Erfolgreiches Integrationsprojekt Vom Flüchtling zum Facharbeiter

Sie haben ihre Ausbildung abgeschlossen: Emin Geles, Golgotai Fagiri und Omar Camera mit Unterstützern vom Verband In Via.

(Foto: Johannes Simon)

Unterstützt vom Verband In Via haben sechs Asylbewerber ihre Ausbildung abgeschlossen. Doch nicht alle dürfen arbeiten

Von Jasmin Siebert

Omar Camera darf sich seit Mai Bäckereifachverkäufer nennen. Der junge Asylbewerber aus Sierra Leone ist einer von sechs jungen Menschen, die in diesem Jahr mit Unterstützung des Programms "Weg in den Beruf" des katholischen Verbandes In Via ihren Abschluss geschafft haben. Doch arbeiten darf er nicht, obwohl er zwei Angebote hat. Er ist nur geduldet.

Weil es keine Selbstverständlichkeit ist, dass junge Menschen mit Fluchthintergrund eine Ausbildung abschließen, feierten sie sich und ihre Helfer am Samstagnachmittag mit einem Sommerfest im Garten des internationalen Studentenwohnheims Maria Stern. Welch wertvolle Unterstützung In Via leistet, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Laut Handwerkskammer für München und Oberbayern lag die Abbrecherquote bei geflüchteten Azubis im Jahr 2016 bei 66 Prozent. Bei den von In Via begleiteten Azubis lag sie nur bei elf Prozent: Von 65 begleiteten Azubis sind nur sieben abgesprungen.

Seit fünf Jahren unterstützt In Via mit dem Programm "Weg in den Beruf" (WIB) Menschen mit Fluchthintergrund während ihrer Berufsausbildung. Warum das so wichtig ist, erklärt Schwester Francesca Hannen: Viele Geflüchtete seien traumatisiert, und es mache ihnen schwer zu schaffen, nicht zu wissen, ob sie bleiben dürfen. Sie können die deutsche Sprache noch nicht so gut und kennen viele deutsche Regeln nicht, haben etwa Probleme, pünktlich zu sein. In Via nimmt Auszubildende ungeachtet ihres asylrechtlichen Status' in ihr Programm auf. Fünf Hauptamtliche und 34 Ehrenamtliche begleiten die jungen Menschen auf ihrem Weg, pauken mit ihnen zum Beispiel auch Mathe. Ihnen dankten die Auszubildenden mit Salaten, Quarkbällchen und süßem Kuchen.

Am Grill steht Emin Geles, der aus der Türkei geflüchtet ist und nach seiner Altenpflegehelferausbildung nun die Ausbildung zur Pflegefachkraft angefangen hat. Er hat inzwischen einen gesicherten Aufenthaltsstatus, viele der anderen jungen Flüchtlinge nicht. Dass sie sich dennoch nicht unterkriegen lassen, zeigt das bunte Bühnenprogramm. Mehrstimmig singen die jungen Leute "Wunder geschehen" von Nena und bedanken sich mit Gedichten und Geschenken bei ihren Betreuern. "Ihr habt eure Arme weit ausgebreitet. Ihr habt uns gezeigt, den richtigen Weg und die richtigen Worte zu finden", sagt Esther Kamera, die nach Jahren alleine auf der Flucht nun angehende zahnmedizinische Fachangestellte ist. Schwester Francesca hat mit ihren Schützlingen "Mottoziele" erarbeitet, die verknüpft mit einem positiven Bild die Geflüchteten begleiten und stärken sollen. "Wir haben sie mit den Bildern gedopt", sagt die Schwester und fragt mitten ins Bühnenprogramm hinein die Mottoziele ab, die auch alle prompt parat haben. Das Motte von Esther: "Stark wie ein Löwe schaue ich nach vorn."