Special Olympics 2012 Das olympische Feuer brennt

"Dieser ursprüngliche Geist von München '72 soll auch der Geist von München 2012 sein": Joachim Gauck hat in München die Special Olympics eröffnet. Der Bundespräsident nennt die Veranstaltung, die geistig Behinderten über den Sport helfen will, "einen Segen".

Von Sebastian Krass

Die Champions-League-Finals sind gerade vorbei, da ist München schon wieder Schauplatz einer sportlichen Großveranstaltung: Bundespräsident Joachim Gauck hat am Montagabend vor mehr als 10.000 Zuschauern in der großen Olympiahalle die Nationalen Spiele der Special Olympics in München eröffnet.

An den Wettbewerben werden bis Freitag 5000 geistig behinderte Athleten teilnehmen, hinzu kommen mehr als 9000 Helfer, Betreuer und weitere Aktive. Zentraler Veranstaltungsort ist der Olympiapark.

Während eines Festaktes am Nachmittag im Alten Rathaus nahm Gauck, der Schirmherr der Special Olympics ist, Bezug auf die Olympischen Spiele in München von 1972. Unvermeidlich erinnere man sich an das Attentat auf die israelischen Sportler. Aber es würden auch Erinnerungen wach, "wie sich zuvor der ganzen Welt in heiteren Spielen ein modernes, freies, sympathisches Deutschland zeigte", sagte Gauck.

"Dieser ursprüngliche Geist von München '72 soll auch der Geist von München 2012 sein." Er wünsche den Beteiligten, dass sie "Freude und Heiterkeit erleben, einen fairen Wettbewerb, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, eine große, erfüllte Pause vom Alltag, der oft so schwerfällt."

Am Festakt nahmen auch Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Christian Ude teil. Ude sagte, die Spiele sollten "ein Tür- und Augenöffner sein, sie sollen die Menschen sensibilisieren für die Herausforderungen behinderter Menschen". Seehofer betonte, es sei "ein besonderes Gefühl, dass nach 40 Jahren wieder ein olympisches Feuer in München leuchtet".

Günther Zahn, der schon 1972 das Olympische Feuer entzündet hatte, und Albin Kinle, Athlet dieser Special Olympics, starteten am Abend während der Eröffnungsfeier die Flamme der Spiele von 2012. Die Fackel war zuvor schon seit dem 16. April durch Deutschland getragen worden.

Wettbewerbe in 19 Sportarten

Gernot Mittler, Präsident des Vereins Special Olympics Deutschland, sprach beim Festakt über das Thema Inklusion. "Dies ist der eigentliche Auftrag und das große Anliegen von Special Olympics: Menschen mit einer geistigen Behinderung durch sportliche Betätigung und auch durch das gemeinsame Spiel mit nicht-behinderten Sportlerinnen und Sportlern Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu geben." Er verband diese Worte mit einer Forderung an den organisierten Sport. Man brauche "die Bereitschaft der Vereine, sich für kooperative Modelle zu öffnen".

Gauck sagte, der Sport habe eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft, in der noch vieles zu tun sei: "Ist wirklich schon bei allen angekommen, dass Menschen nicht so sehr behindert sind, als vielmehr immer noch behindert werden?" Barrierefreiheit im praktischen Sinne koste auch Geld. "Das werden wir nur aufbringen, wenn wir alle von diesem Ziel tief überzeugt sind." Aber, betonte er, die Special Olympics hätten zur Schärfung des öffentlichen Bewusstseins schon "ganz viel beigetragen, sie ist ein Segen".

Die Wettbewerbe in 19 Sportarten finden an neun Standorten statt, darunter die Regattastrecke in Oberschleißheim und das Dantestadion. Zudem gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm, im Olympiapark, aber auch in Kultureinrichtungen wie der Pinakothek der Moderne. Dort sind bis zum 3. Juni in der Ausstellung "Nimm Platz" 30 Stühle zu sehen, die von geistig Behinderten künstlerisch gestaltet wurden.

Auch Gauck tanzt mit

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