Oberbayern "Wir wissen nicht, wie wir mit der Angst umzugehen haben"

In dieser Flüchtlingsunterkunft in Dorfen eskalierte der Streit unter zwei Bewohnern.

(Foto: Renate Schmidt)

In Dorfen ersticht ein 38-jähriger Asylbewerber einen 20-jährigen Mitbewohner. Der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe ist erschüttert. Der bayerische Innenminister findet indes drastischere Worte.

Von Florian Tempel, Dorfen

In einer Asylunterkunft in Dorfen (Kreis Erding) ist in der Nacht auf Sonntag ein 20 Jahre alter Flüchtling aus dem Senegal von seinem Zimmergenossen erstochen worden. Nachdem um 0.35 Uhr Bewohner der Unterkunft die Polizei alarmiert hatten, nahm eine Streife wenige Minuten später einen 38-jährigen Mann aus Somalia fest, der mit einem Messer in der Hand vor der Asylunterkunft stand. Der Mann ließ sich laut Polizei widerstandslos festnehmen.

Das schwer verwundete Opfer, das in seinem Zimmer gefunden wurde, starb trotz Reanimationsversuchen noch am Tatort. Der festgenommene 38-Jährige gestand bei einer Vernehmung am Sonntag die Messerattacke.

503 Service Unavailable

Error 503 Service Unavailable

Service Unavailable

Guru Meditation:

XID: 1417658043

www.sueddeutsche.de

Auslöser des Streits ist noch nicht bekannt

Nach ersten Erkenntnissen der Kripo Erding war ein Streit zwischen den Männern zu einer Auseinandersetzung eskaliert, in deren Verlauf der 38-Jährige seinem Mitbewohner die tödlichen Verletzungen zufügte. Ursache und Auslöser des Streits sind noch nicht bekannt. Vor der Vernehmung von möglichen Zeugen der Bluttat will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen dazu keine Angaben machen.

Die Asylunterkunft hat aktuell 35 Bewohner, vorwiegend allein stehende Männer. Sie sind jeweils zu zweit in einem Zimmer untergebracht. Außer den Männern leben in dem zweistöckigen Containerbau noch zwei Familien mit kleinen Kindern. Ehrenamtliche Mitglieder des Vereins Flüchtlingshilfe Dorfen kümmern sich seit Monaten um die Bewohner und sind täglich in der Unterkunft.

Herrmann spricht von "besorgniserregender Eskalation der Gewalt"

Sozialarbeiter des Landratsamts Erding, das für die offizielle Asylsozialberatung von etwa 1300 Flüchtlingen in mehr als 80 Unterkünften im Landkreis Erding zuständig ist, kommen nur etwa einmal in der Woche, sagte der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Dorfen, Adalbert Wirtz. Ihm ist von Spannungen oder vorausgegangenen, aggressiven Vorfällen in der Unterkunft nichts bekannt gewesen: "Dass es zu einer solchen Tat kommt, ist etwas, an das auch wir nicht gedacht haben. Wir sind alle erschüttert. Wir wissen nicht, wie wir mit der Angst, die eine solche Tat erzeugt, umzugehen haben."

Für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist die Tat "der bisher traurige und erschreckende Höhepunkt einer besorgniserregenden Eskalation der Gewalt unter Asylbewerbern". Mehr als 80 Prozent der Delikte würden von Flüchtlingen untereinander begangen. Die Zahl der Neuzugänge an Asylbewerbern müsse deshalb schon aus Sicherheitsgründen dringend deutlich reduziert werden, forderte Herrmann.

503 Service Unavailable

Error 503 Service Unavailable

Service Unavailable

Guru Meditation:

XID: 1417658043

www.sueddeutsche.de