Schlecht für die Realschulen G 9 führt zur Trendwende

Eine Tablet-Klasse am Korbinian-Aigner-Gymnasium - auch nicht schlecht fürs Image. Gymnasien gewinnen Akzeptanz, Realschulen verlieren sie.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Gymnasien im Landkreis registrieren erstmals seit Jahren wieder mehr Anmeldungen als die Realschulen. Eine erste greifbare Änderung ist die Abschaffung des Nachmittagsunterrichts am Gymnasium bis zur achten Klasse

Von Florian Tempel, Erding

Das Gymnasium hat die Realschule als gefragtester Typ weiterführender Schulen abgelöst. Die drei Gymnasien im Landkreis verzeichnen insgesamt 475 Anmeldungen fürs kommende Schuljahr. Das ist seit vielen Jahren wieder mehr als an den Realschulen. Dort wurden in der vergangenen Woche 445 Kinder für die fünften Klassen angemeldet. Nach wie vor werden viele Viertklässler trotz eines Notenschnitts, der den Besuch eines Gymnasiums erlaubt, eine Realschule besuchen. An der Mädchenrealschule Heilig Blut ist das besonders deutlich. Hier haben 58 Prozent der angemeldeten Schülerinnen eine Eignung und Empfehlung fürs Gymnasium. Ein immer wieder angeführtes Argument pro Realschule fällt im kommenden Schuljahr weg: Auch an den Gymnasien wird es künftig bis zur achten Klasse keinen Nachmittagsunterricht mehr geben.

Schon 2017 war der Trend erkennbar.

Die Rückkehr zum G 9 hatte sich bereits vor einem Jahr in den Anmeldezahlen stark bemerkbar gemacht. Auch wenn das neunjährige Gymnasium da noch nicht offiziell beschlossene Sache war, war ausgemacht, dass die aktuellen Fünftklässler schon G 9-Schüler sind. Und so wurden im Mai 2017 ein Viertel mehr Grundschüler an den Gymnasien angemeldet als im Jahr zuvor. In diesem Jahr war der Anstieg nicht ganz so stark, lag aber dennoch bei noch einmal sieben Prozent. Bei den Realschulen gingen die Übertrittsanmeldungen um etwa zehn Prozent zurück.

Am Gymnasium Dorfen hat Direktorin Andrea Hafner 141 Anmeldungen vorliegen. Es wird eine gebundene Ganztagsklasse mit 20 Schülern geben und vier deutlich stärkere normale Klassen. Von der Abschaffung des Nachmittagsunterrichts in den Jahrgangsstufen sechs bis acht erhofft sich Hafner auch, dass dadurch der Wahlunterricht gestärkt wird, da die Schüler dann mehr Zeit zum Beispiel für Sportangebote oder die Umweltgruppe haben.

Kein Interesse an der Ganztagsklasse

An den beiden Erdinger Gymnasien sind in der vergangenen Woche fast gleich viele Kinder angemeldet worden. Am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) sind es etwas weniger als im Vorjahr, am Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) dafür etwas mehr. Statt zuletzt sieben fünften Klassen wird es am AFG sechs Eingangsklassen geben. Eine gebundene Ganztagsklasse ist nicht dabei. Die Nachfrage ist dramatisch gesunken, es gab nur fünf Anmeldungen, sagt Helma Wenzel, die Direktorin des AFG.

Am KAG wird es ebenfalls sechs Klassen geben, eine mehr als aktuell. Die musische Fünfte wird mit 30 Schülerinnen und Schülern recht groß. Das Pilotprojekt einer Tablet-Klasse wird fortgesetzt. Die Schüler einer künftigen Fünften werden einen Tabletcomputer als digitales Lernmittel benutzen - nebenbei aber auch handschriftliche Hefteinträge machen müssen.

Höchstens vier fünfte Klassen an der Realschule Taufkirchen

An der Realschule Taufkirchen sind die Anmeldezahlen drastisch zurückgegangen. Direktor Josef Hanslmaier liegen nur 92 Anmeldungen inklusive solcher zum Probeunterricht vor. Das reicht höchstens für vier Klassen, womöglich werden es sogar nur drei. Ein gewaltiger Unterschied: Im laufende Schuljahr besuchen in Taufkirchen circa 140 Kinder sechs Fünfte, im kommenden Jahr werden es etwa 40 Prozent weniger sein. Drei Eingangsklassen wird es auch an der Realschule Oberding geben. Hier hat Schulleiter Martin Heilmaier 81 Anmeldungen registriert. Aktuell gibt es 77 Fünftklässler an seiner Schule

An der Herzog-Tassilo-Realschule sind die Einschreibungen zwar nur leicht zurückgegangen. Weniger als 100 Anmeldungen hat es aber schon lange nicht mehr gegeben. Direktor Michael Altmann ist allerdings "gespannt", ob mit der Rückkehr zum G 9 auch wieder die Zahl der Absteiger am Jahresende zunehmen wird. Altmann kann sich noch gut an Zulauf vom Gymnasium in Klassenstärke erinnern.

Josef Grundner, der Direktor der katholischen Mädchenrealschule Heilig Blut freut sich über stabile Zahlen. Er rechnet mit sechs Klassen, darunter eine Ganztagsklasse, die jedoch mit 19 statt wie im Vorjahr 30 Schülerinnen deutlich kleiner ausfallen wird. Dass der Großteil seiner Schülerinnen eigentlich aufs Gymnasium gehen könnten, es aber nicht tut, wundert auch Grundner. Der Weg zum Abitur über Realschule und Fachoberschule erscheint wohl nach wie vor attraktiv.