SZ-Serie Die Alpen im Blick

Der beste Weg, den Ammer-Amper-Radweg zu befahren, ist von Moosburg nach Süden. Dann tutsich ein beeindruckendes Panorama auf, meint Initiator Thomas Brückner. SZ-Serie "An der Amper - Menschen am Fluss", Teil 10

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Rund 200 Kilometer, überwiegend auf Radwegen und ruhigen Straßen entlang der Amper und als Zuckerl immer der Blick auf die Alpen: Das ist der Ammer-Amper-Radweg, der von der Ampermündung in die Isar bei Moosinning bis zu ihrem Ursprung als Ammer in den Alpen in der Nähe von Oberammergau verläuft - zumindest wenn man der Idee des Erfinders der Route, dem Fürstenfeldbrucker Thomas Brückner und seinem inzwischen verstorbenen Mitstreiter Peter Dreisow folgt, und von Norden nach Süden in vier Etappen (siehe Grafiken) radelt. Ein atemberaubendes Panorama ist die Belohnung dafür, dass man den Höhenanstieg - rund 1250 Meter - erradeln muss. Selbstverständlich bleibt es jedem freigestellt, die Strecke von Süden nach Norden zu fahren. Das ist weniger anstrengend, aber den Alpenblick hat man dann halt im Rücken.

Gute 15 Jahre muss es her sein, dass Brückner als naturliebender, begeisterter Radler und Mitglied im Bund Naturschutz auf die Idee kam, einen Radweg entlang der Amper zu konzipieren. "In dem Karree hier war alles weiß", sagt der 61-Jährige und deutet auf einer Landkarte auf das Areal westlich von München - eben dorthin, wo die Amper sich als kleine Schwester der Isar durch die Landschaft schlängelt. "Wir haben so eine tolle Natur hier, so tolle Sehenswürdigkeiten", da habe es ihn gedrängt, den weißen Fleck auf der Karte zu füllen. Bei Dreisow, dem langjährigen Kreisvorsitzenden des Verkehrsklubs ADFC, fiel die Idee auf fruchtbaren Boden. Das erklärte Ziel beider war, dass "ihr" Radweg in das Bayernnetz für Radler des ADFC aufgenommen wird.

Brückner, damals Mitglied bei ADFC und BN, und Dreisow machten sich also an die Arbeit und entwickelten einen Handlungsplan. Sie skizzierten zunächst recht grob den Streckenverlauf und recherchierten, welche Orts- oder Kreisverbände von ADFC und Bund Naturschutz an dieser Strecke liegen. Die Amper beziehungsweise die Ammer fließt durch die Landkreise Freising, Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. Die jeweiligen Akteure von ADFC und BN in allen Kreisen, und wo vorhanden in den Ortsverbänden, wurden von dem Duo kontaktiert und um Mithilfe gebeten. Jeder kleine Verein, der willens war, wurde in das Projekt Ammer-Amper-Radweg miteingebunden. Nach ein paar Jahren ehrenamtlicher Arbeit mit diversen Treffen der mitwirkenden Orts- und Kreisgruppen und vielen geradelten Kilometern haben Brückner und Dreisow ihr Ziel erreicht. Der erste offizielle Radführer in Ringbuchform erschien 2002 im Galli-Verlag.

Bis es allerdings so weit war, mussten viele Diskussionen geführt, Kompromisse geschlossen und rechtliche Hürden genommen werden. Zum Beispiel Brückners Idee, alle "Highlights" auf dem Weg abzufahren: Das Benediktinerkloster Polling im gleichnamigen Ort nahe Weilheim etwa liegt nicht direkt an der Ammer. Der Radweg sollte aber entlang des Flusses führen, argumentierten die Mitstreiter aus Weilheim damals, wie sich Brückner erinnert. Es wurde schließlich ein Kompromiss: Der Radweg biegt zwar vom Fluss ab, doch wer wirklich das alte Kloster besichtigen möchte, der muss den Ammer-Amper-Radweg ganz verlassen. Allerdings ist die Route inzwischen in diversen Versionen im Internet zu finden, so dass es auch Varianten über Kloster Polling gibt.

