Neues Schulprojekt Theater-AG trifft auf Musik-AG

Jugendliche aus Taufkirchen und Finsing beteiligen sich an neuem artigem schulübergreifenden Projekt - Es folgt ein Auftritt in Burghausen

Von Matthias Vogel

Josef Hofstetter, der Rektor der Hauptschule in Taufkirchen, sagt, wie es um Musik und Theater an Schulen bestellt ist: "Es braucht das Engagement von Lehrern, die einen Draht dazu haben. Erzwingen kann man nichts." Das muss Hofstetter auch nicht, denn an seiner Schule hat Alexander Urban den besagten Draht: Er hat dort in diesem Schuljahr eine Musik-Arbeitsgemeinschaft (AG) gegründet. So weit, so gut.

Doch es kommt noch besser. Urban ist mit Verena Heigl liiert. Das ist deshalb interessant, weil sie an der Grundschule Finsing eine Theater-AG ins Leben gerufen hat. "Ließe sich das nicht kombinieren?", fragte sich das Pärchen. Doch, das lässt sich machen, heißt die Antwort: Die Theater-AG spielt, die Musik-AG bastelt den Soundtrack dazu, fertig ist das einzigartige Konzept. Und weil zumindest das Schulübergreifende an dem Projekt neu ist, sind die Grund- und Hauptschüler am 11. Juli für eine Woche zu den 7.Oberbayerischen Schultheatertagen, einer Veranstaltung der Regierung von Oberbayern, eingeladen - zusammen mit 13 weiteren Grund-, Haupt- und Förderschulen des Bezirks.

Die Oberbayerischen Schultheatertage führen seit über einem Jahrzehnt theaterbegeisterte Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern zu "Spieltagen" zusammen. "Sie vermitteln, wie wichtige schulische Theaterarbeit für eine zeitgemäße Bildung und Erziehung ist", schickt Regierungspräsident Christoph Hillenbrand der Veranstaltung in Burghausen voraus. Er weist auch auf die Schlüsselqualifikationen hin, die durch das Theaterspielen vermittelt werden: "Disziplin, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein."

Verena Heigl und Alexander Urban sind nicht zuletzt deshalb froh, sich erfolgreich mit ihren Schülern beworben und die Einladung erhalten zu haben. Heigl hat mit den Dritt- und Viertklässlern der Finsinger Grundschule das Theaterstück "Der Nordwind und die Sonne" einstudiert. Zeitgleich haben sich in Taufkirchen Urban und seine Nachwuchsmusiker aus der fünften und sechsten Jahrgangsstufe Gedanken gemacht, mit welchen Liedern und Geräuschkulissen das Stück begleitet werden könnte. "You're my sunshine" heißt die Nummer, mit der - auf das Niveau der AG angepasst - die Sonne akustisch dargestellt werden soll.

Für den "Nordwind" im Titel wurde "Run" von Snow Patrol ausgewählt. "Das ist melancholisch und passt daher sehr gut, außerdem gefällt das den Schülern, ist modern", sagt Urban. Auch hier hat der Lehrer eine eigene Version einüben lassen. "Eine Schülerin spielt passabel Geige, eine andere hat das Percussion-Instrument Cajon ganz gut im Griff. Sie bilden das Gerüst." Zwischendurch werden etwa Windgeräusche oder ein Reiter klanglich imitiert.

Natürlich musste noch alles zusammengebracht werden. Einmal fuhren die Grundschüler bereits zur Gesamtprobe nach Taufkirchen. Dabei seien Berührungsängste schnell abgebaut worden, sagt Urban. Auch ansonsten hat das gut geklappt: "Wir hätten nicht gedacht, dass wir das so gut hinbringen." Eine weitere Probe steht noch an, dann muss die Machtprobe auf der Bühne zwischen dem Wind und der Sonne sitzen.

Urban und Heigl freuen sich schon auf die Woche, die auch dem Austausch dient, in der sie sich Anregungen holen können und in der über Workshops und Projekte die Fähigkeiten der Kinder intensiv gefördert werden. Nach Burghausen fahren alle gemeinsam im Bus. Für die Buben und Mädchen werde die Fahrt ein unvergessliches Erlebnis, sagt der Lehrer.

"An erster Stelle steht natürlich das Theaterspielen und die Musik. Aber die soziale Komponente spielt auch eine wichtige Rolle. Das Verantwortungsbewusstsein werde gefördert. "Die Großen passen auf die Kleinen auf." Und vor so vielen Menschen zu spielen, sei richtig gut für das Selbstbewusstsein.

Josef Hofstetter bestätigt das mit einer kleinen Anekdote: "Vor einigen Jahren hat bei uns an der Schule ein Mädchen die Hauptrolle in einem Musical übernommen, die im Unterricht nicht aufgefallen ist. Da hat sie geglänzt - und ist fortan mit einem ganz anderen Selbstwertgefühl durch die Schule gelaufen."