journalisten zum Tag der offenen Tür, um Hoeneß' künftigen Knastalltag für jedermann sichtbar zu machen. Justizminister Winfried Bausback musste sich dafür vom Ministerpräsidenten rüffeln lassen.

Jagd nach der irrwitzigsten Geschichte

Falls mit der Gefängnis-Show Druck aus der Sache genommen werden sollte, ist das gründlich schief gegangen. Sie hat die Medien erst richtig angestachelt, nach dem besten Foto, der irrwitzigsten Geschichte zu jagen. Ob Hoeneß wohl per Hubschrauber nach Landsberg komme, spekulierte eine Lokalzeitung, und ein anderes Blatt fragte scheinbar bekümmert: "Muss er im Gefängnis im Gemüseanbau arbeiten?"

Am Tegernsee, im Tal der Millionäre, lassen sich die Leute nicht aus der Ruhe bringen. Peter Höß, Bürgermeister von Bad Wiessee, hat wegen der in Gebüschen lauernden Reporter jedenfalls noch keine Beschwerden gehört. An seinem Tonfall merkt man aber, dass er eine Aktion ziemlich bescheuert fand: Im April stiegen Performancekünstler über den Zaun auf das Grundstück der Familie Hoeneß und beschmierten sich mit Kunstblut. Vor dem Gefängnis in Landsberg soll so etwas nicht passieren.

Der Haupteingang der JVA Landsberg am Lech.

(Foto: dpa)

Vor dem wuchtigen Eingangsportal gilt ein striktes Aufenthaltsverbot für Unbefugte, und selbst auf die Parkbänke in der Nähe darf man sich nicht mehr setzen. Die Polizei ist nervös. "Lageangepasst" werde man reagieren, so die schmale Auskunft des Präsidiums Oberbayern auf die Frage, was die Polizei bei einem Reporter-Gerangel um den einrückenden Uli Hoeneß unternehme.

Bis dahin heißt es in Landsberg: abwarten. Neulich, erzählt eine der wachhabenden Reporterinnen, sei ihr um 3 Uhr in der Nacht mulmig geworden. Neben dem dunklen Gefängnisbau liegt ein kleiner Friedhof. Als sie bemerkte, dass die Pforte offenstand, sei sie über die Straße gegangen und habe das Tor geschlossen. Damit die Toten bleiben, wo sie sind. Man wisse ja nie, sagt die Journalistin. Noch mehr fürchtet sie sich nur vor einem: dass jemand unbemerkt ins Gefängnis gelangen könnte.