Umweltfrevel Fischer finden verbotenes Herbizid

Zwei leere Kanister Gesaprim haben die Fischer gefunden.

(Foto: Privat)

Beim Ramadama an der Dorfen bei Schwaig werden zwei Kanister entdeckt, die Atrazin enthielten. Bürgermeister Mücke schaltet das Landratsamt ein. Für Trinkwasserbrunnen bestehe keine Gefahr

Von Thomas Daller, Oberding

Bei ihrem jährlichen Ramadama an der Dorfen bei Schwaig haben die Mitglieder der "Fliegenfischerfreunde der Dorfen" zwei leere Kanister mit Gesaprim gefunden. Gesaprim ist ein Handelsname für das seit 1991 in Deutschland verbotene Herbizid Atrazin. Da die Fliegenfischerfreunde jedes Jahr eine Räumaktion veranstalten und dabei immer diese Fundstelle absuchen, ist es naheliegend, dass ein Landwirt noch über Restlager verfügt und das Herbizid trotz des Verbots einsetzt. Atrazin hat in Laborversuchen zu Mutationen bei Fröschen und Kaulquappen geführt und es kann Fischsterben verursachen. Es wurde verboten, als es sich in immer mehr Trinkwasserbrunnen so anreicherte, dass nur noch Wasserbeimischungen den weiteren Betrieb ermöglichten.

Der Fundort der beiden Kanister befindet sich an einem Weg von Schwaig nach Norden an der Dorfen entlang, sagte Anton Wegmaier, der bei der Räumaktion dabei war. "Etwa 100 Meter südlich von der FTO-Brücke." Neben den beiden Kanistern habe man auch noch leere Säcke mit Düngemitteln gefunden.

40 Jahre lang wurde beim Maisanbau massiv Atrazin eingesetzt und 30 Jahre lang hielt man das auch für ungefährlich. Atrazin hemmt bei Pflanzen die Fotosynthese und schaltet so das sogenannte "Unkraut" auf den Äckern aus. Mais kann das Herbizid jedoch "knacken" und ist dadurch natürlich resistent. Wenn es bei Regen in Flüsse und Bäche geschwemmt wird, hat das für die dort lebenden Tiere verheerende Folgen. Bereits ab einer Konzentration von 0,1 millionstel Gramm pro Liter unterbricht es die sexuelle Entwicklung von Fröschen: Kaulquappen werden zu Zwittern, Froschmännchen bilden Eierstöcke aus. Außerdem tötet Atrazin Kieselalgen ab, die Hauptnahrung vieler Fischarten, wenn sie frisch geschlüpft sind. 0,1 Millionstel Gramm pro Liter ist der geltende Trinkwassergrenzwert.

In Bayern werden seit 1993 die Böden und Gewässer nach dem Zufallsprinzip oder bei festgestellten Verunreinigungen und nach konkreten Anzeigen wegen erhöhter Belastung untersucht. Zuständig sind prinzipiell die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Das AELF in Erding hat diese Aufgabe ausgelagert an das Fachzentrum für Pflanzenbau in Deggendorf. Die Landwirte müssen relativgroße Mengen Atrazin spritzen, damit man sie am Wickel hat: Denn bei den Bodenproben müssen 50 millionstel Gramm pro Kilogramm festgestellt werden, damit dies als eindeutiger Nachweis neu aufgebrachten Atrazins gilt. Und aufgrund hoher Mittelwertschwankungen der Analysen kann man erst ab 100 millionstel Gramm die Staatsanwaltschaft einschalten, also erst beim 1000-fachen des Grenzwertes. Die Zahl solcher Fälle, die jährlich in Bayern vor dem Richter landen, kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen.

Josef Thalhammer vom Fachzentrum in Deggendorf geht davon aus, dass die Kanister bereits vor elf Monaten, kurz nach dem letzten Ramadama benutzt wurden, da die Maisäcker erst jetzt gesät werden und Atrazin erst danach gespritzt werde. Daher werde man kaum noch Atrazin finden. Allerdings könne man aufgrund dieses Fundes heuer ein paar Atrazin-Proben in diese Region verlagern, um herauszufinden, ob dies möglicherweise regelmäßig geschehe. Man werde dem Hinweis der Fischer nachgehen.

Auch Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke will den Fall nicht auf sich beruhen lassen. Die Trinkwasserbrunnen des Wasserzweckverbandes seien zwar meilenweit entfernt, daher bestehe in dieser Hinsicht keine Gefahr. "Aber lustig finden wir das auch nicht", sagte Mücke. "Wir haben das an das Landratsamt weitergeleitet", außerdem würden auch Mitarbeiter der Gemeinde instruiert, auf solche Fälle zu achten. "Deswegen bin ich froh, dass solche Ramadama stattfinden", sagte Mücke.