Es waren Radieschen. Radieschen für Maria Callas

Seit fünf Jahren lädt die amerikanische Sopranistin Julia Chalfin monatlich zum Opernstammtisch und stellt den Gästen im Schlachthof-Wirtshaus knifflige Fragen zum Metier. Zeit, den Spieß umzudrehen

Interview Von Jutta Czeguhn, Es waren Radieschen.

Bei einem Interview träumte Julia Chalfin davon, einmal einen der großen Sängerkollegen von der Staatsoper auf die kleine Bühne ihres Opernstammtisches zu locken, der jeden ersten Dienstag im Monat im Wirtshaus im Schlachthof stattfindet. Ganz ist das der Sopranistin noch nicht gelungen, immerhin aber saßen Weltstars wie die amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato und der Tenor Lawrence Brownlee schon mal im Publikum. Seit fünf Jahren, erst bei Heppel & Ettlich, nun im Schlachthof, präsentiert Chalfin ihr Oper-mal-anders-Programm. Fünf Jahre Stammtisch, das bedeutet 101 Gastkünstler, die zusammen mit ihr 37 unterschiedliche Themen spielerisch erforschten, wie Bösewichte oder Liebespaare in der Oper, Barock oder Belcanto oder den Job eines Librettisten. Den Jubiläumsstammtisch am Dienstag, 5. September, (Beginn 20 Uhr, Einlass 18.30 Uhr, Tickets unter Telefon 72 01 82 64) widmet die Amerikanerin dem Komponisten Rossini. Wie stets gibt es Musik, Talk, die Opernstammtisch-Hymne und Chalfins Opern-Quiz. Zeit, den Spieß umzudrehen und das Diven-Wissen zu testen.

SZ: Eine Frage zum Aufwärmen. "Wer eine meiner Ouvertüren kennt, kennt sie alle." Wer soll das gesagt haben? Zwei Hinweise kann ich geben, natürlich war es ein Komponist, ein Italiener.

Julia Chalfin: Hmmm, ich tippe auf Gioachino Rossini.

Richtig! Der Mann hatte eine gewisse Selbstironie.

Und er hat auch sehr viel geschrieben.

Kommen wir zu den echten Diven, zu la Divina Maria: Wen durfte die Callas zu ihren Proben an der Met stets mitbringen?

Hatte sie nicht einen Schoßhund?

Wieder bingo! Es war ihr über alles geliebter Zwergpudel Toy. Gleich noch eine Callas-Frage: Die Feindschaft zwischen den beiden Primadonnen Maria Callas und Renata Tebaldi war legendär. Was warf die Claque der Tebaldi vom sogenannten Olymp der Scala, ganz oben von der Galerie, auf die Bühne, als die Callas sich unten zum Schlussapplaus verbeugte?

Oh, das ist schwer. Wenn jemand schlecht singt, wirft man für gewöhnlich faule Tomaten. Ich gehe also mit der Tradition und sage faule Tomaten.

Warum Radieschen? Schmerzhaft, wenn man einen ganzen Bund abkriegt.

Keine Ahnung, es sollen auch Sellerie-Stangen geflogen sein. Harte Zeiten für Diven. Aber kommen wir zu einem Divo, zu Luciano Pavarotti. Hier lautet die Frage: Wie lange dauerte der Applaus für Big P, nachdem er am 24. Februar 1988 in Berlin den Nemorino in Donizettis "L'elisir d'amore" gesungen hatte?

Ich würde sagen 17 oder 22 Minuten.

Come on, es gab einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde, da war mehr drin für Signore Pavarotti. Also?

Ok, 53 Minuten.

Beinahe. Es waren 67 Minuten durchgehender Applaus.

Wow!

Vom Liebestrank geht es nun direkt zum Thema Getränke oder Trinken in der Oper, für eine erfahrene Stammtisch-Diva sollte das nicht schwer sein. Nennen Sie drei Opern, in denen ein Getränk oder ein Trinklied eine Rolle spielt.

Die Legende von Klein-Zack aus "Hoffmanns Erzählungen", ist das nicht ein Trinklied? Zumindest in München an der Staatsoper gibt es da eine Kneipe mit vielen Männern. Und dann fällt mir "Roméo et Juliette" von Gounod ein, allerdings ist der Trank nicht wirklich Alkohol.

Das kann man gelten lassen, wie wär's mit noch so einem verhängnisvollen Trank - aus einer sehr langen Oper?

Sehr lang? Also bestimmt Wagner. Hmmm, "Tristan und Isolde"?

Richtig, ein Schluck vom Liebestrank, und alles geht den Bach runter. Von hier lässt es sich gut springen zur Oper im Film, zu einem Paar, das sich in der Oper gefunden hat, sogar mit Happy ending: Cher und Nicholas Cage im Film "Mondsüchtig". Welche Oper sehen sich die beiden in der Met an?

Oh, ich glaube, das war sogar eine der Fragen, die wir beim Stammtisch zum Thema Oper im Film hatten. Problem nur, ich selbst hab' den Film nie gesehen.

Ok, dann Multiple Choice: "Traviata", "Tosca" oder "La Bohème"?

Schwierig, schwierig. Ich bin so schlecht bei alten Filmen, bin ohne Fernsehen aufgewachsen. Ich sage - La Traviata?

Knapp daneben, die Bohème war's. Zum Schluss noch eine ganz harmlose Frage, die zeigt, dass es in der Oper hinter den Kulissen recht heiter zugehen kann: Placido Domingo soll einmal mit seinem Kollegen Pavarotti gewettet haben, er werde Pavarottis Vornamen, also Luciano, in eine Opern-Arie hineinschmuggeln. Welche war das wohl?

Puh, gemeine Frage! Bekomme ich drei zur Auswahl?

Geht nicht, sonst würde ich alles verraten.

Hmmmmm ...

"E lucevan le stelle", die Arie des Cavaradossi in der Tosca. Domingo soll "Eh luciano le stelle" gesungen haben. Hübsche Geschichte, ob sie nun wahr ist oder nicht. So hat er die Wette gewonnen. Und Sie haben bei unserem Quiz auch nicht schlecht abgeschnitten.

Ich habe gut angefangen, na ja, und dann etwa nachgelassen.

Bei Ihrem Opernstammtisch würde es für jede richtige Antwort einen Schnaps geben? Wir trinken besser Wasser, Prost!

Prost!