Eine Studie des Münchner Büros für Existenzgründungen (BfE) und der Arbeitsagentur hat erstmals die Situation von Ich-AGlern beleuchtet - mit erstaunlichen Ergebnissen.
Die meisten Ich-AG-Gründer können nach Auffassung von Klaus Pester, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitsagentur, auf eine fundierte Berufs-und Lebenserfahrung zurückgreifen. Dies belege die Tatsache, dass der Großteil (40 Prozent) zwischen 30 und 39 Jahre alt ist. Die zweitgrößte Gruppe sind diejenigen zwischen 40 und 49 Jahren (27 Prozent).
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So sei zu erklären, dass sich 80 Prozent der Befragungsteilnehmer auf die Selbstständigkeit gut vorbereitet fühlen. Dennoch hätten sie eklatante Informationsdefizite bei den Themen Werbung, Kundengewinnung, Markt und Wettbewerb. "Gründer setzen sich grundsätzlich ungern mit diesen Fragen auseinander", weiß Bfe-Chef Hermann Steindl aus Erfahrung. Viele verstünden sich weniger als Unternehmer, denn als Freiberufler.
90 Prozent der Ich-AGler arbeiten in der Dienstleistungsbranche, als Steuer- oder Unternehmensberater, Schreibkraft oder Altenbetreuer. Frauen bevorzugen die sozialen und Gesundheits-Berufe, Büro- und Buchhaltungsservice. Männer finden sich überwiegend im Multimedia- und EDV-Sektor.
Zwei Drittel der Ich-AGler haben kein Unternehmenskonzept verfasst, das nicht nötig ist, von Experten aber empfohlen, wird. Dennoch sind zwei Drittel mit ihrem Geschäftsverlauf zufrieden. Knapp 80 Prozent möchten die Selbstständigkeit nicht aufgeben, wenn es läuft wie bislang. Knapp die Hälfte gibt an, nicht gegen eine Festanstellung tauschen zu wollen.
Bei der Ich-AG befürchteten viele Kritiker Mitnahmeeffekte. Die Studie zeigt aber: Knapp die Hälfte der Gründer startet innerhalb der ersten sechs Monate des Arbeitslosengeldbezugs. Zwei Drittel der Leistungsbezieher haben zuvor zwischen 500 und 1.600 Euro von der Arbeitsagentur erhalten. "Wenn ich alles ausnutzen wollte, würde ich den Bezug doch bis zum Ende ausreizen", meint Pester.
Länger als zwölf Monate arbeitslos ist nur ein Fünftel der Gründer. Laut Pester ist Existenzgründung aus Langzeitarbeitlosigkeit eher ungewöhnlich. Angesichts dessen sei auch kaum zu befürchten, dass künftige Arbeitslosengeld II-Empfänger den Zuschuss ausnutzen könnten, um mehr Geld zu bekommen.
(SZ vom 25.08.2004)
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