Moosinning Exklusiv erfolgreich

Guter Service und prestigeträchtige Events: Der Golfclub Eichenried macht vieles richtig und behauptet sich in einem schwierigen Umfeld. Und gerade deshalb ist der Club nicht für jeden geeignet

Von Mathias Weber

Nur ein bisschen warm muss es werden und die ersten Sonnenstrahlen müssen raus kommen, dann machen sich die Golfer wieder auf den Weg zu ihrem geliebten Grün. Soweit ist es aber diesen Januar noch nicht: Der Golfclub Eichenried liegt allein und verlassen da und wartet auf die Spieler.

(Foto: Renate Schmidt)

Über hundert Jahre hat es gedauert, aber jetzt haben sie es geschafft. Im Jahr 2016 wird der Golfsport große Aufmerksamkeit erfahren, denn dann wird er nämlich wieder olympische Disziplin - zuletzt war Golf 1904 in Saint Luis olympisch. Olympia bedeutet für Korbinian Kofler einen weiterer Schritt dahin, Golf zu einem Breitensport zu machen. Der Geschäftsführer des Golfclubs Eichenried sagt: "Golf wird oft immer noch als elitär angesehen. Aber wir kämpfen dafür, dass es als Sport für jedermann wahrgenommen wird."

Golf - ein Sport für Jedermann? Die Funktionäre können noch so viele schöne Wort finden, der elitäre Eindruck bleibt. Wer an den Golfclub Eichenried bei Moosinning - neben dem Golfclub Grünbach der zweite große Golfclub im Landkreis - denkt, hat bestimmt nicht den alltäglichen Sportverein im Kopf: Eichenried ist einer der traditionsreichsten und größten Golfclubs der Region und vor allem bekannt als Ausrichter der BMW-Open, welche jahrzehntelang Golfstars nach Eichenried gelockt hat. Während Grünbach der ältere der beiden Clubs ist und sich eher an die Golfer der Region wendet, schaut Eichenried ins zahlungskräftige München. Und die Erdinger fragen sich: Verkehren hier nur die Schönen und Reichen, oder ist Eichenried ein Verein wie jeder andere?

Von einer Münchner Elite ist zumindest an einem kalten Januarmorgen nicht viel zu sehen auf dem Gelände des Golfclubs. Die letzte Schnee taut weg, die Parkplätze sind matschig. Nur wenige Autos stehen dort, viele edle Marken. 16 Menschen arbeiten alleine im Greenkeeping das ganze Jahr über - kümmern sich um die Maschinen, die Gebäude und die Anlagen. Doch derzeit: keine Menschenseele weit und breit, Clubhaus und Hauswirtschaftsgebäude liegen verlassen da. In der Verwaltung sind nur wenige Menschen unterwegs, dennoch sagt Geschäftsführer Kofler: "Die Wintermonate sind die stressigstes Zeit." Dann werde nämlich geplant, organisiert, gerechnet - Vorbereitungen für das kommende Jahr. Das hält wieder ein Highlight bereit, auf das die Eichenrieder Golffans im vergangen Jahr verzichten mussten: Die BMW-Open kommen wieder nach Eichenried.

"Die Zusammenarbeit mit BMW ist ein enormer Vorteil", sagt Kofler. Das Event bringt Geld und Prestige. Nachdem Eichenried in den letzten 25 Jahren fast jedes Jahr die Open ausgetragen hatte, gibt es seit 2011 einen neuen Modus. Nur noch alle zwei Jahre kommt BMW in den Landkreis Erding, man teilt sich die Open mit dem Gut Lärchenhof bei Köln. "Es ist eine nachvollziehbare Vertriebs- und Marketingentscheidung, wenn BMW auch andere Märkte erschließen möchte", sagt Kofler. "Ich denke, wir müssen uns darauf einstellen, dass die Tour nur noch alle zwei Jahre bei uns zu Gast sein wird, auch wenn wir sie sehr, sehr gerne jedes Jahr hier hätten." 2014 wird neu verhandelt. "Letztes Jahr gab es eine regelrechte Trauerstimmung, als die Tour nicht hier war, aber man muss auch Akzeptanz schaffen für das Event."

Akzeptanz, die nicht jedes Clubmitglied so gern aufbringt. Hinter vorgehaltener Hand sagen eine Golfer, die trotz Wind und Kälte im Januar ihren Abschlag üben, dass nicht alle immer zufrieden sind mit den Entscheidungen der Clubführung. Die BMW-Open bringe Unruhe in den Club, der 10-tägige Auflauf halte die Mitglieder vom Spielen ab. Kofler aber sagt, für die Mitglieder werde während dieser Zeit ein eigener Neun-Loch-Platz frei gehalten.

