S-Bahn-Ringschluss Eine Region macht Druck

Über den Ringschluss und seine Bedeutung für Erding debattierten (von links) Wolfgang Kraus, Matthias Würfel, Moderator Hans Moritz, Anton Stimmer, OB Max Gotz und Bernd Urland.

(Foto: Renate Schmidt)

OB Max Gotz (CSU) betont, dass Erding nicht locker lassen wird bei seiner Forderung nach einem zügigen Bau des Zugverbindung. Der grobe Zeitplan lässt jedoch wenig Raum für übertriebenen Optimismus

Von Antonia Steiger, Erding

Der Ringschluss kommt, es wird allerdings noch ein bisschen dauern. Mathias Würfel von der Autobahndirektion Südbayern hat bei der Unternehmerkonferenz am Sonntag vorgerechnet, wann das Projekt fertig wird: drei bis vier Jahre Planung, ein Jahr Bauvorbereitung, fünf bis sieben Jahre Bauzeit für den Erdinger Abschnitt mitsamt Bahnhof und weitere zwei Jahre, bis die Lücke bis Altenerding fertig ist. Irgendwann zwischen 2029 und 2032 könnte es also so weit sein. Da ist man mit der Neufahrner Spange auf der anderen Seite des Flughafens bedeutend weiter: Für Sonntag, 9. Dezember 2018, ist die Fertigstellung geplant. Dann können die Menschen stündlich und ohne umzusteigen von Regensburg über Landshut und Freising zum Flughafen fahren. Erding fühle sich vernachlässigt, mahnte OB Max Gotz (CSU) umgehend an.

Mehrere Redner betonten bei einer Podiumsdiskussion, wie wichtig der S-Bahn-Ringschluss ist. Wenn Erding mit der Bahn auch aus dem Osten des Landkreises besser zu erreichen wäre, täten sich Unternehmen leichter, Auszubildende zu finden, sagte Anton Stimmer, Geschäftsführer des Baustoffhandels Auer. Auch der Wohnungsdruck nähme ab, wenn Erding für Pendler besser erreichbar wäre, fügte Bernd Urland an, Vorsitzender des Gewerbevereins. Gotz gab Matthias Würfel mit auf den Weg, dass Erding weiter Druck machen werde. Die Stadt hat laut Gotz sogar schon einen Teil ihrer finanziellen Verpflichtungen beglichen: Ein Viertel der 38 Millionen Euro, die die Stadt für die Untertunnelung des Bahnübergangs an der Haager Straße zu bezahlen hat, sind demnach bereits überwiesen. Man möge nun "zackig weitermachen", forderte Gotz, die Region werde "maximalen Druck" erzeugen. Nicht ohne Groll blickt auch die Wirtschaft auf die Entwicklung auf der anderen Seite des Flughafens. Noch in diesem Jahr soll die Neufahrner Spange fertig werden, die den Flughafen mit Regensburg verbindet. Das sei ein Wettbewerbsnachteil für Erding, sagte Stimmer. "Die Neufahrner Spange bringt uns gar nichts", sagte Gotz.

Alle Beteiligten blicken jedoch misstrauisch nach Berlin, wo das Verteidigungsministerium vor etwa einer Woche mitgeteilt hatte, dass die Auflösung des Fliegerhorstes Erding von 2021 auf 2024 verschoben werde. Es gibt zwar eine Verzichtserklärung für die Flächen, die für den Bau des Ringschlusses und des Bahnhofs benötigt werden, komplizierter wird die Situation durch den schleppenden Abzug der Soldaten dennoch. Gotz mahnte an, es müssten die Grundstücksverhandlungen geführt werden. Würfel sagte, der Freistaat Bayern würde es deutlich besser finden, wenn die Bundeswehr zum Zeitpunkt des Baubeginns abgezogen sei. Andernfalls müsste man Ersatzbauten schaffen für die Gebäude, die für den Bahnhof abgerissen werden müssten. Ein paar Millionen Euro für eine nur wenige Jahre benötigte Infrastruktur: Diese Ausgabe möchte man sich sparen.

Sehr viel weiter sind die Planungen für den Abschnitt vom Flughafen über Schwaigerloh bis an den Rand Erdings. Hier läuft das Klageverfahren, nachdem das Eisenbahn-Bundesamt im Februar den Planfeststellungsbeschluss erlassen hatte. Sieben Klagen liegen laut Würfel vor. Erste "Vorabmaßnahmen" seien schon im Gange: Ein 4,5 Kilometer langer Teil vom Flughafen bis zur Abstell- und Wendeanlage Schwaigerloh wird demnach zur Verbesserung der Betriebsqualität schon gebaut.

Für die Unternehmer in Erding ist aber nicht nur die Schiene von Bedeutung, sondern auch die Straße. Auch hier gebe es Nachholbedarf, sagte Urland. Im Gegensatz zu einer Großstadt sei in Erding die Erreichbarkeit für Autofahrer viel wichtiger, deswegen floriere das Einkaufsgebiet Erding West. Mögliche Kunden kämen nicht in die Innenstadt, weil sie fürchteten, keinen Parkplatz zu finden und aufgeschrieben zu werden, bestätigte Hermann Kraus, der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Ardeo. Er wünscht sich weitere Parkmöglichkeiten in der Innenstadt.