Von Fabian Heckenberger

Stärke 1,68 und 2,16 auf der Richterskala: Die Universitäts-Erdbebenwarte registriert Stöße in Sauerlach.

eine schlagenden Schranktüren, keine flackernden Deckenlampen und keine Anrufe verängstigter Bürger bei der Polizei. Am 2. Februar haben zwei Erdbeben die Gegend nordwestlich von Sauerlach leicht erschüttert. Gespürt hat es aber wohl niemand. "Was für ein Erdbeben?", hieß es im Rathaus von Sauerlach. "Wir wissen überhaupt nichts davon", lautet die Auskunft bei der Polizei Unterhaching. Stell dir vor, es ist Erdbeben - und kein Mensch bekommt es mit.

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Sensibler waren die Maschinen. 1,68 und 2,16, das sind die Magnitudenwerte auf der Richterskala, welche die Messgeräte des Erdbebendienstes Bayern am Montag vor einer Woche um 21.55 Uhr und um 22.30 Uhr rund 1,5 Kilometer nordwestlich von Sauerlach aufgezeichnet haben. "Dass die Beben stattgefunden haben, steht außer Frage. Es hat eben nur niemand gemerkt", sagt Erwin Geiss vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, und sein Kollege Joachim Wassermann vom Geophysikalischen Observatorium der Ludwig-Maximilians Universität ergänzt: "Erdbeben von dieser Größenordnung fühlen sich in etwa so an wie ein schwerer Lkw, der vorbeifährt. Tagsüber werden solche Erschütterungen kaum wahrgenommen, aber wenn man abends ruhig im Bett liegt, könnte man es spüren."

Was genau die Ursache für die leichte Bodenerschütterung in dieser Region war, ist noch ungeklärt. In der Gegend der sogenannten bayerischen Molasse sind solche Phänomene eigentlich eher selten. Das letzte Erdbeben dieser Größenordnung in der Region wurde laut Joachim Wassermann im Feberuar 2008 gemessen.

Zwei Gründe für die Erschütterung kommen in Frage: Entweder könnte es unterirdische Verschiebungen natürlichen Ursprungs gegeben haben. Der Druck der Alpen wirkt auch auf die bayerische Molasse, dadurch gibt es Bewegungen im Erdreich, die solch ein Beben hervorrufen. Die zweite Erklärung sind mögliche Erschütterungen durch eines der Geothermieprojekte in der Gegend.

Die Geoforscher konnten die genaue Ursache noch nicht feststellen, da die Messstation in Fürstenfeldbruck, die das Beben aufgezeichnet hat, zu weit vom Epizentrum entfernt ist. "Wenn das Erdbeben in einer Tiefe von drei bis fünf Kilometer stattfand, dann könnte es durch die Geothermie verursacht worden sein", sagt Geiss: "Wenn es in zehn Kilometer Tiefe stattfand, war es ein natürliches Beben." Zwar befinden sich auch in der Nähe von Sauerlach im Deisenhofener Forst zwei Messgeräte, die Daten müssen aber erst noch ausgewertet werden. Erst dann sei eine endgültige Aussage möglich.

Besonders bei Aussagen zur Geothermie als Ursache sind die Experten vorsichtig. Von Untergangsbefürchtungen, wie sie Taufkirchens früherer Bürgermeister Walter Riedle gerne geäußert hatte, sind die Aussagen jedenfalls weit entfernt. "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Geothermie damit etwas zu tun hat", sagt Ingo Romanus Tönnesmann vom Bergamt Südbayern. "Gefahr für die Bürger besteht da wohl nicht - weder durch ein Erdbeben, noch durch die Geothermie", sagt Joachim Wassermann.

Außerdem: Gemerkt hat es ja sowieso niemand.

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(SZ vom 10.02.2009/sonn)