Unfall in Biogasanlage Mehr als ein technischer Defekt

Tote Fische und jede Menge Gülle im Bach - durch den Unfall in einer Biogasanlage sind mehrere Kilometer Gewässer verseucht worden. Jetzt erheben die Behörden Vorwürfe gegen den Betreiber.

Von Florian Tempel

Dem schweren Unfall der Biogasanlage in Unterkorb bei Dorfen, bei dem am Montag mehrere Kilometer Bach bis hin zur Vils verseucht worden sind, liegt offenbar ein grobes Fehlverhalten des Anlagenbetreibers zugrunde. Nach Erkenntnissen des Wasserwirtschaftsamts München hatte der Landwirt zunächst den Inhalt eines seiner beiden großen Gärtanks abgelassen, die Flüssigkeit abtransportiert und nicht ordnungsgemäß etwa 300 Meter von seinem Hof entfernt in eine Sandgrube geschüttet.

Aus dieser Biogasanlage in Unterkorb ist am Montag Gärflüssigkeit ausgelaufen.

(Foto: Peter Bauersachs)

Über eine automatisch geschaltete Pumpe wurde dann in der Nacht von Sonntag auf Montag aus dem zweiten noch befüllten Behälter der Anlage Flüssigkeit Richtung ersten Tank befördert. Dabei lief ein vorgeschalteter kleinerer Behälter über. Bis zu 1000 Kubikmeter jaucheartiger Gärflüssigkeit ergossen sich daraufhin stetig hangabwärts über ein Getreidefeld. Von dort aus floss die Kloake mit verheerenden Wirkungen in einen kleinen namenlosen Bach, weiter in den Kallinger Bach und schließlich bis zur Vils.

Erst am Montagnachmittag gegen 14.30 Uhr schlug ein Bürger im dreieinhalb Kilometer entfernten Gebensbach Alarm, als er tote Fische im Kallinger Bach treiben sah und starken Güllegeruch wahrnahm. Für Josef Höschl, den für den Landkreis Erding zuständigen Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamts München, ist es unverständlich, dass nicht der Anlagenbetreiber selbst den Unfall meldete: "Wenn es bei einem brennt, erwartet man auch, dass er selbst die Feuerwehr ruft und nicht darauf wartet, dass jemand fünf Kilometer weiter weg Rauch aufsteigen sieht." Wenn der Unfall früher gemeldet worden wäre, hätte schneller reagiert werden können.

So jedoch errichteten mehrere freiwillige Feuerwehren erst am Montagnachmittag an drei Stellen Sperren in den betroffenen Bächen. Zudem hoben Feuerwehrleute vor dem ersten Bach eine Grube für die noch immer nachfließende Flüssigkeit aus. Mit Hilfe von Landwirten aus der Umgebung wurde das verseuchte Bachwasser an drei Stellen abgepumpt. Das Getreidefeld unterhalb von Unterkorb, durch das die stinkende Brühe geflossen war, wurden mittlerweile abgemäht. Mit Planierraupen wurde der Gärschlamm auf dem Acker verteilt, bevor er untergepflügt wurde.

Keine Einzelfälle

Auch die etwa 20 mal 30 Meter große Sandgrube, in den der Anlagenbetreiber den Inhalt des ersten Gärtanks brachte, musste ausgebaggert werden. Da ein großer Teil der Flüssigkeit hier bereits versickert ist, war dort nur noch eine "schlammartige Masse" auszuschaufeln, sagte Höschl. Möglicherweise habe der Biogasbauer die Gärflüssigkeit in der Grube "zwischenlagern", eventuell dort aber auch dauerhaft entsorgen wollen. Darauf deute ein größerer Haufen Erde hin, der neben der Grube wie bereitgestellt lagerte. Die offensichtlich bis zum Rand befüllte Sandgrube war am Montag von der Besatzung eines Polizeihubschraubers entdeckt worden.

Die Ursache eines andere massiven Biogasanlagenunfalls in Nicklhub, ebenfalls auf Dorfener Gemeindegebiet liegend, bei dem vor knapp acht Wochen der Rinninger Bach und die Isen mit einem Öl-Fett-Gemisch verseucht wurden, liegt nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen an "unsachgemäß angeschlossenen Leitungen", sagte Höschl. Auch damals alarmierten Anwohner und nicht der Betreiber die Behörden und Rettungskräfte.

Die beiden massiven Unfälle im Landkreis Erding sind keine Einzelfälle. Das Landesamt für Umweltschutz bestätigte, dass es in ganz Bayern immer öfter Unfälle in Biogasanlagen gibt. Aber nicht nur mit der Folge von Gewässerverunreiningungen. Andernorts sei es in jüngster Zeit auch zu Explosionen von Gasbehältern gekommen.