Was die Mitglieder aber noch viel mehr stört: Die Gebühren. Jedes Jahr - bis auf das vergangene - seien sie gestiegen, sogar schon einmal um neun Prozent. "Leider Gottes steigen die Energiekosten, solche Preissteigerungen muss man moderat mit in den Mitgliedsbeitrag einbauen", sagt Kofler diplomatisch dazu. Damit man eine hohe Qualität anbieten könne - Maschinen, hochwertige Plätze, Personal - müsste dies eben auch dementsprechend honoriert werden. Und ja, Eichenried sei tatsächlich am oberen Ende der Gebühren. Mitgliedschaften für Einsteiger kosten in Eichenried um die 200 Euro im Monat.

In Zeiten, in denen mancher Golfclub wirtschaftlich strauchelt, sehen viele nur eine Alternative zu höheren Gebühren: mehr Mitglieder aufzunehmen. Das aber will in Eichenried niemand, die Geschäftsleitung nicht, die Mitglieder nicht. Die Zahl der Mitglieder schwankt laut Kofler im Jahr um nur eine wenige Golfer. Nur das Loch soll gestopft werden, wenn einige der 1400 Mitglieder ausscheiden, viel neue soll es nicht geben. Es sei, sagt Kofler, aber auch nicht so, dass Interessenten ihm seine Türe eintreten würden. "Man muss schon Werbung machen, um neue Mitglieder zu akquirieren."

Mitglieder können Freunde und Verwandte vorschlagen, so bleibt man auch unter sich. Wer sich bewirbt, muss kein sportlicher Profi sein, auch Anfänger werden aufgenommen. "Was aber stimmen muss, ist das Zwischenmenschliche. Ich setzte mich mit jedem Interessenten hin und führe ein Gespräch. Wenn es nicht passt, dann merkt man das schnell", sagt Kofler. Und trotzdem sagen die Januar-Golfer draußen auf der Driving Range, manche Spieler würden nicht so recht rein passen in den Club, blieben lieber für sich. Überhaupt sollte der Club wieder mehr zu einem Ort des Vereinslebens werden, wo man sich auch einmal in geselliger Runde treffen kann. Das fehle ihnen ein wenig; Beschwerden, wie man sie sicherlich in vielen Vereinen hört.

Korbinian Kofler selbst kommt aus der Nähe von Grünbach, sein Vater Hans war einer der Golf-Pioniere in Bayern. Durch ihn kam der Sohn zum Golf, wurde Profi, spielte in der Nationalauswahl. Später ist er zum Golf-Management gewechselt, seither schaut er auf das Geld. Am liebsten wäre es ihm, die Interessenten würden gleich finanziell in den Club einsteigen, nicht nur über die Jahresgebühr. Der Club ist als GmbH & Co. KG organisiert, jeder Golfer kann ein Kommanditist, das heißt ein Gesellschafter, werden. Er muss dafür einen bestimmten Betrag einzahlen, und hat ein praktisch lebenslanges Spielrecht. Von den 1200 erwachsenen Eichenrieder Golfer sind 900 solche Kommanditisten - ein festes finanzielles Fundament, das Eichenried von anderen Clubs unterscheidet, die mehr von den Beiträgen abhängig sind.

Früher, sagt Kofler, hätten die Golfer oftmals so eine lebenslange Mitgliedschaft in einem Golfclub unterschrieben. Einmal einzahlen, für immer spielen. Heute aber hätten sich die Lebensumstände verändert, man wird flexibler. Jahresmitgliedschaften sind beliebt. Eichenried bietet sogenannte flexible, statt festgelegter Startzeiten an; Unter der Woche können die Mitglieder mit dem Spiel anfangen, wann sie wollen. Exklusiv ist das, und nur einer von vielen Services, den nicht jeder Club anbieten kann. Diese Flexibilität, die Nähe zu München und die nach Koflers Worten herausragende Standards der Anlage mache die bestimmte Mischung aus in Eichenried, die die Menschen anziehe.

Verknappung nennen das Manche, man könnte auch Luxus dazu sagen. "Verknappung ist eine sehr interessante Methode", sagt Kofler. Nicht jeder Club könne es sich erlauben, "leider Gottes", aber jeder sollte sich solche Alleinstellungsmerkmale suchen. "Jeder Spieler geht zu dem Club, der zu ihm passt, der ihm gefällt", sagt Kofler, und es schwingt mit: In Eichenried gibt es ausgezeichneten Service, der kostet. Das ist Marktwirtschaft, und Marktwirtschaft bietet eben auch Platz für die Elite, ihre teuren Autos und der Möglichkeit, schön Golf zu spielen.