Evangelische Akademie "Prostitution ist immer Gewalt"

Prostituierte müssen sich künftig bei der Stadt anmelden, bevor sie ihrem Gewerbe nachgehen.

(Foto: Florian Peljak)

Verletzt, vergewaltigt und danach bewertet wie im Online-Shop: Warum sich Aktivisten für ein Verbot der Prostitution einsetzen.

Von Pia Ratzesberger

Am Ende steht Huschke Mau vor der Türe und raucht. Samstagabend, die Stadt ist voll. Und während die anderen Menschen gerade einkaufen, erzählt Mau von den Freiern. "Ich habe ja erlebt, wie frauenverachtend die sind." In München habe sie erst vor ein paar Tagen eine Lesung gehalten, sie habe aus Internetforen vorgelesen, in denen Freier sich über Frauen auslassen. Bewertungen abgeben wie im Online-Shop. Sie prahlen dann, wie sie sie verletzt haben, vergewaltigt. Sie sind stolz auf die Erniedrigung. Huschke Mau kennt das. Deshalb ist sie hergekommen.

Der Verein Kofra - was für "Kommunikationszentrum für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation" steht - hat an diesem Tag in die Innenstadt eingeladen, den ganzen Samstag geht es in der Evangelischen Akademie um den Kampf gegen die Prostitution. Aktivisten und Sozialarbeiter sind da, Ehrenamtliche und Politiker, vor allem Frauen, auch Männer. Die Luft ist kalt, Mau friert, sie will trotzdem noch reden. Sei ja wichtig. "Es kann nämlich keine Gleichberechtigung geben, solange das eine Geschlecht das andere kaufen kann."

Neues Prostitutionsgesetz ist weiterhin stark umstritten

Erst im Juli dieses Jahres trat das neue Prostitutionsschutzgesetz in Kraft und ob das nun gut oder schlecht ist, ist stark umstritten. Das Gesetz sieht zum Beispiel vor, dass jedes Bordell und auch jede Prostituierte sich anmelden muss, und ihre Ausweise müssen die Frauen bei der Arbeit dabei haben. Die einen verurteilen diese Pflicht, mit dem Argument, sie stigmatisiere. Den anderen geht das Gesetz noch nicht weit genug, auch Huschke Mau und den Teilnehmern der Tagung heute.

Huschke Mau heißt eigentlich anders, sie hat selbst im Bordell und bei einem Escort-Service gearbeitet, zehn Jahre lang. Es sei nicht so, dass sich ihre Meinung geändert habe, dass sie als Prostituierte für gekauften Sex war und heute dagegen. "Ich hätte das vielleicht auch damals gesagt, aber es ist schwierig, sich selbst einzugestehen, wie schlimm die eigene Situation ist." Huschke Mau und die anderen Teilnehmer wollen Prostitution nicht regulieren. Sondern abschaffen.

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Es ging in den vergangenen Monaten viel darum, wie die Länder und die Kommunen das Gesetz umsetzen, manche Länder hatten gleich bekannt gegeben, dass sie das nicht zum Juli schaffen würden. Der Aufwand sei zu groß. Auch in München brauchte man erst neues Personal und neue Räume, mit bis zu 4000 angemeldeten Prostituierten rechnet man beim Kreisverwaltungsreferat in einem Jahr, mit Kosten von um die 1,7 Millionen Euro. In der Evangelischen Akademie aber geht es diesmal nicht um Zahlen, es geht nicht um Details, sondern um eine sehr viel grundlegendere Frage: Welches Bild haben wir eigentlich von Prostitution? Huschke Mau sagt: ein falsches.

Am Nachmittag tritt in der Akademie eine Frau nach vorne und hält ein Plädoyer für ein neues Verständnis von Prostitution, in Deutschland werde die noch immer mit Sexualität verbunden, das sei falsch. Man solle sich doch ein Beispiel an Schweden nehmen, dort ist Prostitution seit Jahren illegal, Freier werden strafrechtlich verfolgt. Sexualität könne doch nicht bedeuten, dass sich einer die Macht über den anderen kaufe. Huschke Mau sagt: "Prostitution ist immer Gewalt." Sie kenne das, von früher.

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