St. Wolfgang Der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis

Jakob Schwimmer feiert 30-jähriges Jubiläum als Gemeindechef von Sankt Wolfgang. Genug hat er noch lange nicht

Von Thomas Daller

Jakob Schwimmer will nochmals in den Landtag einziehen, doch zuerst muss er sich erst der parteiinternen Konkurrenz in Person von Ulrike Scharf stellen

(Foto: Renate Schmidt)

Was ist vom Jahr 1983 noch in Erinnerung geblieben? Der Stern veröffentlichte die gefälschten Hitler-Tagebücher, Nenas "99 Luftballons" landeten auf Platz eins der Charts, Gerhard Polts Film "Kehraus" kam in die Kinos, und der HSV wurde nicht nur Deutscher Meister, sondern gewann auch gegen Juventus Turin den Europapokal der Landesmeister. Im Landkreis Erding stieß Texaco bei Ölbohrungen auf 70 Grad heißes Wasser und legte damit den Grundstein für die Therme, Hans Zehetmair war Landrat und der 33-jährige Betriebswirt Jakob Schwimmer (CSU) wurde zum Bürgermeister von Sankt Wolfgang gewählt.

Schwimmers Vorgänger Anton Graßer war im Oktober 1982 mit 69 Jahren einem Herzinfarkt erlegen. Der Wahlkampf lief zwischen Schwimmer, der bereits seit 1978 zweiter Bürgermeister war, und Ludwig Huber von den Freien Wählern. Sankt Wolfgang, das heute auf 4500 Einwohner angewachsen ist, zählte damals 2800 Bürger. Auch die politische Aufgabenstellung war eine andere: Schwimmer zog mit den Versprechen in den Wahlkampf, er werde das Straßennetz ausbauen, Bauland erschließen, ein neues Feuerwehrhaus bauen und einen Bauhof errichten lassen, weil damals die Bauhof-Geräte noch im Fahrradkeller der Schule untergebracht waren.

"Er (Schwimmer) verkörpert mehr den dynamischen, energiegeladenen Mann aus der Politik als den gemütvollen Gemeindechef alten Schlages", stand damals im Wahlkampfporträt der Süddeutschen Zeitung. Die Wahl am 16. Januar 1983 galt als richtungsweisend, denn der neue Amtsinhaber wurde zwar nur bis zur nächsten turnusgemäßen Bürgermeisterwahl im Jahr 1984 gewählt. Aber, so hieß es damals weiter, man könne davon ausgehen, dass dieser Urnengang darüber entscheide, wer auch "in Zukunft in Sankt Wolfgang das Sagen hat". Prophetische Worte: Am Donnerstag, 31. Januar, feiert Schwimmer sein 30-jähriges Dienstjubiläum. Er ist damit der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Erding.

Schwimmer ist ein gebürtiger Sankt Wolfganger. Er kam am 29. März 1949 als fünftes Kind einer Bauernfamilie in Thon zur Welt und besuchte nach der Volksschule das Gymnasium in Traunstein, wo er das Abitur machte. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilian-Universität München war er von 1974 bis 1986 als Angestellter von Rank Xerox tätig. Schwimmer heiratete 1977 seine Frau Hermine; die beiden haben eine Tochter, Eva Maria, und Sohn Thomas. 1986 machte er sich mit einem eigenen Unternehmen in der Kommunikationsbranche selbständig. Parallel zum beruflichen Aufstieg verlief die politische Laufbahn.

Als Bürgermeister von Sankt Wolfgang hatte er es in den 1980er Jahren mit einer stark landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu tun. 240 Einöden gehörten zur Gemeinde, die Landwirtschaft steckte in der Krise, viele Höfe gaben auf. Schwimmer schaffte den Strukturwandel: Er holte Betriebe nach Sankt Wolfgang, schuf Arbeitsplätze, betrieb eine offensive Baulandpolitik und sorgte für Wachstum in der Gemeinde. "Das größte Problem war die schlechte Steuerkraft", sagte Schwimmer. Daher habe er sich zwangsläufig um eine "vernünftige Gewerbeansiedlung" gekümmert. Als Kommunalpolitiker berief er sich gerne auf Theodor Heuss: "Die Gemeinde ist wichtiger als der Staat, und das Wichtigste in der Gemeinde sind die Bürger."

1990 wurde Schwimmer Vorsitzender des Kreisverbands des Bayerischen Gemeindetages und 1996 Vorsitzender der Volkshochschule im Landkreis. Bei den Landtagswahlen 2003 wurde er für den Stimmkreis Erding in den Bayerischen Landtag gewählt und arbeitet dort im Ausschuss für Verfassungs-, Rechts- und Parlamentsfragen sowie im Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes. 2008 wurde er wiedergewählt und arbeitet seither im Innen- und Kommunalausschuss des Landtags. Und er will auch für eine weitere Amtszeit im 17. Bayerischen Landtag kandidieren, der im September 2013 gewählt wird. Manche hatten damit nicht gerechnet. Denn vor einigen Jahren überstand der 63-Jährige eine schwere Krebserkrankung. Heute ist er wieder fit und übernahm Ende 2011 die CSU-Kreistagsfraktion nach dem Parteiaustritt von Herbert Knur. Schwimmer tritt nun parteiintern gegen Ulrike Scharf an, die ebenfalls für den Landtag kandidieren will.

Diese Querelen werden aber am Donnerstag keine Rolle spielen, wenn Schwimmers drei Dekaden als Bürgermeister von Sankt Wolfgang gefeiert werden. "Es ist nur ein kleiner Empfang mit Musik, und wir werden ein bissl ratschen", sagte Schwimmer. Er hat alle Vereinsvorstände der Gemeinde eingeladen, alle früheren Gemeinderäte und alle Erdinger Landräte der vergangenen 30 Jahre - das sind an die 200 Leute. "Wir feiern ganz einfach und halten die Reden kurz", sagte Schwimmer, um in seinem trockenen Humor zu ergänzen: "Schließlich wird nirgends so viel gelogen wie auf dem Friedhof und bei solchen politischen Anlässen."