Erste Kita der Bundeswehr Kindergeschrei in der Kaserne

Die Kinder proben schon - beim Spatenstich für die Kita in Neubiberg.

(Foto: Claus Schunk)

In der Neubiberger Bundeswehr-Uni eröffnet die erste Kinderkrippe der Truppe - acht Jahre, nachdem der erste Antrag dafür gestellt wurde. Dort ist künftig Platz für 36 Kinder, doch schon jetzt ist klar: Der Bedarf ist mehr als doppelt so hoch.

Von Stefan Mühleisen, Neubiberg

Besuche von Verteidigungsministern sind für die Chefetage auf dem Bundeswehr-Campus in Neubiberg eigentlich nichts Besonderes. Doch an diesem Montag wird Ursula von der Leyen (CDU) nicht zum Beförderungsappell oder einer Sitzung einfliegen, sondern die erste Kinderkrippe der Bundeswehr eröffnen. "Es wird höchste Zeit", sagt die Uni-Präsidentin Merith Niehuss, "der Bedarf ist immens".

Bereits 2006 hatte Niehuss einen Antrag für ein Kita-Projekt gestellt, doch der verfing sich im Dickicht der Bürokratie. Ein zähes Verfahren kam in Gang; der Verteidigungsetat sah kein Geld für Kinderbetreuung vor, zudem wollte die Bundeswehr erst einmal den republikweiten Bedarf ermittelt haben. Den kennen die Militärs acht Jahre und eine Bundeswehrreform später zwar immer noch nicht so genau. Doch zumindest gibt es jetzt im Verteidigungsetat eine Kostenstelle für Kinderbetreuung: 22,7 Millionen Euro sind nach Angaben einer Ministeriumssprecherin heuer dafür vorgesehen, die Armee familienfreundlicher zu machen.

Trend zur Kasernen-Kita?

Eltern- und Dienstpflichten lassen sich für junge Soldaten vor allem in Ausbildungsstätten wie der Neubiberger Universität schwer unter einen Hut bringen. Laut Uni gibt es in Neubiberg etwa 250 Kinder mit Studenten-Eltern, bei 3000 Studenten insgesamt. Doch Papa und Mama müssen tagsüber in den Hörsaal, wie soll das gehen? Es ging gerade so - mit einer Interimslösung: einer Tagespflege mit 15 Plätzen, die ein Elternverein in Eigenregie betrieb. In der neuen Kita gibt es nun 36 Plätze; nach einer neuesten Erhebung weiß die Unileitung jedoch: Der Bedarf ist mehr als doppelt so hoch.

Geht der Trend also zur Kasernen-Kita? Nicht unbedingt. Am Erdinger Fliegerhorst stellt der stellvertretende Standortkommandeur Oberst Stefan Schmid-Schickhardt kaum Nachfrage fest. "Viele unserer Soldaten sind im gesellschaftlichen Leben eingebunden. Sie geben ihre Kinder in kommunale Einrichtungen." So läuft das in vielen bayerischen Kasernen, wie Oberstleutnant Carsten Spiering, Pressesprecher des Landeskommandos, bestätigt.

Erst der Umbau, dann der Aufbau

Für etliche Eltern in Uniform steht bald die Versetzung an; viele der 56 Bundeswehr-Standorte in Bayern werden verkleinert - oder ganz dichtgemacht, wie es etwa dem Erdinger Fliegerhorst 2018 blüht. Allein im Freistaat soll die Truppe von 50 700 auf 31 000 Soldaten schrumpfen. Das dürfte der Hauptgrund sein, weshalb auch Betriebskindergärten bei der Bundeswehr noch rar sind. Der Umbau der Truppe hat Priorität, bevor der Ausbau der Einrichtungen voranschreiten soll, heißt es aus bayerischen Bundeswehrkreisen. Das Verteidigungsministerium will das nicht bestätigen. Eine Sprecherin räumt aber ein, dass der genaue Kitaplatz-Bedarf noch ermittelt werden müsse. Der Ausbau der Kinderbetreuung erfolgt derweil vor allem mit dem Erwerb von Belegungsrechten. Im Münchner Norden läuft dazu ein Pilotprojekt.

Zudem gibt es bereits republikweit 140 Eltern-Kind-Arbeitszimmer in den Kasernen. Wo, erfahren Soldaten auf dem "Kinderbetreuungsportal" der Bundeswehr. Also doch eine Kaserne voller Kindergeschrei? Für Oberst Ralf Klewin-von Fintel, Stellvertretender Kommandeur des Landeskommandos Bayern in der Fürst-Wrede-Kaserne in München, gehört das schon zum Alltag. Er habe kürzlich drei Kinder und zwei Hunde auf dem Gang gehabt, berichtete er jüngst in einem Interview. "Wo ist das Problem? Es gab keines!"