Ein anderes Problem, das die Radwege-Planer beschäftigte waren Brückner zufolge rechtliche Fragen. "Grundsätzlich ist es so, dass jeder Weg jemandem gehört und Sie brauchen eine Genehmigung, wenn Sie dort einen Radweg verlaufen lassen wollen." Dem entsprechend hatten sie mit den öffentlichen Wegen und Straßen kaum Schwierigkeiten, da die Kommunen oder zumindest die Landkreise das Projekt Ammer-Amper-Radweg unterstützen wollten. Doch in Olching beispielsweise bereitete ein Streckenabschnitt Probleme, der in Privatbesitz ist. Dort sollte die Route entlang des Mühlbachs verlaufen. Doch das dort befindliche Stromkraftwerk ist in Privatbesitz, die Besitzer hätten ihr Einverständnis verweigert. Deshalb verläuft der Radweg nun über das Schloss Esting.

Weiter ging es für Brückner und Dreisow mit der Arbeit: Als die Route definitiv feststand, entwickelten sie ein Beschilderungskonzept, das jeden Punkt auf der Strecke festlegte, an dem einmal ein Wegweiser aufgehängt werden sollte. Das Schilder aufhängen übernahmen die Mitarbeiter der Bauhöfe. "Da sind teilweise kuriose Sachen dabei rausgekommen. In Olching, da haben sie die Schilder nur in eine Richtung gehängt", erinnert sich der Brucker. Statt die kleinen gelben Schilder in Richtung Esting und Dachau anzubringen, zeigten alle in eine Richtung. Dieses Problem wurde damals freilich schnell behoben, zwischenzeitlich tauchte aber ein neues auf, wie Brückner beklagt: Etliche Schilder in der Kreisstadt fehlen, im Stadtpark sind einige so verdreckt, dass man ihre Aufschrift nicht mehr lesen kann. Wiederholt habe er sich deshalb ans Landratsamt gewandt, doch: "Das Landratsamt unternimmt nichts." Also wurde der Radweg-Konzeptionist und Architekt Brückner im vorigen Sommer selbst aktiv. Im Stadtpark und am Zebrastreifen in Richtung Kloster putzte er die Schilder, fehlende ersetzte er durch selbst ausgedruckte und laminierte.

"Es stimmt, dass das schlecht beschildert war", räumt Landratsamts-Sprecherin Ines Roellecke ein. Vor rund drei Jahren habe der Landkreis Dreisow als ADFC-Vertreter gebeten, ein landkreisweites Schilder-Kataster anzufertigen. Dass das einige Zeit braucht, zumal wenn es in ehrenamtlicher Arbeit angefertigt wird, versteht sich von selbst. Zudem verstarb Dreisow in der Zwischenzeit, so dass die Fertigstellung des Katasters sich zusätzlich verzögerte. Brückner wusste zwar von dem Auftrag seines Mitstreiters. Er findet aber, dass drei Jahre lückenhafter Beschilderung viel zu lange sind. Deshalb hakte er immer wieder beim Landratsamt nach. Was dieses Manko betrifft, ist das Kataster laut Roellecke nun fertig - landkreisweit, wohlgemerkt. Nun würden die Schilder bestellt und dann umgehend aufgehängt, betont die Behördensprecherin.

Von derartigen Ärgernissen einmal abgesehen, die es bei solch einem Projekt mit der Beteiligung so vieler Menschen und Institutionen nun einmal zwangsläufig gibt, ist Brückner aber schon stolz auf das, was er mit Dreisow geschafft hat: "Wir haben was Gutes getan und freuen uns, wenn die Leute mehr radeln." Und wenn nun tatsächlich der Tourismusverband Oberbayern den Ammer-Amper-Radweg bewerben sollte (siehe Infokasten), dann werden vermutlich noch mehr Menschen die malerische Strecke von Moosinning bis hinein in die Alpen per Fahrrad erkunden.