Ernährung Worauf es bei gutem Essen ankommt

Der Obst-und Gemüse-Händler Karl Huczala am Elisabethmarkt weiß: Die Kundschaft will nur beste Ware.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Bio, regional oder Hauptsache billig? Was gutes Essen ist, darüber wird oft gestritten.
  • Seit Wochen kritisieren Tierschützer den Öko-Betrieb Herrmannsdorfer - die Fangemeinde erschüttert das aber nicht.
  • Ein Münchner Metzgermeister hält nicht viel von Bio und der Katholische Frauenbund hat vor allem einen Tipp, wenn es ums Essen geht: Gelassenheit.
Von Rudolf Neumaier

So populär das Thema Ernährung ist, so vielfältig sind die Meinungen darüber: Die einen trauen keiner noch so ökologisch gepflegten Kuh mehr über den Weg, trinken lieber Reismilch und leben vegan. Die anderen essen, was auf den Ladentisch kommt. Die einen schwören auf Bio-Produkte, die anderen halten alle Zertifizierungen für Käse. Und dann gibt noch die Tierschützer, die sich nachts in Bauernhöfe einschleichen, Kameras verstecken, sich vor einem Schlachthof einbetonieren lassen und Grabkerzen für Mastschweine anzünden. Was ist eigentlich los?

Um das zu ergründen, lohnt sich ein Besuch in Schwabing, auf dem Elisabethmarkt. Zum Beispiel bei dem Obsthändler Karl Huczala, 36, der vor drei Jahren den Stand seiner Eltern übernommen hat. Er hat 80 Prozent Stammkunden. Und die sind anspruchsvoll. Ein Apfel mit Druckstellen, und sie sind weg.

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Auf dem Markt gibt es auch ein Geschäft des Öko-Fleischerzeugers Herrmannsdorfer, der seit drei Wochen gewaltigen Ärger hat. Aktivisten von der Soko Tierschutz hatten nachgewiesen, dass Schweine mit heiklen Medikamenten behandelt wurden. Der Sitz des Herrmannsdorfer-Betriebs im Landkreis Ebersberg ist so etwas wie das Lourdes der ökologischen Nahrungsmittelproduktion. Hier kann man viel über Ernährung lernen und auch einiges darüber, wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Der Betrieb hat eine gigantische Fangemeinde, die sich von den kritischen Berichten nicht beirren lässt. Sie warten weiterhin geduldig, um in einem der kleinen Herrmannsdorfer-Läden bedient zu werden.

Der Münchner Metzgermeister Magnus Bauch hält nicht viel von bio, das sagt er ganz offen. "Was bedeutet das schon? Nicht mal das Regenwasser ist heute bio", sagt er. Er glaubt an die Standesehre: "Ein Metzger tut nie was in seine Wurst, was er nicht selbst in der Pfanne zubereitet essen würde."

Und was sagt die Mitte der Gesellschaft? Da kann man zum Beispiel beim Katholischen Frauenbund in Bayern nachfragen, der die Organisation Verbraucherservice Bayern unter seinen Fittichen hat. Ob Ökotrophologin, Nebenerwerbsbäuerin oder Theologin - alle mahnen zur Gelassenheit. Ja, sie kaufen bevorzugt regionale Produkte. Und ja, sie schauen aufs Geld. "Aber wenn man kochen kann, dann kann man auch aus ganz Wenigem ein Festmahl zubereiten", sagt Christa Reiterer, die Chefin der Landfrauenvereinigung.

Zeit ist ein sehr wichtiger Faktor, wenn es um gutes Essen geht. Vielleicht sogar der wichtigste - und zwar bei der Erzeugung ebenso wie beim Verkauf und beim Verzehr. Deswegen ist ein Besuch auf dem Wochenmarkt mehr als mal eben ein kurzer Einkauf.

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