Ermittlungen wegen Körperverletzung Polizist verletzt Sprayer bei Verfolgungsjagd

Tatort Stromkasten: Wegen dieser Schmiererei wurde der 17-Jährige von einem Polizisten verfolgt.

Ein 17-jähriger Münchner sprüht den Schriftzug seines Lieblingsvereins auf einen Verteilerkasten. Ein Polizist verfolgt ihn mit seinem Privatauto. Der Sprayer wird verletzt und sagt, er habe um sein Leben gefürchtet.

Von Bernd Kastner

Es klang nach lobenswertem Engagement, und das nach Dienstschluss. Ein Polizist beobachtet nachts einen Sprayer beim Sprayen, er verfolgt den Flüchtenden mit seinem Privatwagen und stellt ihn. Dabei sei der Täter leicht verletzt worden, aber eine Behandlung durch herbeigerufene Sanitäter habe er abgelehnt. So weh kann es also nicht getan haben.

Was sich am Mittwoch vergangener Woche im Pressebericht des Polizeipräsidiums fand, beschäftigt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt gegen den Beamten wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt. Denn der Sprayer, 17 Jahre alt, hat eine Version jener Minuten zu Protokoll gegeben, die dramatisch klingt.

In der Nacht zum Dienstag, gegen ein Uhr, ist Lukas P. (Name geändert) in der Fürstenrieder Straße unterwegs und sprüht auf einen Verteiler-Kasten einen Tag, also einen Mini-Grafitto, in Blau. "GB 1860", ein Buchstabe vielleicht 30 Zentimeter hoch. GB steht für die Fangruppe Giasinga Buam, Lukas P. ist Löwenfan. Sein Tun beobachtet ein 27-jähriger Polizist von der Inspektion in Sendling, er ist in seinem privaten 3er BMW auf dem Heimweg. Wenig später flüchtet P. in die Andreas-Vöst-Straße, die zum Westpark führt. Eine Sackgasse.

Die Version des Polizisten geht in etwa so: Er habe sich als Polizist zu erkennen gegeben, daraufhin sei der Sprayer abgehauen. Der Beamte habe gerufen, der Mann solle stehen bleiben, und sei ihm dann mit dem Auto gefolgt. Kurz vor dem Ende der Straße, P. sei etwa 10 bis 15 Meter vor dem Auto gewesen, sei der Flüchtende plötzlich umgekehrt und auf den Wagen zugelaufen. Der Polizist habe abrupt gebremst, nach links gesteuert, dabei P. touchiert und sei dann gegen einen Pfosten gestoßen. Beim anschließenden Rückwärtsfahren habe er P. erneut touchiert.