In Deutschland hat sich ein krimineller Volkssport entwickelt: Die Tacho-Mafia frisiert die Kilometerstände von Gebrauchtwagen, um beim Verkauf mehr Geld verlangen zu können. Die Münchner Staatsanwaltschaft greift jetzt durch - und hat mehr als 200 Verdächtige ins Visier genommen.
Die Münchner Staatsanwaltschaft macht im Kampf gegen Tachomanipulationen an Kraftfahrzeugen ernst. Sie ermittelt derzeit gegen 89 Beschuldigte und 120 weitere Verdächtige, die die Kilometerstände von Gebrauchtwagen und Leasingfahrzeugen im großen Stil frisiert haben sollen, um sich zu bereichern.
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Gegen einen Verdächtigen aus Perlach hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben. Der Kfz-Händler Thomas S. wurde im März diesen Jahres bei der bislang europaweit größten Razzia gegen Tachofälscher festgenommen.
An dem Einsatz waren unter der Federführung der Münchner Ermittler 500 Beamte von Polizei, Zoll und Steuerfahndung beteiligt. Sie durchsuchten mehr als 150 Objekte in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Schweiz und nahmen zunächst 26 Personen fest. Schwerpunkt der Aktion war der Großraum München. Mittlerweile befinden sich mehr als 200 Personen im Visier der Justiz, die Polizei spricht von einer regelrechten "Tacho-Mafia".
Einer der Beschuldigten ist der 41-jährige Thomas S., der auch Kfz-Sachverständiger war. Ihm werden 56 Fälle des Missbrauchs von Wegstreckenzählern und zugleich 13 Fälle der Beihilfe zum Betrug zur Last gelegt, wie Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München I am Mittwoch sagte: "Die Abklärung weiterer 300 Verdachtsfälle wird zeigen, ob gegen den Angeschuldigten eine weitere Anklage erhoben wird."
Bisher wird S., der im Falle einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe rechnen muss, ein Schaden von rund 40.000 Euro zugeschrieben.
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@hirnhygiene:
Ihre Schlussfolgerung ist ebenso einfach wie falsch. Daten, die im Auto stecken können immer manipuliert werden, man kann dafür maximal den Aufwand etwas erhöhen.
Es gäbe allerdings eine ganz einfache, eher nichttechnische Lösung.
Was spricht dagegen, bei jeder HU den km-Stand mitsamt der Fahrzeugidentität und dem Datum in einer Datenbank zu speichern?
Diese Daten kann der ehrliche Verkäufer dem Interessenten dann zugänglich machen. M.W. wird oder wurde das in Belgien so gemacht.
Dass sich die Kfz-Hersteller im Bereich der sicheren Authentisierung von Fahrzeugschlüsseln sehr lange nicht mit Ruhm bekleckert haben ist unabhängig davon zutreffend. Das ist allerdings der Normalfall, wenn Kryptoanwendungen hinter verschlossenen Türen entworfen und implementiert werden.
@Rhinelander: Sicher ist die zitierte Aussage vor allem Abschreckung. Da es sich um Änderungen an einem undokumentierten Teil der Bordelektronik handelt würde ich das, mindestens bei sehr neuen Fahrzeugtypen nicht für ausgeschlossen halten dass minderbemittelte Ganoven versehentlich auch ein paar Datenbits ändern die nicht zum km-Zähler gehören.
... sind: Die Autokonzerne. Denn die habens bis heute nicht geschafft, den Tachostand in der Firmware manipulationssicher zu machen (was technisch sicher möglich wäre). Ich erinnere auch daran, daß das seit Jahren gehackte Keeloq-System für die Auto-Funkschlüssel immer noch verwendet wird und die Hersteller sich einen feuchten Kehricht drum scheren, dass der Schließmechanismus ihrer Autos wohl mit ein wenig krimineller Energie umgangen werden kann.
Klar - durch Rücksetzen des Kilometerspeichers. Ganz bestimmt.