Unter strenger Kontrolle Ganz legal: Cannabis aus Bockhorn

Obwohl die Pflanzen völlig untauglich für einen Drogenkonsum sind, wird der Anbau streng kontrolliert: Bernadette Lex im Hanffeld des Biohofs.

(Foto: Renate Schmidt)

Familie Lex baut auf zwei Hektar Nutzhanf an, der keine berauschende Wirkung hat. Die Samen werden in Bioläden verkauft

Von Thomas Daller, Bockhorn

Bilder dieses Gewächses kennt man eigentlich in erster Linie aus Polizeiberichten, wenn die Drogenfahndung wieder einen Kiffer hopsgenommen hat, der Marihuana im Garten oder auf einer Lichtung angebaut hat. In der Nähe von Bockhorn wächst derzeit ein ganzer Acker voll Hanf, der allerdings keinen Rausch bescheren kann, weil der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) fehlt. Die Familie Lex, die den Biohof Lex betreibt, hat das zwei Hektar große Feld angelegt, um die Samen zu verwerten. Die nussig schmeckenden Körner kann man ins Müsli rühren, über den Salat streuen oder im Brot verbacken. Und sie enthalten viel wertvolle Omega 3-Fettsäuren, die das Herz schützen und Cholesterin senken sollen.

Eine experimentierfreudige Familie

Hanf ist seit etwa 60 Jahren aus der Landwirtschaft verschwunden. Als man die Blätter und Blüten sowie das Harz des Indischen Hanfs in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen hat, wurde auch der Anbau des klassischen Faserhanfs unter strenge staatliche Kontrolle gestellt. Denn man sieht es dem Hanf nicht an, ob und wie viel Rauschwirkung er entfaltet. Früher war die landwirtschaftliche Sorte weit verbreitet, weil sie so vielseitig war. Aus den Fasern der Stängel stellte man Seile und Taue her, man konnte sie zu Textilien verarbeiten oder zu Papier. Die Samen des Nutzhanfes sind schmackhaft und können auch zu Öl verarbeitet werden. Im Landkreis Erding wurde das Erdinger Moos mit Hanfpflanzen kultiviert, wie aus alten landwirtschaftlichen Karten hervorgeht. Bevor man dort Pfefferminze anbauen konnte, pflanzte man Hanf, der den nassen Boden mit seinen tiefen Pfahlwurzeln befestigte und so erst urbar machte.

Die experimentierfreudige Familie Lex, die 18 verschiedene Kulturen auf ihren Äckern anbaut, hat der zu Unrecht in Verruf geratenen Pflanze nun wieder einen Platz in der Landschaft eingeräumt. Und die Natur reagiert hocherfreut: Derzeit wimmelt es dort nur so von Schmetterlingen, Hummeln und Wildbienen. Auch als Zwischenfrucht bietet der Hanf Vorteile: Weil die Pflanze weder zum Getreide noch zu den Leguminosen zählt, ermüdet sie den Boden für deren Anbau nicht.

Die Drogenbehörde redet mit

Allerdings unterliegt die Familie Lex beim Anbau des Nutzhanfs strengen Kontrollen. Privatpersonen dürfen gar keinen Nutzhanf anbauen, egal wie niedrig der THC-Gehalt ist. Das wäre ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und würde von Polizei und Justiz verfolgt. Eine Ausnahme gilt seit 1996 für Landwirte, allerdings nur für Landwirte und nicht für Forstbetriebe oder Gärtnereien. Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen eine gewisse Mindestgröße erreichen oder überschreiten und eine befristete Anbauerlaubnis bei der Bundesopiumstelle in Bonn beantragen. "Bei der Drogenbehörde", amüsiert sich Elisabeth Lex. Denn mit Drogen hat ihr Nutzhanf gar nichts zu tun. Für den Anbau dürfen nämlich nur EU-lizensierte Sorten verwendet werden, denen man noch geringste Mengen THC weggezüchtet hat. Bei einem Konsum als Joint bekommt man eher eine Rauchvergiftung als einen Rausch.

"Eine Wunderpflanze"

Auch während des Anbaus wird der Hanf weiter kontrolliert. "Wir haben einen ganzen Ordner, was wir dabei berücksichtigen müssen", erklärt Elisabeth Lex. So müsse man beispielsweise die Aussaat und das Saatgut vom Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung genehmigen lassen. Man muss zudem den Blühbeginn anzeigen und eine Ernteerlaubnis einholen. "Wir haben mehrmals Kontrollen", erklärt Lex. Auch selbst gewonnenes Saatgut darf nicht wieder ausgebracht werden, da dieses sich automatisch langsam zu einem normalen THC-Gehalt zurückkreuzen würde.

Die Körner wandern ohnehin in den Verkauf: Es gibt sie im Hofladen der Familie Lex, sie beliefern auch Tagwerk und andere Bioläden. Elisabeth Lex empfiehlt auch Hanfschrot zum Backen oder um Bratlinge damit zu machen. Sie ist ohnehin begeistert von der Pflanze: "Sie hat eine unheimliche Kraft und wächst schnell. Manche sagen, sie sei eine Wunderpflanze."